Der neue Trainer von Zug 94 bringt die Zuversicht zurück

Der Erstligist Zug 94 stand vor dem sportlichen Ruin. Unter Vural Oenen sorgen die Zuger Fussballer nun wieder für positive Schlagzeilen.

Martin Mühlebach
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Vural Oenen im Hertistadion.

Vural Oenen im Hertistadion.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. September 2020)

Die 1. Mannschaft von Zug 94, die derzeit in der 1. Liga in der Gruppe 2 den 4. Tabellenplatz belegt, hat einen überraschend guten Start in die Saison 2020/2021 hingelegt. Überraschend, weil sich Zug 94 vor etwas mehr als einem halben Jahr noch mit einem 10-Punkte-Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in einer schier aussichtslosen Lage befand: Der Abstieg in die 2. Liga interregional schien besiegelt zu sein. Doch dann wurde die Rückrunde der Saison 2019/2020 infolge der Covid-19-Pandemie nicht mehr gespielt. Es gab keinen Aufsteiger und auch keinen Absteiger.

Aber der Stadtzuger Erstligist sah sich plötzlich mit vereinsinternen Problemen konfrontiert. Für den im vergangenen Herbst demissionierten Präsidenten Beat Knoblauch konnte noch kein Nachfolger gefunden werden. Es war indes nicht nur die Vereinsspitze, die ohne Führung dastand. Trainer Ergün Dogru wechselte zum Ligakonkurrenten YF Juventus Zürich, und mit ihm verliessen nicht weniger als 14 Spieler den Zuger Stadtklub. Und auch Sportchef Dusan Ilic quittierte den Dienst. Guter Rat war teuer, zumal der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet war – und es auch heute noch nicht ist. Nicht zuletzt, weil man nach wie vor ohne einen Hauptsponsor auskommen muss.

Vom Assistenztrainer zum Cheftrainer

In dieser schwierigen Situation bemühte sich eine kleine Gruppe um den Vizepräsidenten Christan Volkart, Zug 94 am Leben zu erhalten. In der Person von Besnik Reci wurde ein ehemaliger Fanionspieler und Trainer der 2. Mannschaft als Sportchef verpflichtet. Und der bisherige Assistenztrainer von Ergün Dogru – Vural Oenen – wurde zum Cheftrainer befördert. Reci und Oenen gelang es, die vielen Abgänge mit noch mehr Neuzuzügen zu kompensieren.

Vural Oenen hatte nun bei der Kaderzusammenstellung die Qual der Wahl. Er schien ein gutes Händchen gehabt zu haben. Nach der Cupniederlage gegen Solothurn nach einem Elfmeterschiessen und der 1:3-Heimniederlage im Meisterschaftsstartspiel gegen Langenthal gewann Zug 94 die folgenden Partien gegen Delémont (1:0) und Muttenz (3:0). In allen bisherigen Ernstkämpfen war die taktische Handschrift des Zuger Cheftrainers zu erkennen. Vural Oenen hat Zug 94 in seiner noch kurzen Amtszeit zu einer Einheit geformt, die auf und neben dem Platz hervorragend funktioniert.

Viel gelernt von Gilbert Gress

Vural Oenen, der schweizerisch-türkische Doppelbürger, brachte die Zuversicht wieder nach Zug zurück. Aber wer ist dieser Vural Oenen überhaupt, den in der Zentralschweiz vor dem Engagement bei Zug 94 kaum jemand kannte? Als kleiner Knirps trug er kurz die Farben des FC Red Star, ehe er als C-Junior zum FC Zürich wechselte, wo er später unter den Trainern Raimondo Ponte, Gilbert Gress und Georges Bregy als zentraler Mittelfeldspieler in der damaligen Nationalliga A spielte. Nach Engagements in der Türkei bei Adanaspor und Bursaspor und einigen gravierenden Verletzungen in seiner Aktivkarriere machte Vural Oenen eine Bürolehre und seine ersten Trainerdiplome. Die Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. Mit dem Drittligisten FC Horgen schaffte er bereits im ersten Jahr den Aufstieg.

Vural Oenen verrät seine Trainerphilosophie. Er sagt: «Von Gilbert Gress, der mir ein grosses Vertrauen entgegenbrachte, habe ich viel gelernt, was mir heute als Trainer zunutze kommt. Ich spreche viel mit meinen Spielern und versuche, den Erfolgsdruck von ihren Schultern zu nehmen, damit sie frei aufspielen können. Meine Jungs wissen, dass sie Fehler machen dürfen. Wichtig ist, dass sie Freude und Spass am Fussballspielen haben.» In den Spielanalysen nehme er auch die Ansichten der Leistungsträger, wie zum Beispiel von Torhüter Mario Pastore und Daniel Babic, zur Kenntnis. «Letztlich entscheide aber ich, welche Elf ich auf den Platz schicke und wie sie sich taktisch zu verhalten hat», betont Vural, der fünf Sprachen spricht und in Thalwil einen Barber Shop besitzt.

Demut bewahren und auf dem Boden bleiben

Samstag (5. September, 17 Uhr, Seefeld) gastiert Zug 94 beim SC Buochs. Vural Oenen verrät: «Ich habe Buochs bei der 1:4-Niederlage gegen Wohlen beobachtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass das neu geformte Team der Nidwaldner über gute Angreifer verfügt und dass die Defensive noch nicht ganz sattelfest ist.» Sie würden versuchen, ihr Spiel durchzuziehen. Aber es sei wichtig, trotz der letzten beiden Siege die Demut zu bewahren und auf dem Boden zu bleiben.

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