Porno, Sexting und Co. sind heimliche Gefahren für Jugendliche – so sieht die Situation in Zug aus

Wie ist damit umzugehen? Wie sollen Eltern sich verhalten? Anlässlich eines Workshops zu dieser Thematik steht ein Fachmann Red und Antwort.

Sina Engl
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Olivier Favre

Olivier Favre

Die Veranstaltungsreihe «Sicher und entspannt durch die digitale Welt», organisiert von der Stadtbibliothek Zug, greift offene Fragen und Ängste von Eltern, Kindern und digitalen Einsteigern auf. Die Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit des Amts für Gesundheit Zug lud zum Start zu einem aufschlussreichen Workshop für Eltern ein. Im Kontext damit suchte die «Zuger Zeitung» zu diesem Thema das Gespräch mit Olivier Favre, stellvertretender Leiter des Amts für Gesundheit im Kanton Zug. Seit 2014 leitet er die Abteilung Kinder-und Jugendgesundheit.

Die Veranstaltungsreihe startete mit dem Workshop «Porno, Sexting und Co. – Kinder vorbereiten und begleiten». Wie ist das über die Bühne gegangen, und welche Aspekte sind angesprochen worden?

Olivier Favre: In unserem Workshop haben wir stark damit gearbeitet, was die Eltern beschäftigt, was sie mitbringen, wo sie anhängen wollen. Für viele Eltern war der Workshop eine Gelegenheit, sich mit anderen austauschen zu können, zu sehen, dass sie mit ihren Fragen nicht allein dastehen. Um Fragen wie «Ist ein Verbot von Pornokonsum sinnvoll?» oder «Wie kann ich meinem Kind ein Gesprächsangebot machen?» zu beantworten, wurden verschiedene Ideen gesammelt und vorgestellt.

Wieso ist es wichtig, Eltern im Bereich Sexualität im Internet zu sensibilisieren?

Wir leben in einer digitalen Welt. Mit dem Smartphone hat man das Internet sozusagen in der Tasche. Gerade Kinder werden im Netz oft mit Inhalten konfrontiert, die sie gar nicht gesucht haben. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern darüber reden können. Denn oft geht es um verstörende Inhalte, welche die Kinder nicht einreihen können, und da sind sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Und die Eltern selbst wollen ihre Kinder mit diesen Problemen auffangen, wollen wissen, wie sie sie begleiten können.

Welche Fragen beschäftigen betroffene Eltern am meisten?

Viele wollen natürlich wissen, wie sie ihr Kind schützen können. Wann soll ich mit meinem Kind reden? Wie kann ich ihm beibringen, dass es keine Nacktfotografien verschicken soll? Es geht darum, dass Kinder wissen, wie sie mit pornografischen Inhalten im Internet umgehen sollen. Zwei Ebenen müssen hier unterschieden werden: Einerseits ist da die psychische Ebene. Kinder können durch pornografische Inhalte irritiertwerden, da sie nicht wissen, mit was sie es zu tun haben. Dann gibt es aber natürlich auch die rechtliche Ebene. Kinder und Jugendliche machen sich nämlich strafbar, wenn sie Fotos mit pornografischem Inhalt verschicken. Kinder wie Eltern müssen auf diesen beiden Ebenen aufgeklärt werden.

Wie beurteilen Sie die Situation im Kanton Zug: Ist die Problematik bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet?

Die James Studie der ZHAW zeigt auf, dass das Thema Pornografie im Internet unter Kindern und Jugendlichen in der Schweiz weit verbreitet ist. 44 Prozent aller Jugendlichen haben bereits Pornofilme auf dem Handy oder PC geschaut, 23 Prozent der 18-und 19-Jährigen haben schon Nacktbilder von sich selbst im Internet verschickt. 34 Prozent aller Mädchen in der Schweiz wurden im Netz schon von fremden Personen mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen. Auch wenn ein Kind kein eigenes Smartphone besitzt, ist es nicht unüblich, dass es sich mit pornografischem Inhalt konfrontiert sieht, zum Beispiel durch Freunde oder Bekannte.

Welche Ratschläge geben Sie Kindern und Eltern?

Das A und O ist das offene Gespräch. Kinder müssen merken, dass sie mit ihren gemachten Erfahrungen bei ihren Eltern auf Verständnis und Unterstützung treffen. Wir empfehlen Eltern, sich gerade am Anfang mit den Interessen des Kindes auf dem Smartphone auseinanderzusetzen. Es ist wichtig, zu erkennen, in welchen virtuellen Welten sich das Kind bewegt. Man kann sich von seinem Kind durchaus auch etwas erklären lassen. Das trägt zu einer guten Beziehung bei. Ausserdem gilt es, den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch zu finden. Es ist besser, Kinder frühzeitig aufzuklären, damit sie pornografische Inhalte, auf die sie früher oder später stossen werden, einordnen können.

Nach diesem Workshop folgen sechs weitere Veranstaltungen. Welche Schwerpunkte werden gesetzt?

An der Veranstaltungsreihe sind viele verschiedene Organisationen beteiligt. Das macht es möglich, die Reihe breit zu gliedern. Es beteiligen sich unter anderem die Zuger Polizei, die Elternbildung vom Eff-Zett oder die Jugendanimation Zug, welche einen generationenübergreifenden Workshop anbietet, indem junge Erwachsene Leuten helfen, die mit dem Smartphone nicht so gut zurechtkommen. Die abschliessende Veranstaltung wird wieder vom Amt für Gesundheit durchgeführt. Wir greifen das Thema Smartphone und Gesundheit auf und zeigen auf, welchen Einfluss das Smartphone auf die körperliche wie psychische ­Gesundheit hat.