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Zuger Kantonsgeschichte: «Der vertiefte Blick auf das Ganze fehlt»

Der Kanton Zug hat keine ganzheitliche, zeitgemäss erfasste Kantonsgeschichte. Dieser Ansicht sind drei Zuger vom Fach. Sie sehen darin ein schmerzliches Manko und wollen die politische Seite von dieser Notwendigkeit überzeugen.
Andreas Faessler
Stehen für eine ganzheitliche Zuger Kantonsgeschichte ein (von links): Stadtarchivar Thomas Glauser, der ehem. Staatsarchivar Peter Hoppe und Kunsthistorikerin Brigitte Moser. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2018))

Stehen für eine ganzheitliche Zuger Kantonsgeschichte ein (von links): Stadtarchivar Thomas Glauser, der ehem. Staatsarchivar Peter Hoppe und Kunsthistorikerin Brigitte Moser. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2018))

Was könnte für eine Stadt oder einen Kanton identitätsstiftender sein, als die eigene gut dokumentierte Geschichte? Sie gibt einer Region ein Gesicht, macht sie rückwirkend fass- und begreifbar, das Einst trägt in vielerlei Hinsicht zum Verständnis des Heute bei. Kurzum: Eine zeitgemässe Darstellung der eigenen Geschichte gehört zum Standard eines Kantons. Dieser Ansicht sind drei Zuger, die es wissen müssen. Der ehemalige Staatsarchivar Peter Hoppe, Stadtarchivar Thomas Glauser und die Kunsthistorikerin Brigitte Moser setzen sich tagtäglich mit der Materie auseinander – und geben zu bedenken: Zug gehört zu den wenigen Schweizer Kantonen, die über keine moderne Kantonsgeschichte verfügen.

«Der dringende Wunsch nach einer Zuger
Kantonsgeschichte ist nicht neu», Peter Hoppe, ehemaliger Staatsarchivar

Dies ist nicht von der Hand zu weisen: Wohl existieren zahlreiche Publikationen, die bestimmte Themen und Epochen der Zuger Geschichte abbilden, doch ergeben sie in ihrer Gesamtheit vielmehr einen unübersichtlichen Flickenteppich als ein einheitliches Werk. «Was wir bislang haben, ist ausserdem von variierender Qualität und stammt aus unterschiedlichen Zeiten», meint Thomas Glauser, und Peter Hoppe ergänzt: «Seit der Zuger Stadtarzt Franz Karl Stadlin zwischen 1818 und 1824 seine damals bahnbrechende vierbändige Kantonsgeschichte herausgebracht hat, ist nichts Vergleichbares mehr passiert.» Damit hinke Zug anderen Kantonen deutlich hinterher, zumal vielerorts in den letzten Jahren und Jahrzehnten gross angelegte, moderne Überblicksdarstellungen erschienen seien, so Peter Hoppe. Beispielsweise in Graubünden (4 Bände, 2000), Basel Landschaft (6 Bände, 2001), St. Gallen (9 Bände, 2003), Zürich (3 Bände, 2003), Schwyz (7 Bände, 2012) oder Nidwalden (2 Bände, 2014). Auch in Uri hat man sich in jüngster Zeit konkret mit der Erarbeitung eines Gesamtwerks zur Geschichte des Kantons auseinandergesetzt. Das Projekt wurde 2016 jedoch vom Landrat bachab geschickt.

«Eine grossgedachte Geschichte des Standes Zug»

In Zug ist der dringende Wunsch nach einer grossen Überblicksdarstellung der Geschichte nicht neu, kommt Peter Hoppe aufs Thema zurück und nennt das Jahr 1964, als das Grundlagenwerk des Zuger Urkundenbuches seinen Abschluss fand. «Damals schrieb alt Bundesrat Philipp Etter in seinem Vorwort den bemerkenswerten Satz, dass dies nun ‹Grundstein und Fundament einer kommenden grossgedachten und umfassenden Geschichte des Standes Zug› sei.» Dank Unterstützung der öffentlichen Hand habe sich seither vieles getan, wie etwa die Einrichtung eines modernen Archivwesens, die Beteiligung an der Zurlauben-Edition, das Jahrbuch Tugium, verschiedene Gemeindegeschichten oder die datenbankmässige Erschlies­sung der städtischen Rats- und Gemeindeversammlungsprotokolle.

«Der vertiefte Blick auf das Ganze jedoch fehlt bis heute», zieht Brigitte Moser Fazit. «Eine sauber erarbeitete Geschichte gibt einem Kanton nicht nur ein Profil und eine Identität. Es ist zugleich ein starkes Instrument, die Zukunft zu gestalten», bringt es die Kunsthistorikerin auf den Punkt. «Die Ausein­andersetzung mit der eigenen Geschichte hat mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun und ist damit auch ein Rüstzeug für unsere Nachkommen.»

«Wir müssen
uns fragen, was uns wichtig ist», Thomas Glauser, Stadtarchivar Zug

Aber worin gründet dieses grundlegende Manko im Falle Zugs? Mit der wirtschaftlich betont internationalen Ausrichtung des Kantons mag das Bedürfnis der Bevölkerung nach einer Überblicksdarstellung zur eigenen Geschichte für die Politik in den Hintergrund rücken. Dieses Bedürfnis sei aber sehr wohl existent, betonen die Historiker, erst recht in einem Kanton wie Zug, wo so viele Nationen auf kleinem Raum vertreten sind. Denn je stärker der Wandel sei, desto grösser sei der Wunsch nach Rückbesinnung und Identität. «Letztlich ist es eine Wertediskussion», sagt Thomas Glauser. «Wir müssen uns fragen, was uns wichtig ist. Leben und Alltag bestehen ganz klar aus mehr als nur wirtschaftlichem Denken.»

Das Bedürfnis auf politischer Ebene wecken

Das gemeinsame Bestreben von Hoppe, Glauser und Moser liegt auf der Hand: Zug soll eine umfassende, zeitgemässe Kantonsgeschichte erhalten, wissenschaftlich fundiert und in eine verständliche Sprache gefasst. Voraussetzung dazu wäre laut den drei Historikern, dass der Wert der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bewusst und gesellschaftlich wie auch politisch anerkannt ist – «und damit auch die Bereitschaft, Strukturen zu schaffen und zu tragen, die eine kontinuierliche Förderung der Geschichtsforschung ermöglichen.»

Die grosse Herausforderung besteht nun also darin, auch auf politischer Ebene eine Grundbereitschaft zu erlangen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und eine «Tradition der Geschichtsschreibung» aufzubauen. «Denn schliesslich sind wir heute da, wo wir sind, wegen dem, was hinter uns liegt», sagt Brigitte Moser an dieser Stelle. Dass Forschung zeitintensiv ist und mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand einhergeht, sind sich die drei wohlbewusst. «Aber das muss es einem vermögenden Kanton wie Zug wert sein, und er sollte es sich zu seiner Aufgabe machen – Geschichte hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert.»

«Wir sind heute da, wo wir sind, wegen dem, was hinter uns liegt», Brigitte Moser, Kunsthistorikerin

Neue Impulse

Wie wichtig es den Leuten ist, über den Wert der eigenen Geschichte zu reden, hat sich etwa 2014 gezeigt, als der letzte Band des Historischen Lexikons der Schweiz mit zwei grossen Artikeln zu Stadt und Kanton Zug erschienen ist: Dies wurde hier in Zug festlich gefeiert.

Und im November hat der Historische Verein des Kantons Zug mit «Universum Kleinstadt» seine jüngste Publikation aus der Taufe gehoben. An der Buchvernissage, die auf enormes Interesse stiess, wurde wiederholt und von verschiedener Seite der Wunsch nach einer modernen Stadt- und Kantonsgeschichte geäussert, so Thomas Glauser, der den Historischen Verein präsidiert. Peter Hoppe und Brigitte Moser hoffen, dass dieses Grossprojekt der erschlossenen Zuger Stadtrats- und Gemeindeversammlungsprotokolle neue, starke Impulse im Hinblick auf eine umfassende Zuger Kantonsgeschichte zu geben vermag.

In Uri wurde das Projekt gestoppt

Mit der Erarbeitung eines Gesamtwerks zur Geschichte des Kantons hat sich in den vergangenen Jahren auch Uri auseinandergesetzt. Per 2025 sollte eine Kantonsgeschichte in fünf Bänden vorliegen. Autoren mit universitärem Hintergrund sollten an diesem Grossprojekt beteiligt sein, für welches über eine Erarbeitungszeit von acht Jahren hinweg ein Betrag von 2,9 Millionen Franken aufgewendet werden sollte.
Der regierungsrätliche Kreditantrag ist im März 2016 jedoch vom Landrat abgewiesen worden. Zu teuer sei das Projekt, so die Begründung. Auch eine abgespeckte Version hatte im Mai 2017 keine Chance im Parlament. Hauptkritikpunkt an der Vorlage war, dass erst kurz zuvor ein umfassendes Geschichtswerk von Historiker Hans Stadler erschienen sei.

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