Der Organist ist Interpret und Organisator zugleich

Schlusskonzert der 38. Zuger Orgeltage in Menzingen: Die Organisation war noch nie so schwierig wie im laufenden Jahr.

Jürg Röthlisberger
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Am Schlusskonzert der 38. Internationalen Zuger Orgeltage in Menzingen sass Olivier Eisenmann selbst an den Manualen.

Am Schlusskonzert der 38. Internationalen Zuger Orgeltage in Menzingen sass Olivier Eisenmann selbst an den Manualen.

Bild: Stefan Kaiser (5. November 2020)

Olivier Eisenmann wollte mit dem Schlusskonzert der 38. Internationalen Zuger Orgeltage am 7. Juni seinen eigenen 80. Geburtstag feiern; aber er musste den ganzen Zyklus vorher absagen. Auf besondere Art wurde seine auch viele Jahre nach der Pensionierung ungebrochene Schaffenskraft auf die Probe gestellt: Es gelang ihm, für alle geplanten Konzerte mit den ausländischen Interpreten ein um wenige Monate verschobenes Ersatzdatum zu finden. Aber selbst da gab es nochmals zwei kurzfristige Umstellungen– am 18. Oktober und am 14. November – mit einem anderen Organisten und mit verändertem Programm. Genugtuung bereitete der fast durchwegs im Vergleich zu andern Jahren sehr gute Konzertbesuch.

Genau die gleichen Qualitäten eines nimmermüden Schaffers – diesmal als Interpret – dokumentierte Olivier Eisenmann an der Orgel in Menzingen. Angemessen gewürdigt sei bei diesem Anlass auch Verena Steffen. Sie hat nicht nur bei mehreren Konzerten als Flöten-Solistin mitgewirkt. Sie beteiligte sich – wie schon oft – beim Auftritt in Menzingen als Registrier-Assistentin, und sie steht seit Jahrzehnten dem Organisten in der administrativen und musikalischen Vorbereitung auf verschiedenste Weise immer wieder zur Seite. Selbst beim Geburtstagskonzert machte es sich Olivier Eisenmann nicht einfach. Er verzichtete auf sein Spezialgebiet – französische Orgelmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – und wandte sich in der zweiten Hälfte des Programms relativ unbekannten Werken zu. Das war ein Kontrast zu jenen zahlreichen Interpreten, welche sich am Schluss einer langen Karriere auf wenige Standardwerke beschränken, von denen sie wissen, dass sie beim Publikum gut ankommen.

«Bachähnlicher» Muffat

Das Programm in Menzingen begann mit Georg Muffat (1653–1704). In seiner Toccata-Sammlung – gespielt wurde die Elfte – wollte er sich nach eigenen überlieferten Worten selber zwischen verschiedene regional ausgeprägte Stilrichtungen stellen, was durch die Interpretation klar zur Geltung kam. Etwa der Beginn der Fuge im zweiten Satz hätte genauso gut von Johann Sebastian Bach stammen können; nur hätte dieser dann eine volle Durchführung angehängt und nicht nach wenigen Takten wieder abgebrochen.

Gerade in seinen Orgelwerken liess Mendelssohn häufig Stilprinzipien des von ihm hoch verehrten Johann Sebastian Bach durchschimmern. Die gedruckte Ausgabe der Sonaten 1844 (gespielt wurde jene in D-Dur) vermischte zum Teil Kompositionen unterschiedlichen Alters, was auch im definitiven Notentext irgendwie zu spüren war. Vor Erfindung der Röhrenpneumatik standen die Orgelwerke Mendelssohns immer noch irgendwie in einem «nachbarocken» Stilbereich.

Wohl zum ersten Mal hörten die meisten Leute im Publikum ein Werk des Kodaly-­Schülers Zoltan Gardonyi (1906–1986). Bei der gespielten «Legende von Jaszo» überlagerte sich die persönliche Erinnerung des Komponisten an Aufenthalte an diesem Ort mit weit zurückliegenden historischen Begebenheiten und mehrmaligem Wechsel der Nationalität im 20. Jahrhundert. Dies wurde auch durch Vermischung verschiedener Stilformen ausgedrückt.

Der abschliessende Zyklus «California Wine Suite» von Hans Uwe Hielscher (*1945) zelebrierte auf klanglicher Ebene mit klar abgesetzter Struktur die Vorzüge verschiedener Rebensäfte. Spätestens als dann im letzten Satz das weltbekannte Studentenlied «Gaudeamus igitur» erklang, hatte man den Bereich der Kirchenmusik definitiv verlassen.

Schade, dass es die aktuelle Coronasituation verbot, mit dem Jubilar nach geleistetem Konzert auch noch auf die erfolgreichen 38. Internationalen Zuger Orgeltage anzustossen.