Zuger Sportvereine integrieren Flüchtlingskinder: «Der Sport ist unsere gemeinsame Sprache»

Der Siebenjährige Mohamed aus Syrien kickt bei den F-Junioren des Fussballclubs Cham. Ein schönes Beispiel für gelebte Integration.

Cornelia Bisch
Merken
Drucken
Teilen
Mohamed aus Syrien (rechts) fühlt sich wohl unter seinen Kollegen der F-Junioren-Mannschaft in Cham. (Bild PD)

Mohamed aus Syrien (rechts) fühlt sich wohl unter seinen Kollegen der F-Junioren-Mannschaft in Cham. (Bild PD)

Er sei ein stiller Junge, der einfach nur glücklich sei, dabei zu sein, sagt der Trainer der F-Junioren beim FC Cham Daniel Frischkopf. «Mohamed strahlt immer, wenn er kommt.» Eindrücklich sei auch der Moment gewesen, als der siebenjährige Syrer vom Jugend-Koordinator des Vereins Urs Brantschen eine eigene, brandneue Fussball-Ausrüstung erhalten habe. «Der Kleine hatte fast Tränen in den Augen vor Freude.»

Mohamed sei praktisch sein ganzes Leben lang auf der Flucht gewesen, schreibt der FC Cham in einer Medienmitteilung. Zuerst im eigenen Heimatland Syrien, dann in Jordanien. Schliesslich gelangte die Familie vor zwei Jahren in die Schweiz. Die Organisation Punkto Zug vermittelte den Kontakt zwischen den beiden Söhnen der Familie und dem Fussballclub der Ennetseegemeinde. «Die beiden hatten schon in Syrien Fussball gespielt», erzählt Trainer Daniel Frischkopf. «Jedoch nur mit Freunden auf der Strasse ohne jede Infrastruktur oder Ausrüstung.» Deshalb seien die beiden immer wieder erstaunt über die Anlagen, die dem FC Cham zur Verfügung stünden. «Der Kleine versteht schon viel, redet aber nicht sehr oft», erzählt Urs Brantschen, der immer mal wieder am Spielfeldrand steht und den Jüngsten beim Training zusieht.

Multikulturelle Vereine

«Es gibt auch noch andere in unserer Gruppe, die nicht allzu gut deutsch sprechen», erzählt der Junioren-Trainer. «Der Sport ist unsere gemeinsame Sprache.»

Beim FC Cham trainieren Buben und Männer aus 31 verschiedenen Nationen, auch beim FC Ägeri sind 30 Nationen vertreten, in Baar sogar rund 40. Es gebe im allgemeinen keine Probleme, die auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen seien, stellen Vertreter sämtlicher Vereine einhellig fest. Natürlich gebe es hin und wieder Reibereien oder Meinungsverschiedenheiten, aber nichts, was sich nicht durch Gespräche aus der Welt schaffen liesse.

«Flüchtlingskinder sind oft am Anfang vorsichtiger und zurückhaltender», berichtet Peter Imholz, Juniorenobmann des FC Ägeri. Das sei wohl der Sprachbarriere geschuldet. «Aber der Mannschaftssport tut den Kindern sehr gut, und sie schätzen es auch, dabei zu sein.» Es sei manchmal schwierig mit dem Informationsaustausch, sodass die Kinder nicht immer zur rechten Zeit am rechten Ort seien. «Die Eltern nehmen oft gar nicht Anteil am Hobby ihrer Kinder, bieten kaum Fahrdienste an und zeigen sich praktisch nie.» Hierbei würde sich der Obmann ein wenig mehr Unterstützung der zuständigen Ämter wünschen. Zudem bemüht sich Imholz, die Familien dazu anzuhalten, mit einer Kuchenspende oder Ähnlichem für die Gemeinschaft etwas beizutragen. «Dazu muss ich sie aber auffordern, sie kommen nicht selbst darauf.»

Jeder hilft nach Möglichkeit mit

Von ähnlichen Beobachtungen erzählt auch Urs Buob, Leiter der technischen Kommission beim FC Baar. Er stellt klar: «Wenn man in unserem Verein mitmacht, dann bekennt man sich zu einer gewissen Linie, was Auftreten, Trainingsdisziplin und die Mitarbeit im Verein anbelangt», betont er. Anstand, Respekt und Zuverlässigkeit würden dazu gehören. Bei der Einhaltung gebe es sehr grosse Unterschiede, die aber nicht abhängig seien von der Nationalität.

«Wir behandeln alle gleich, erwarten aber auch, dass alle mittragen.» Dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten. «Wenn jemand keine Fahrdienste anbieten oder den Mitgliederbeitrag nicht vollständig entrichten kann, macht er das eben durch zusätzliche Hilfseinsätze wett.» Beim FC Baar sei man so gewöhnt an die multikulturelle Vereins-Zusammensetzung, dass dies überhaupt kein Thema mehr sei, stellt Buob fest. Über die hohe Wertschätzung für die Arbeit des Clubs seitens der Gemeinde freut er sich sehr.

Viele Unihockey-Spieler stammen aus Nordeuropa

Beim Unihockey Club Zug United herrsche momentan ein Aufnahmestopp, da der Andrang so gross sei, berichtet Präsident Patrick Trachsel. Das sei eine grosse Herausforderung für den Verein. «Bei uns ist der Anteil an Flüchtlingskindern jedoch nicht sehr hoch», sagt er. Einige Kinder aus Sri Lanka seien dabei. «Aber aus Syrien oder Eritrea haben wir niemanden.» Dies wohl vor allem deshalb, weil der Sport in diesen Ländern kaum bekannt sei.

Insgesamt zählt der Zuger Verein Mitglieder aus lediglich zirka zehn verschiedenen Nationen. «Es sind vor allem Nordeuropäer, vornehmlich Skandinavier, die Unihockey spielen.» Aber auch bei Zug United ist man offen für die Aufnahme von Flüchtlingen. «Mannschaftssport unterstützt die Integration niederschwellig», ist Trachsel überzeugt. Wie Fussball, so sei auch Unihockey eine günstige Sportart. «Mit Sportkleidern und einem Stock ist man fertig ausgerüstet.»