Serie

Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: Der praktische für den Alltag

Unsere Autorin entdeckte den Weg einst beim Spazierengehen mit dem Hund für sich. Sie ist ihm bis heute treu geblieben.

Carmen Rogenmoser
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Das Tüpfelchen auf dem I: Die Sicht über das Ägerital.

Das Tüpfelchen auf dem I: Die Sicht über das Ägerital.

Bild: Matthias Jurt, Oberägeri, (24. Juli 2020)

Eine schöne Aussicht geniessen, dem Gewässer entlang schlendern, oder in einem tollen Restaurant einkehren: Das alles mache ich gerne, bei meinem Lieblingsweg spielt das allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Es geht in erster Linie ums Laufen, um das Abspulen der Strecke. Das Besondere an meinem Spaziergang – den ich so oft gegangen bin, dass ich gar nicht zählen mag – ist vor allem eines: Er ist praktisch.

Er hat alles, was man sich von einem Spaziergang erhofft: Wieder zu Hause, ist man angenehm erschöpft, die Beine lassen einen die getane Arbeit spüren, der Kopf ist durchlüftet.

Für alle, die auf der Suche nach genau einem solchen Spaziergang sind, hier mein Geheimtipp: Es geht von Oberägeri per Rundweg über den Kistenpass.

Gestartet wird direkt vor der Haustüre. Will man nicht der Hauptstrasse entlang laufen, gibt es in diesem Dorf praktisch nur eine Alternative: aufwärts und das gleich schon zu beginn. Ich biege also in die Schneitstrasse ein und folge dieser bis zum Ehrliberg. Auf diesen ersten 20 Minuten kommt man schon ordentlich ins Schwitzen. Man gewinnt aber auch schnell an Höhe. Das gefällt mir. Weiter geht es nun ein Weilchen geradeaus, vorbei an Häusern, auf deren Grund unlängst noch Kühe weideten. Die nächste Steigung wartet schon. Ich passiere die Sprachheilschule Unterägeri und erreiche den Höhenweg, der im Wald bis zur Klinik Adelheid führt. Dort biege ich scharf rechts ab und tauche wieder in den Wald ein, bald laufe ich auf der Naturstrasse.

Fast alleine unterwegs

Hier ist es auch im Sommer angenehm kühl. Immer noch gewinne ich an Höhe, nicht mehr ganz so effizient wie zuvor, aber das Herz schlägt ordentlich. Die Waldstrasse ist nicht stark frequentiert. Es kommt immer mal wieder vor, dass man auf Forstwarte trifft. Auch bei Bikern ist die Strecke beliebt und einige sind hier mit ihren Hunden unterwegs – das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich diesen Spaziergang schon so oft gegangen bin. Es handelt sich dabei um den Alltags-Gassi-Gang unseres Familienhundes. Die Höhe ist nun fast geschafft. Bei der Hinterwyden kommt man wieder aus dem Wald. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Geradeaus geht es Richtung Gubel und Menzingen, links zu einem schönen Aussichtspunkt. Ich bleibe auf Kurs und biege rechts ab. Erneut geht es in den Wald.

Der Kistenpass, das eigentliche Gipfel-Ziel, ist nun erreicht.

Bei Bedarf kann man in der Alpwirtschaft einkehren. Ich gehe weiter, und muss mich kurz nach dem Bildstöckli bei der Schneit entscheiden. Nehme ich für den Abwärtsweg den etwas abenteuerlichen Wanderweg oder die Strasse?

So oder so ist sie dann plötzlich da: die wunderbare Aussicht über das Ägerital. Ist der Himmel klar, sieht man über Morgarten hinweg sogar die Urner Berge. Ein Ausblick, der mich immer wieder erfreut. Geschafft, denke ich dann. Was jetzt noch kommt, ist quasi das Auslaufen. Es geht quer über die (selbstverständlich frisch gemähte Wiese, ansonsten bleibe ich auf der Strasse) bis zum ersten Wohnquartier im Hagli. Es geht steil bergab. Vorbei an pompösen Neubauten, umgenutzten Stall-Gebäude und alten Bauernhäusern. Die Geschichte der Gemeinde widerspiegelt sich in diesem Gebiet an jeder Ecke. Und schon bin ich wieder mittendrin im Alltag. Dank einigen Abkürzungen und Fusswegen, die zwischen den Häusern durch führen, bin ich in wenigen Minuten unten im Dorf. Ich schaue auf die Uhr: Gut 90 Minuten war ich unterwegs. Es hat gut getan. Jetzt reichts aber auch wieder mit Spazieren.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.

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