Der SC Cham hofft auf den Saisonabbruch

Der Sportchef des Promotion-League-Klubs Marcel Werder zeigt auf, dass die Fortsetzung der Meisterschaft diesen teuer zu stehen käme.

Martin Mühlebach
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Seit Mitte März ruht der Fussballbetrieb auf dem Chamer Eizmoos.

Seit Mitte März ruht der Fussballbetrieb auf dem Chamer Eizmoos.

Bild: Roger Zbinden (29.2.2020)

Der Schweizer Fussballverband (SFV) möchte den wegen der Coronakrise ausgesetzten Spielbetrieb der Super League und Challenge League so rasch wie möglich wieder aufnehmen. Auch die Meisterschaften der Promotion League und der 1. Liga könnten fortgesetzt werden. Die Saisons der tieferen Spielklassen sind hingegen abgebrochen worden.

Um die noch ausstehenden Spiele austragen zu können, zieht der SFV Spiele ohne Publikum in Betracht. Während die Profivereine so zumindest von TV-Einnahmen profitieren könnten, würden die Amateurklubs leer ausgehen. Marcel Werder, der Sportchef des Promotion-League-Vereins SC Cham, erklärt, warum eine Fortführung der Spielzeit die bereits strapazierten Vereinsfinanzen sogar weiter belasten würden.

«Dass wir unsere Spieler wohl fortlaufend medizinisch auf Covid-19 testen lassen müssten, ginge massiv ins Geld. Das könnten wir und wohl auch alle anderen Nicht-Profiklubs kaum verkraften. Deshalb ist der Saisonabbruch zu befürworten.»

Die Fussballer wissen seit rund zwei Monaten nicht, wie und wann sie wieder gemeinsam trainieren und spielen dürfen. Die ersten beiden Frühjahrsrunden wurden erst einen Tag vor dem Anpfiff abgesagt, und Mitte März musste der Trainingsbetrieb auf Befehl des Bundesrates eingestellt werden. «Seither ist die Anlage im Stadion Eizmoos geschlossen und der Sponsorenlauf vom 3. Mai musste verschoben werden, während das Internationale Zugerlandturnier vom 30. Mai bereits definitiv abgesagt worden ist», sagt Marcel Werder.

Ob das Livekonzert der Stubete-Gäng vom 13. Juni im Eizmoos und das Dorfturnier im Hirsgarten vom 28. bis 30. Juni durchgeführt werden können, sei noch ungewiss. Ein Ausfall dieser beiden Events würde sich gravierend auf die Vereinsfinanzen auswirken. «Es würden uns etwa 100000 Franken budgetierte Einnahmen fehlen», rechnet der Sportchef vor. Weitere Mindereinnahmen ergäben sich aus den Ticketeinnahmen der Spiele der ersten und der zweiten Mannschaft, der Ausfall von Sponsoringgeldern und Merchandising sowie der Ausfall der Pachteinnahmen für das Bistro 1910.

Spieler und Trainer verzichten auf Geld

Um die Vereinsfinanzen ein wenig entlasten zu können, hat der SC Cham einige Massnahmen eingeleitet: die Einführung von Kurzarbeit für alle Angestellten des Vereins. Den Sportämtern wurden verschiedene Anträge zugestellt, und unter dem Titel «Min Lieblingsverein» wurde eine eigene Solidaritätsaktion gestartet, die zum Kauf von Fanartikeln und VIP- Tickets aufruft (siehe Box). Auch intern gibt es eine Entlastung: «Die Spieler im Leistungssport und die Trainer im Leistungs- und Breitensport zeigen sich solidarisch und verzichten auf ihre Löhne ab Mitte März bis Ende Mai», führt Werder aus. Und er sagt weiter:

«Bei einem vorzeitigen Saisonabbruch würden im Spielbetrieb einige Kosten wie Schiedsrichter- und Reisekosten sowie Bussengelder wegfallen. Damit wären die finanziellen Einbussen zwar noch nicht gedeckt, aber zumindest ein wenig gemildert.»

Falls die Saison zu Ende gespielt werden sollte, müssten bis Ende Juli noch 13 Spiele ausgetragen werden. Das würde für Nicht-Profi-Spieler eine ungeheure Belastung bedeuten. Der Chamer Sportchef fragt sich ausserdem, wann dann die neue Saison gestartet werden würde und betont: «Im Moment ist es sehr schwierig, irgendwelche Planungen für die neue Saison vornehmen zu können. Es ist nach wie vor vieles ungewiss – auch was die Budgetsituation betrifft.» Daher seien im Moment noch keine neuen Verträge mit Trainern und Spielern im Hinblick auf die Saison 2020/21 abgeschlossen worden. Auch deshalb hofft der Verein auf baldige Klarheit.

Trotz all der erwähnten Schwierigkeiten gewinnt der Chamer Sportchef der aktuellen Situation auch etwas Positives ab. «Der Fussball reguliert sich im Moment grad ganz von selbst. Und dies ist sicherlich für alle Vereine gesund und gut – egal ob auf Topniveau oder im Amateurbereich.»