Der Trend der steigenden Gymnasialquote in Zug geht weiter

Dieses Jahr wurde ein für den Zuger Bildungsdirektor, Stephan Schleiss, unerfreulicher Rekord aufgestellt: Über 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler kamen ans Gymnasium. Eigentlich definierte der Regierungsrat das Ziel, die Gymnasialquote bei zirka 20 Prozent zu halten.

Désirée Hotz
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Immer mehr Zuger Schülerinnen und Schüler kommen ans Gymnasium: Was im ersten Augenblick durchaus positiv klingen mag, stellt für den Regierungsrat schon seit Jahren ein Problem dar. Wiederholt äusserte dieser die Absicht, dem Trend entgegenwirken zu wollen. Besonders laut engagiert ist hier Stephan Schleiss, Landammann und Bildungsdirektor des Kantons.

Das Problem der Tendenz, dass immer mehr Personen ins Langzeitgymnasium eintreten, schildert Schleiss so: «In Kantonen mit Abschluss- oder Übertrittsprüfungen erfüllen weniger als 5 Prozent der aufgenommenen Kinder die Anforderungen des Gymnasiums nicht. In Kantonen ohne Prüfungen – der Kanton Zug gehört dazu – sind es über 25 Prozent.» In Kantonen ohne zusätzliches Selektionsverfahren kämen somit über ein Viertel der Personen mit ungenügenden Kompetenzen ans Gymnasium, was zu Folgeproblemen führe.

Beim Übergang ans Gymnasium fehlt eine «griffige Steuerung»

Dieses Jahr wurde ein für Schleiss unerfreulicher Rekord aufgestellt: Über 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler kamen ans Gymnasium. Eigentlich definierte der Regierungsrat das Ziel, die Gymnasialquote bei zirka 20 Prozent zu halten. Schleiss gibt zu: «Die Bemühungen zeigen leider nicht den gewünschten Erfolg.» Seit 2009 versuche die Regierung, durch verbesserte Information zu anderen Bildungswegen, durch die Steigerung der Attraktivität des Kurzzeitgymnasiums und der gemeindlichen Sekundarschulen sowie die Einführung eines Richtwerts – die Note 5,2 – für den Übertritt ins Gymnasium, dem Trend entgegenzuwirken. Doch eben: «Was am Übergang von der Primarschule ins Langzeitgymnasium fehlt, ist eine griffige Steuerung.» Und genau dort will Schleiss die Strategie anpassen. So sei die Promotionsbestimmungen an Langzeitgymnasien ein möglicher Bereich, bei welchen man ansetzen könne. «Man könnte beispielsweise die fachlichen Anforderungen erhöhen. Dafür ist die Mittelschulkommission zuständig. Das Amt für Mittelschulen bereitet zuhanden der Kommission eine Auslegeordnung vor.»

Der Trend der steigenden Gymnasialquote ist schweizweit vorzufinden. Als Hauptfaktor sehe man die sozioökonomische Zusammensetzung der Bevölkerung, so Schleiss. Kinder von Akademikern würden eher dazu ermutigt, ebenfalls ans Gymnasium zu gehen, um dann auch studieren zu können. «Das Gleiche gilt für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund aus Deutschland, England, Holland, Schweden und ähnlichen Ländern. Ich gehe davon aus, dass die bildungsaffine, internationale Bevölkerung des Kantons der Hauptgrund ist.» Zwar mangle es nicht primär am Verständnis für das Schweizer Bildungssystem, doch diese Zuzügler brächten keinerlei Erfahrungen aus ihren Heimatländern mit.

Klassische Berufslehre gerät unter Druck

Die Globalisierung, so mag es erscheinen, stellt die klassisch schweizerische Berufslehre unter Druck: Im Gegensatz zu einem Universitätsabschluss, der weltweit anerkannt wird, ist die Berufslehre im Ausland nur wenig bekannt. Doch Schleiss sieht das Modell der Berufslehre trotzdem als eines mit Zukunft: «Sie ist in der Schweiz nicht nur stark verwurzelt, sondern auch höchst erfolgreich. Jugendarbeitslosigkeit kennt man in der Schweiz kaum – im Gegensatz zu Ländern, wo teilweise über die Hälfte der Jugendlichen eine Matura machen, so in Frankreich oder Italien.» In Bezug auf die internationale Anerkennung relativiert Schleiss und meint, dies sei kein grosses Problem und fügt an: «Zumal die an die Lehre anschliessenden Wege – via Berufsmatura und Fachhochschulen – auch im Bologna-System abgebildet sind.»