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Der perfekte Ort für Emotionen

Auf dem Guggihügel herrscht trotz des nahen Gewusels Ruhe. Obwohl mitten in der Stadt Zug gelegen, findet jeder dort einen Platz und fühlt sich fast schon wie im Paradies.
Marco Morosoli
Die Rundbank auf der Guggiwiese: Hier fühlt sich Autor Morosoli wohl. (Bild: Maria Schmid (Zug, 11. Juli 2018))

Die Rundbank auf der Guggiwiese: Hier fühlt sich Autor Morosoli wohl. (Bild: Maria Schmid (Zug, 11. Juli 2018))

Bei schönem Wetter stehen sich die Menschen am Zuger Seeufer auf den Füssen herum. Hingegen bietet sich den Zeitgenossen mit Ruhebedürfnis ein paar Höhenmeter entfernt auf der Guggiwiese bei schönem Wetter ein atemberaubender Blick auf die Altstadt und die Berge. Etwas weiter rechts ist es dann, wenn der Blick auf Neu-Zug fällt, mit der steinernen Herrlichkeit vorbei. Bürotürme und andere Grossbauten wie auch Krane zeigen, dass Zug nicht zum Ballenberg gehört, sondern vielmehr eine Stätte ist, wo mit der ganzen Welt Handel getrieben wird.

Das Gute an der Guggiwiese: Es ist kein Eintritt notwendig, geschweige denn eine Liftfahrt mit verstecktem sanftem Konsumationszwang. Nur hinauflaufen ist eigentlich notwendig, um Zug aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Und das scheinen die Zuger verlernt zu haben. Speziell dabei: Beim Brand der Zuger Kantonalbank am 17. Juli 2014 haben sich plötzlich wieder alle an die Guggiwiese erinnert. Für den besten Zuger Aussichtspunkt wird sogar auf Schweiz Tourismus Werbung gemacht. In Ruhe lesen ist in jedem Fall auf dem künstlich aufgeschütteten Hügel meistens möglich. Schattenspendendes Blattwerk ist zwar nur spärlich vorhanden. Aber bei der Blüte der Rosen bekommt das satte Grün noch viele zusätzliche Farbtupfer.

Klar ist: Der Guggihügel ist von Menschenhand gemacht. Als Baustoff hat Aushubmaterial gedient, welches beim Bau des SBB-Stadttunnels im ausgehenden 19. Jahrhundert angefallen ist. Wer genau das veranlasst hat, ist unklar. In einem Bericht unserer Zeitung aus dem Jahre 2013 geht hervor, dass ein Spross der Familie Fridlin darum besorgt gewesen sei. Bekannt ist aber auch, dass eben diese Familie mit diesem Grundstück keine Freude hatte. Spätestens als Pläne der Eigentümer bekannt geworden sind, die Guggiwiese teilweise zu überbauen, ist eine Initiative lanciert worden. Das Volk hat diese am 2. Mai 1980 knapp angenommen. Weil aber der Stadtrat vergessen hat, dass auch noch ins Abstimmungsbüchlein gehört hätte, dass man nicht gleichzeitig Ja zur Initiative und zum Gegenvorschlag des Stadtrates sagen kann, hat das Zuger Verwaltungsgericht die Abstimmung kassiert.

Das Land «demokratisch gestohlen»

Am 28. September 1980 ist dann das Vorhaben nochmals an die Urne gekommen. Erstaunlich dabei: Das Verdikt war mit 3241 Ja- zu 2548 Nein-Stimmen klarer ausgefallen als beim ersten Versuch. Doch die Causa «Guggiwiese» hat danach noch Jahrzehnte weitergekocht. «Das Land wurde uns demokratisch gestohlen», liess sich Carl Fridlin Ende April 2013 zitieren. Streitpunkt waren – erwartungsgemäss – Entschädigungszahlungen. Über 17 000 Quadratmeter haben faktisch über Nacht ihren Besitzer gewechselt. In einem Bericht der «Neusten Luzerner Zeitung» vom 17. Juni 1991 schreibt Rupy Enzler: «1988 wurden keine 200 Meter von der Guggiwiese entfernt am Postplatz Quadratmeterpreise zwischen 20 000 und 25 000 Franken bezahlt.»

Bis die Akte «Guggiwiese» geschlossen werden konnte, haben die Parteien durch alle Instanzen bis vor Bundesgericht gestritten. Letztlich hat die kantonale Schätzungskommission 2013 einen Entscheid gefällt. Die Stadt muss für die Wiese 20 Millionen Franken bezahlen. Das Geld ist geflossen, aber nicht alle sind dadurch glücklich geworden.

Es tun also alle Zuger und ihre zugewandten Orte gut daran, sich jeweils in Erinnerung zu rufen, auf was für teurem Boden sie sich gerade befinden. Zum Vergleich eine Zahl: Die Bossard-Arena hat rund 62 Millionen Franken gekostet.

Ein weiser Spruch

Was die Guggiwiese so attraktiv macht: Sie ist nicht überstellt. Die Bank auf dem höchsten Punkt ist schlicht. Gewonnen hat die grüne Lunge sicher durch die halbmondartig gearbeitete Mauer. Auf der Sitzfläche ist der folgende Spruch zu lesen: «Concordia Res Parvae Crescunt. Discordia Dila Buntur.» Wohlwissend, dass längst nicht jeder Zuger des Lateinischen mächtig ist, folgt hier die Übersetzung: «Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht zerfallen sie.» Dieser Spruch ist weise, dürfte aber vielen Guggiwiesengängern ziemlich egal sein.

Dass im schönsten «Zuger Zimmer» – oder auf der schönsten Zuger Plattform – nicht so viel Verkehr herrscht, macht den Ort auch für frisch Verliebte attraktiv. Dort sind sie davor sicher, dass ihr womöglich erster Kuss nicht gleich als Beifang auf irgendeiner Social-Media-Plattform landet. Der Platz ist auch schon für eine grosse private Fete «übernutzt» worden, auch diesbezüglich ist es ruhiger geworden.

Möge die Guggiwiese also noch lange ein Geheimtipp bleiben. Dann ist und bleibt sie ein Ort der Entschleunigung inmitten von Alltagshektik. Das Wort «unbezahlbar» passt dafür sicher besser als bei einem Werbespot für die Nutzung einer Kreditkarte.

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