Leserbrief

Der Sport zeigt sein wahres Gesicht

Zur Wertschätzung der Zuschauer im Profisport

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In der Wirtschaft nennt man das, was momentan im Sport abläuft, «Zombiewirtschaft». Eine Wirtschaft, die nur noch Unnötiges produziert, weil sie nicht anders kann. Genau das passiert im Sport, dort werden Wettkämpfe virtuell und/oder ohne Zuschauer durchgeführt!

Im Sport geht es längst nicht mehr um Leibesübungen, um Wettkampf um das Sich-Messen, die Zuschauer sind völlig unwichtig, ja irrelevant. Was zählt, sind Sponsoren und Fernsehrechte. Der Sport ist nur noch ein Vehikel, um Geld zu machen. Dies hat nichts mit dem Sportgedanken des 18. Jahrhunderts und noch weniger mit dem der Antike zu tun. Der Sport ist ein Zombie ohne Seele und eigentlich inzwischen gesellschaftlich völlig irrelevant. Liebe Sportbegeisterte, indem ihr die Abos erneuert, unterstützt ihr eine Maschinerie, die euch nur verachtet und liebe Sponsoren: Wer in Zombies investiert, ist wahrscheinlich selber ein Zombie und unglaubwürdig.

Erich Fromm hat von einer pathologischen Normalität geredet und wie Max Weber den real existierenden Kapitalismus massiv kritisiert. Wir sind heute in einem Zustand, in dem wir Konsum vergöttern und das Haben höher bewerten als das Sein. Konsum ist wichtiger als Leben, wir sind in diesem Sinne inhaltsleere Konsumzombies geworden. Wir glauben tatsächlich, der Konsum erlaubt uns dafür, unsere Welt zu zerstören. Wir Menschen haben in diesem Hamsterrad mitzulaufen.

Wir brauchen eine neue Lebenseinstellung und eine neue Wirtschaft, sonst gehen wir unter. Das Konkurrenz- und Effizienzdenken hat uns geschwächt, wir brauchen eine Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, und zwar auch in der Wirtschaft.

Wer also ein Abo gekauft hat, denke bitte daran: Bald kommt die Grippesaison und dann beginnt alles von vorne, und ihr habt das Geld zum Fenster rausgeworfen. Und zu guter Letzt, wollt ihr wirklich an ein Spiel mit Maskenpflicht?

Oder glaubt ihr wirklich, bei der Grippe wird alles wieder vernünftig?

Michel Ebinger, Rotkreuz