Der Musiker und seine Orgel

Seit 40 Jahren ist der international bekannte Musiker und Komponist Carl Rütti in Oberägeri tätig.

Carmen Rogenmoser
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Carl Rütti bei der Orgel in der Pfarrkirche in Oberägeri.

Carl Rütti bei der Orgel in der Pfarrkirche in Oberägeri.

Bild: Stefan Kaiser, (25. Februar 2020)

«Der Klang der Orgel hat mir von Anfang an wahnsinnig gefallen», schwärmt Musiker Carl Rütti vom Instrument der Oberägerer Pfarrkirche. Das habe er schon bei deren Einweihung 1977 bemerkt. Damals lebte der studierte Musiker zwar bereits in Unterägeri, eine Anstellung als Organist hatte er allerdings noch nicht. Kurz darauf wurde er engagiert. Er ist bis heute geblieben. Am 1. März wird das 40-Jahr-Dienstjubiläum des Organisten gefeiert (siehe Hinweis).

«Sie klingt ganz weich», beschreibt der begnadete Musiker die Kirchenorgel. Das sei deswegen ungewöhnlich, weil es sich um eine vollmechanische Mathis-Orgel handle. «Diese waren früher hart zu spielen. Bei derjenigen in Oberägeri handelt es sich um eine der ersten, die über ein Schwellwerk, also sogenannte Jalousien, verfügt.» Die Jalousien lassen sich schliessen, dadurch wird der Ton leiser und es lassen sich andere Musiker und auch der Chor gut begleiten. Auch das tut Carl Rütti in Oberägeri seit 40 Jahren. «Es ist nicht selbstverständlich, dass man so lange an einem Ort bleibt», gibt er zu.

Orgelspielen durfte er erst nach dem Stimmbruch

Schon früh konnte sich der Zuger für das Kircheninstrument begeistern. «Als Ministrant in der Pfarrei St. Michael hat mich das Orgelspiel fasziniert.» Er kam ins Gymnasium in Engelberg und wurde dort aufgrund seiner guten Gesangsstimme dem Chor zugeteilt. «Orgel durfte ich erst nach dem Stimmbruch spielen», erinnert er sich. Dann allerdings wurde er gefördert, durfte bald wichtige liturgische Aufgaben als Organist übernehmen. Er studierte am Konservatorium in Zürich Klavier und Orgel und absolvierte in England ein Zusatzstudium. Der Zuger war beeindruckt von den dortigen Chören. «Die sangen völlig rein, zehnstimmig sogar.» Carl Rütti entwickelte eine Vorliebe für vielstimmige Musik und begann selber zu komponieren. «Zuerst war das eher ein Hobby», meint er. Heute ist Rütti Komponist mit internationaler Ausstrahlung. Viele Aufnahmen wurden aufgrund der guten Akustik in der Peter und Paul Kirche in Oberägeri gemacht. So etwa mit dem Peter und Paul Chor zusammen.

Der Chor ist denn einer der Gründe, weshalb Rütti Oberägeri die Treue gehalten hat. Mit dem Kirchenchor habe er gelernt, auch für Amateur-Singer zu komponieren. «Es war ein Ausprobieren: Was tönt schön, was kann man den Sängern zutrauen?» führt er aus. Eine der wichtigsten Kompositionen ist die «Peter und Paul Messe». Carl Rütti schrieb sie 1992 anlässlich der 500-Jahr-Feier der Kirche Oberägeri. Am kommenden Sonntag wird sie wieder aufgeführt.

Die Zusammenarbeit mit dem Chor habe seit jeher funktioniert. «Zum Teil sind sogar noch die gleichen Sänger dabei, wie vor 40 Jahren», so Rütti. Die Arbeit mit der Pfarrei sei angenehm gewesen. Verschiedene Pfarrer, Gemeindeleiter und Sakristane hat der 71-Jährige erlebt. Doch nicht zu letzt motivieren ihn die Kirchenbesucher selbst. «Das Publikum interessiert sich für die Musik.» Beim Schlussspiel etwa bleiben die Besucher sitzen – auch in Alosen und Morgarten.

Üben muss der Profi nicht mehr oft

Seit die Organisten der Oberägerer Weiler pensioniert wurden, musiziert Rütti in diesen beiden Kirchen. Er teilt sich das Pensum mit einem zweiten Organisten. Jahrelang arbeitete er mit Hanspeter Isler zusammen. In ihm hat er nicht nur einen guten Arbeitskollegen sondern auch einen Freund gefunden. «Hanspeter Isler führte zudem den Kirchenchor, wir arbeiteten Hand in Hand.» Seit dessen Pensionierung hat Rütti Katja Huber an seiner Seite. «Wir wechseln uns ab. Idealerweise übernimmt immer ein Organist alle Gottesdienste eines Wochenendes.» Einsätze gibt es zudem bei Beerdigungen und Auftritten mit dem Peter und Paul Chor. Viel üben müsse er dafür nicht, gibt der Organist zu. «Ich verfüge über ein grosses Repertoire. Das war mir immer wichtig.» Für seinen Auftritt an der eigenen Jubiläumsfeier allerdings übt der Profi. «Dann soll es ja schon richtig gut tönen.»

Ans Aufhören denkt der pensionierte Musiker überdies noch nicht. «Ich werde der Orgel in Oberägeri die Treue halten.» Und auch Kompositionsanfragen möchte er noch erfüllen. Zudem übernimmt der Zürcher Musikverlag Ruh nun alle Werke von Rütti. Das Zusammensuchen und Ordnen mache viel Arbeit, sagt Rütti. «Der Ruhestand ist nicht in Sicht.» Das ist gut so, nicht nur für die Mathis-Orgel in der Oberägerer Kirche.

Am Sonntag, 1. März, um 10 Uhr findet in der Pfarrkirche Oberägeri der Festgottesdienst zum 40-Jahr-Jubiläum von Carl Rütti statt. Der Peter und Paul Chor singt die «Peter und Paul Messe».

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