Der Samichlaus bleibt in diesem Jahr im Kanton Zug auf Distanz

Viele Chlausumzüge sind abgesagt. Hausbesuche sind in einigen Zuger Gemeinden aber möglich, allerdings in anderer Form als gewohnt.

Carmen Rogenmoser
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Samichläuse unter sich wie hier in Baar im vergangenen Jahr. Heuer ist Abstand geboten.

Samichläuse unter sich wie hier in Baar im vergangenen Jahr. Heuer ist Abstand geboten.

Bild: Roger Zbinden (30. November 2019)

Sehnsüchtig, gar ehrfürchtig wird seine Ankunft Jahr für Jahr erwartet. Der Samichlaus und seine Gefolgschaft sind rund um den 6. Dezember in fast jeder warmen Stube willkommen. In einigen Zuger Gemeinden künden laute Trycheln sein Kommen an, in anderen ist nur ein leises Glöcklein zu hören. In diesem Jahr könnte das alles ganz anders sein. Die Coronapandemie hat auch Einfluss auf diese vorweihnachtliche Tradition, wie die Nachfrage bei einigen zuständigen Vereinen zeigt.

So hat etwa die St. Niklausgesellschaft der Stadt Zug die Hausbesuche ganz abgesagt und die betroffenen Familien Anfang Oktober darüber informiert, wie Vereinspräsident Thomas Betschart mitteilt. Die nötigen Schutzmassnahmen könnten nicht eingehalten werden. Im Brief an die Betroffenen steht geschrieben: «Der Samichlaus und seine Schmutzlis werden in diesem Jahr keine Familien, Kindergärten und Schulen besuchen und auf den Kirchenauszug verzichten. Der Samichlaus ist vernünftig und bleibt zu Hause.» Das sei zwar im ersten Moment enttäuschend und traurig, aber in Anbetracht der Situation richtig.

Schutzkonzepte und Abstand

In einigen Gemeinden finden Hausbesuche statt. Diese unterliegen einem Schutzkonzept, das falls nötig kurzfristig angepasst oder erweitert wird, wie die zuständigen Vereine mitteilen. Für diesen Weg entschieden hat man sich etwa in Walchwil. Hier kommt der Samichlaus vorbei, es gelten aber Auflagen: «Neu haben wir auf unserem Anmeldeblatt eine kurze Erklärung ‹Covid› platziert und unter ‹gut zu wissen› gebeten, den Raum vor unserem Besuch zu lüften», führt Oberchlaus Beat Hürlimann aus und ergänzt: «Da wir prinzipiell keine Kinder anfassen oder auf den Schoss nehmen, erübrigt sich auch ein direkter Kontakt.» Die Kinder sollen in sicherer Distanz auf dem Sofa sitzen, wenn sie ihre Sprüchli vortragen. Er weist aber auch daraufhin, dass jederzeit weitere Einschränkungen oder gar ein Besuchsverbot verhängt werden könnte.

Ähnlich handhabt es Samichlaus Steinhausen. Um die Chlaustraditionen durchführen zu können, hat der Verein ein Schutzkonzept erstellt, wie Daniel Notter informiert. Ein wichtiger Punkt ist, dass eine strikte Buchführung über besuchte Personen gemacht und diese 14 Tage aufbewahrt wird. Familien mit Krankheitssymptomen werden nicht besucht, sondern es kann etwa via Balkon «Hallo» gesagt werden. Auch muss auf ein wärmendes Kaffeeschnaps verzichtet werden. Der Samichlaus und seine Begleiter dürfen keine offenen Lebensmittel konsumieren. Ob der Samichlauseinzug stattfinden kann, werde noch mit der Gemeinde diskutiert.

Abgesagt ist der Chlausauszug in Baar bereits, Hausbesuche sollen aber möglich sein, so Deborah Jung, Präsidentin von Samichlaus Baar: «Wir haben nach Rücksprache mit dem Kantonsarzt Rudolf Hauri entschieden, die Familienbesuche normal zu planen. Wir bitten die Helfer und Familien abzusagen, wenn jemand Symptome hat.» Bei allfälligen Änderungen würden bereits angemeldete Familien direkt informiert.

Die Rotten vom Fenster aus geniessen

Noch in Absprache ist man in Neuheim, wie Gerry Kränzlin sagt. Er ist zuständig für die Chlaustradition in der Gemeinde. Der Wunsch wäre es, dass sowohl der Chlauseinzug in die Kirche wie auch die Hausbesuche möglich sind. «In angepasster Form selbstverständlich», wie er sagt. Ein Flyer mit den entsprechenden Informationen werde Anfang November in die Haushalte verschickt. Aber auch hier sei Vorsicht geboten: «Es kann auch kurzfristig zu Änderungen kommen.» Die aktuellsten Informationen seien auf der Website der Pfarrei Neuheim zu finden.

Der jährliche Chlauseslä-­Umzug vom 5. Dezember musste in Unterägeri bereits abgesagt werden. Das Chlauseslä der sieben Rotten inklusive Samichlaus und Schmutzli soll aber stattfinden, wie der Informationsbeauftragte Rolf Iten sagt. «Damit können wir am 5. Dezember ab 17 Uhr von Haus zu Haus ziehen und für karitative Projekte Spenden sammeln.» Und die Bevölkerung kann das vorweihnachtliche Treiben von ihren Fenstern aus verfolgen.