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Die Geschichte der Steinhauser «Widder»-Pumpe

Mit seinem Erfindergeist revolutionierte der Steinhauser Johann Georg Schlumpf eine sehr nützliche technische Lösung zur Beförderung von Wasser. Seine 1886 gegründete Firma existiert noch heute, wenn auch mit gewandeltem Schwerpunkt.
Andreas Faessler
Die bis heute gebräuchliche hydraulische Druckstoss-Pumpe, «Widder» genannt, pumpt Wasser an einen höher gelegenen Standort. (Illustration: Lea Siegwart)

Die bis heute gebräuchliche hydraulische Druckstoss-Pumpe, «Widder» genannt, pumpt Wasser an einen höher gelegenen Standort. (Illustration: Lea Siegwart)

«Widder» heisst die bis heute gebräuchliche hydraulische Druckstoss-Pumpe, mittels welcher Wasser an einen höher gelegenen Standort gepumpt wird. Das klingt irgendwie putzig. Ihr Ursprung liegt in den 1770er-Jahren. Per manueller Schliessung eines Hahns und des dadurch entstehenden Druckstosses konnte eine Wassersäule angehoben werden. Der Franzose Joseph Michel Montgolfier entwickelte die Pumpe weiter, indem er den Hahn mit einem sich automatisch wieder schliessenden Ventil ersetzte. Der Begriff «Widder» geht gemäss Überlieferung auf Montgolfier zurück, der die Druckkraft mit dem «Stoss eines Widders verglich». Die Vorteile dieser Technik: Sie ist einfach, effizient, läuft ununterbrochen und bedarf kaum Wartung.

Ein Pionier der automatisierten Bauweise solcher Widderpumpen war der Steinhauser Johann Georg Schlumpf (1858–1942). Mit seinem Erfindergeist eiferte er seinem Onkel Wolfgang Schlumpf nach. Dieser nämlich hatte das Prinzip des Widders bereits in den 1860er-Jahren angewendet und solche Anlagen konstruiert. Der angesehene Steinhauser Grossrat und Tierarzt Wolfgang Schlumpf installierte – wohl als einer der ersten weit und breit – einen Widder, um sein väterliches Heimet auf den Höfen mit genügend Wasser zu versorgen. Gegen ein bescheidenes Entgelt baute er auch auf mehreren anderen Höfen, wo die Wasserquelle unterhalb der Hofstatt lag, solche Anlagen. Immer mehr Landwirtschaftsbetriebe wollten sich den Komfort gönnen, direkt an der Scheune über einen laufenden Brunnen zu verfügen.

Die Funktionsweise

Die den Widder speisende Wasserquelle muss etwas höher liegen als die Pumpe. Die durch das Gefälle gewonnene Druckdifferenz reicht, um den Widder ohne Fremdenergie zu betreiben. In der unteren Kammer sitzt das Schlagventil. Strömt nun Wasser durch die Triebleitung hinein, öffnet es sich und lässt einen Teil des Wassers durchfliessen. Wenn die Fliessgeschwindigkeit zunimmt, schliesst sich das Ventil schlagartig, was eine Druckerhöhung in der Triebleitung erzeugt, die je nach Konstruktionsweise das Fünf- bis Hundertfache des statischen Druckes ausmachen kann. Der entstandene Überdruck entweicht via Förderventil in den darüberliegenden Luftkessel. Der hier entstehende Druck pumpt das Wasser durch die mit dem Kessel verbundene Förderleitung nach oben. Wird nun wieder der Druckausgleich erreicht, schliesst sich das Förderventil, und das Schlagventil öffnet sich erneut. Es beginnt der nächste Pumpprozess.

Nach dem Ableben Wolfgang Schlumpfs führte dessen Mission vorerst niemand weiter, bis sein Neffe Johann Georg Schlumpf, gelernter Schreiner und Mechaniker, in den 1880er-Jahren begann, den hydraulischen Widder technisch zu verfeinern und zu vereinfachen. Er entwickelte ein eigenes System, welches später an mehreren Gewerbeausstellungen präsentiert und ausgezeichnet wurde. Johann Georg Schlumpf erwies sich als genialer Techniker auf seinem Gebiet und auch darüber hinaus, sein Fachwissen war auch stets gefragt, wenn es darum ging, komplizierte Landmaschinen zu reparieren. Ferner beschäftigte sich Schlumpf als Tüftler, kreierte etwa hochkomplizierte Projektionsapparate, welche bewegte Bilder erzeugten, dies noch bevor der erste Film überhaupt existierte.

Erfolgreicher Firmengründer

1886, ein Jahr nachdem er seinen ersten vollfunktionsfähigen und wartungsfrei betreibbaren Widder gebaut hatte, gründete Johann Georg Schlumpf seine Mechanische Werkstatt Steinhausen, die spezialisiert war auf Elektroinstallationen, Wasserversorgungssysteme und natürlich Widderpumpen. Die Energie für den Betrieb stellte der Hydrauliker-Schlumpf mit seinem eigenen Kraftwerk her, das vom Dorfbach unter dem Haus gespiesen wurde.

1924 übernahm Schlumpfs Sohn Johann Melchior das Unternehmen. Sein Nachfolger Hans Schlumpf leitete die Firma ab 1958 und baute die Produktpalette auf weitere Ebenen der Technik aus. In den Jahrzehnten darauf erfolgten neben abermaligen Ausbauten und Weiterentwicklungen auch Expansionen ins Ausland durch Gründung von Tochterfirmen. Der Hauptsitz der Firma Schlumpf wurde 2004 nach Hünenberg verlegt. Heute liegt er in Küssnacht a. R. und ist spezialisiert auf Spanndorne für die Robotikindustrie. Die Herstellung der hydraulischen Widder ist an die vom Maschineningenieur Florian Schlumpf, Urenkel des Johann Georg, gegründete Schlumpf Innovations in ­Vilters SG ausgelagert. Florian Schlumpf hat in den frühen 1990er-Jahren die Widderpumpen noch einen Schritt weiterentwickelt, indem er verbesserte Ventile einbaute und den Pumpprozess modifizierte, sodass der erzeugte Druck nunmehr so stark war, um eine vertikale Förderhöhe bis 500 Meter zu erreichen.

Der hydraulische Widder, dessen Funktionsprinzip sich nicht geändert hat, sondern lediglich verfeinert und verbessert worden ist, ist noch heute eine nützliche und kostengünstige Apparatur, die weltweit wichtige Dienste leistet. Die genialen Steinhauser Köpfe haben mit ihrem Erfindergeist einen wichtigen Beitrag an die Entwicklung dieser emsigen Helfermaschinen geleistet.

Die Serie «Zuger Gewerbe-Geschichte(n)» setzt sich mit Themen aus der wirtschaftlichen Vergangenheit auseinander. Quellen: Seltene Berufe und Menschen im Zugerland, Hermann Steiner, 1984, und weitere.

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