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Der Zuger Domherr und Dekan tritt kürzer

Die Katholische Kirche organisiert sich um: Alfredo Sacchi (74) wird per Ende Juli das Amt des Dekans aufgeben. Seine Amtszeit war von vielen Veränderungen geprägt.
Andrea Muff
Alfredo Sacchi im Garten des Hauses Sunnematt, dem Sitz des Dekanats. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 1. Juni 2018))

Alfredo Sacchi im Garten des Hauses Sunnematt, dem Sitz des Dekanats. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 1. Juni 2018))

Alfredo Sacchi kennt die Katholische Kirche Zug wie seine Westentasche, dies ist auch kein Wunder, ist er doch seit 34 Jahren für sie tätig. Doch so langsam möchte der 74-Jährige mit dem Basler Dialekt einen Gang zurückschalten. Denn am 6. Juni findet die letzte Dekanatsversammlung statt. Per 31. Juli werden die Dekanate aufgelöst und das Amt des Dekans wird es im Kanton Zug so nicht mehr geben. Dies sei einer Umstrukturierung der kirchlichen Organisation geschuldet, weiss Alfredo Sacchi. Für ihn heisst das, dass er nach über zwei Jahrzehnten das Amt des Dekans aufgibt. Seit 2013 ist Alfredo Sacchi auch der Domherr des Kantons Zug, dies wird er weiterhin bleiben. Auch als Steinhauser Priester arbeitet er weiter.

Alfredo Sacchi ist ein besonnener Mensch: Er antwortet erst, wenn er sich zur Frage etwas überlegt hat. Beim Interview mit unserer Zeitung nimmt er sich also Zeit für eine durchdachte Antwort. Diese Eigenschaft ist ihm bestimmt im Amt des Dekans auch zugute gekommen. Denn zu den Aufgaben des Dekans zählte vor allem die Koordination unter den Pfarreien. Dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl und ein bedachtes Vorgehen. «Ich habe keine Entscheidungsgewalt und bin nicht der Chef», stellt Sacchi klar. «Ich schaue darauf, dass wir in unserem Gebiet eine Einigkeit finden.»

Alle Fachstellen unter einem Dach

Das Büro des Dekans ist im Haus Sunnematt in Baar beim Kantonsspital. Neben den Pfarreien lenkt der Dekan auch die verschiedenen Fachstellen, wie etwa die Kommunikation oder das Forum Kirche und Wirtschaft. Diese befinden sich alle unter einem Dach. «Das ist sehr praktisch», so der Dekan. Die Wege seien kurz. Dass er bald sein Büro räumen wird, findet er aber nicht so schlimm. «Die Menschen werde ich vermissen und ich habe ja noch zwei Büros», sagt er mit einem Schmunzeln. Eines sei in Steinhausen, wo er noch Priester ist und das andere zu Hause. «Dasjenige in Steinhausen benutze ich kaum. Am liebsten arbeite ich daheim. Da habe ich alle Bücher und fühle mich wohl.»

Ein 30-Prozent-Pensum weniger

Doch nicht nur zwischen seinen Büchern fühlt sich Alfredo Sacchi wohl, auch die Küche hat es ihm angetan. «Ich freue mich, dass ich wieder mehr kochen kann.» Dass er das gut kann, hat er kürzlich bewiesen, als er mit Bischof Felix Gmür ein Menü für einen Wettbewerbsgewinner gezaubert hat. Dass er jetzt ein 30-Prozent-Pensum weniger zu bestreiten hat, kommt Sacchi also auch in der Küche entgegen. «Ich freue mich über mehr Freizeit, aber ich glaube, das ist auch normal in diesem Alter», so der 74-Jährige. Das Amt des Domherrn wolle er noch behalten und erst später auch dort kürzertreten.

Freizeit hin oder her, die Kirche werde immer einen festen Platz in seinem Leben einnehmen, versichert Sacchi. «Ich bin schon so lange in der Seelsorge tätig, dass mir die Kirche nicht plötzlich egal sein kann – ich bin viel zu gerne in der Kirche tätig», gibt er zu. So wünscht er sich besonders, dass «die Kirche lebendig bleibt oder wird, und ich trage gerne meinen Teil dazu bei.»

Erst mit 40 Jahren wurde Alfredo Sacchi zum Priester geweiht und kam von der Innerschweiz in den Kanton Zug. Seine erste Station: Pfarrer der Kirche St. Johannes der Täufer in Zug. «Mir hat die moderne Kirche sofort gefallen.» Sacchi ist offen für Neues, er sieht aber auch die Veränderungen über die Jahre: «Die Distanz vieler Menschen zur Kirche wird immer grösser. Diese Tendenz ist in ganz Westeuropa spürbar.» Eine Denkpause. «Aber mit viel persönlichem Einsatz kann man vielleicht etwas bewirken.»

Für den Domherrn steht aber fest und damit richtet er das Wort auch an seine Glaubensgenossen: «Wir müssen es schaffen, dass wir die Botschaft Jesu so verkünden können, dass sie alle Leute verstehen. Denn so wie es jetzt ist, erreichen wir viele nicht mehr.» Denn für Jesus sei der Mensch im Mittelpunkt und nicht etwa Gesetze oder Regeln. «Diese sind natürlich auch wichtig», wirft Sacchi ein, aber «wir müssen uns auf die Menschen konzentrieren und darauf achten, dass es ihnen gut geht.» Die Modernisierung sei ihm schon immer sehr wichtig gewesen. Für den 74-Jährigen geht die Arbeit also nicht aus: «Angst, dass ich einsam werden könnte, habe ich nicht.»

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