Der SC Cham mit Chancen in Hülle und Fülle

Die Chamer stürmten auf Teufel komm raus. Zu mehr als einem 1:1-Unentschieden reichte es trotzdem nicht.

Martin Mühlebach
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SC-Cham-Spieler Joel Miranda.

SC-Cham-Spieler Joel Miranda.

Bild: Roger Zbinden (Cham, 19. September 2020)

500 Zuschauer erlebten auf dem Eizmoos ein Promotion-League-Spiel zwischen Cham und Sion U 21, das alles beinhaltete, was den Fussball so interessant, unberechenbar und spannend macht. Nach nur gerade 102 Sekunden zischte der Ball nach einem Kopfball von Mario Bühler haarscharf am hinteren Torpfosten der Walliser vorbei. Nur sechs Zeigerumdrehungen später musste sich der Chamer Torhüter Samuel Blätter waghalsig in die Schussbahn des allein auf ihn zustürmenden Frederico Da Costa werfen, um seine Elf vor einem frühen Rückstand bewahren zu können.

Der Super-League-erprobte Sittener Mickaël Facchinetti sorgte in der 13. Minute dafür, dass sein Team in Führung zu gehen vermochte, indem er einen Freistoss aus 17 Metern an der Chamer Abwehrmauer vorbei in die Maschen versenkte. Torhüter Samuel Blättler, der bei diesem Gegentor nicht vorteilhaft aussah, gestand hinterher: «Weil zwei Sittener, ein Linksfüsser und ein Rechtsfüsser, zur Ausführung des Freistosses bereitstanden, beorderte ich einen Mann weniger in die Mauer, um freie Sicht zu haben. An einem guten Tag hätte ich diesen Flatterball wohl gehalten.»

Cham versuchte vehement, den angerichteten Schaden so rasch wie möglich wieder zu beheben. Mit einem gepflegten Aufbauspiel gelang es, einige Eckbälle und Distanzschüsse zu erzwingen, die aber die dicht gestaffelte Abwehr der Gäste nicht zu beunruhigen vermochten. Nach rund einer halben Stunde kamen die Walliser – mit Ausnahme einiger gefährlicher, geradlinig vorgetragener Konterangriffe – kaum mehr aus ihrer Platzhälfte hinaus. Cham erspielte sich im Minutentakt Torchancen in Hülle und Fülle. Doch Nico Siegrist (29.), Lukas Riedmann (30.) und Jan Loosli (33.) hatten ihr Visier zu ungenau eingestellt, oder sie scheiterten am aufmerksamen Walliser Schlussmann Damien Buchard. Da Cham in der 41. Minute innerhalb von wenigen Sekunden drei hochkarätige Einschussmöglichkeiten ungenutzt verstreichen liess, musste die Elf von Trainer Roland Schwegler die Halbzeitpause beim Stande von 0:1 antreten. Im zweiten Durchgang änderte sich nichts an der Physiognomie des Spiels. Die Platzherren übernahmen sofort wieder das Spielgeschehen. Marco Rüedi scheiterte, vorerst allein vor dem Walliser Keeper auftauchend (51.), ehe Rrezart Hoxha in der 58. Minute aus einem Gewühl heraus den langersehnten Ausgleichstreffer zum 1:1 zu erzielen vermochte. Cham stürmte unentwegt weiter. Es schien, dass die Elf von Trainer Roland Schwegler ihrem vor kurzem neu gewählten Präsidenten Rolf Tresch zu seinem Amtseinstand einen Sieg schenken wollten.

Hand am Ball ohne Verwarnung

In den Schlussminuten wurde es noch einmal hektisch. Der eingewechselte Marques Berdayes sah seinen Schuss (84.) knapp am Chamer Gehäuse vorbeistreichen, und in der 88. Minute forderten die einheimischen Zuschauer lautstark einen Handspenalty zu Gunsten ihrer Elf, als ein Walliser Abwehrspieler auf den Boden fallend den Ball mit der Hand berührte. Doch die Pfeife des Unparteiischen blieb stumm. Wohl zu Recht. Das Reglement schreibt vor: Wenn ein Spieler unabsichtlich auf den Boden fallend den Ball mit der Hand berührt, ist von einem Pfiff und einer Verwarnung abzusehen.

Der Chamer Trainer Roland Schwegler fasste die Partie wenige Augenblicke nach dem Abpfiff treffend zusammen. Er sagte: «Es fehlte nur wenig. Wir hatten Torchancen in Hülle und Fülle. Dass wir das Spiel trotzdem nicht zu gewinnen vermochten, lag daran, dass die letzten Pässe zu ungenau ankamen und dass wir in der Box zu wenig Druck zu erzeugen vermochten.»