Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Der Wald als Ort fürs Leben mit Bedacht

Schon unsere Vorfahren wussten um die beruhigende Wirkung des Walds. Ein neuer Trend hat das wieder entdeckt.
Harry Ziegler
Ein Aufenthalt im Wald tut gut. Er verhilft zu Wohlbefinden und Gesundheit, sagen japanische Forscher. Bild: Getty/Alexander Kirch

Ein Aufenthalt im Wald tut gut. Er verhilft zu Wohlbefinden und Gesundheit, sagen japanische Forscher. Bild: Getty/Alexander Kirch

«Der Wald steht schwarz und schweiget/und aus den Wiesen steiget/der weisse Nebel wunderbar.»

Diese Zeilen aus dem «Abendlied» (auch bekannt als Lied: «Der Mond ist aufgegangen») von Matthias Claudius (1740–1815) beschreiben trefflich, was der Mensch im Wald zu finden sucht: Ruhe und auch etwas Mystik. Begriffe, die in hohem Masse für den modernen Menschen von Bedeutung sind. Wobei heutzutage die christliche Mystik eher als Esoterik interpretiert wird.

Der Wald wird heute wie früher zwar wirtschaftlich genutzt. Er hat sich aber auch zur Gesundheits- und Erholungsquelle quasi vor der Haustüre entwickelt. Wobei er diesbezüglich ebenso, wenn mittlerweile nicht gar stärker genutzt wird als von der Forstwirtschaft. Woher also diese neue Faszination für den Wald?

Ein amerikanischer Dichter als Inspiration

Henry David Thoreau 1856. (Bild: B. D. Maxham/wikipedia)

Henry David Thoreau 1856. (Bild: B. D. Maxham/wikipedia)

Ganz neu ist dieser Trend hin zur Natur nicht. Im Grunde geht es bei ziemlich allen, nicht ökonomischen Zwecken dienenden Beschäftigungen im Wald, primär um das Leben mit Bedacht. Einer, der diesen Weg, die Suche nach dem Leben mit Bedacht, gegangen ist, ist der US-amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau (1817–1862). Und zwar bereits vor etwas über 200 Jahren. Überfordert mit der stets wachsenden Menschheit und den Auswüchsen zieht Thoreau in die Natur, an den Walden-See in seiner Heimatstadt Concord im US-Bundesstaat Massachusetts.

Der damals 28-Jährige will – auf Zeit zumindest – der Zivilisation entfliehen. «Ich bin in den Wald gegangen, weil mir daran lag, mit Bedacht zu leben, damit mir in der Stunde des Todes die Entdeckung erspart bleibe, nicht gelebt zu haben.» So einige Zeilen aus Thoreaus Buch «Walden oder Hüttenleben im Walde» (Walden: Life in the Woods). Henry David Thoreau lebte zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage in der Natur. Mit seiner Schrift gilt Thoreau als eine der Inspirationsquellen fast aller Alternativen.

Ein neuer Trend stammt aus Japan

«Waldbaden» ist der neueste Trend in Sachen Gesundheit und Erholung im Wald. Shinrin-Yoku, wie das aus Japan stammende Achtsamkeitsprogramm heisst, bedeutet Eintauchen in den Wald, den Fokus auf die Sinne legen: Sehen, Hören, Riechen, Tasten und, etwas weniger, Schmecken. In Japan ist man bezüglich Waldbaden bereits weiter als in der Schweiz, wo es die ersten zögerlichen Annäherungen daran gibt. 1982 hat das nationale japanische Amt für Wald der Bevölkerung erstmals Shinrin-Yoku im Sinne der Gesundheitsförderung empfohlen. Mittlerweile ist Waldbaden in Japan eine anerkannte Methode zur Entspannung und zum Stressmanagement. Die Nippon Medical School in Tokio und Professor Qing Li gelten als Wegbereiter der modernen Waldmedizin. Sie konnten die Wirkung von Waldbaden in verschiedenen wissenschaftlichen Studien belegen. So soll das Waldbad Folgendes bewirken: eine verbesserte Immunabwehr durch Erhöhung und Aktivierung der natürlichen Killerzellen, eine vermehrte Produktion von Anti-Krebs-Proteinen, eine Senkung des Blutdrucks einen tieferen Ruhepuls, Stressverminderung sowie Steigerung des Wohlbefindens.

Noch gibt es Kanton Zug kaum kommerzielle Anbieter, die einem in Kursen das Waldbaden näherbringen. Im Nachbarkanton Zürich hingegen oder im Kanton Bern – beides durchaus waldreiche Kantone – scheint sich das Geschäft mit den Ruhe- und Gesundheitssuchenden gut anzulassen.

Die Erkenntnisse der japanischen Forscher sind nicht wirklich neu. Schon unsere Vorfahren wussten um die beruhigende, ja manchmal sogar heilende Wirkung des Waldes. Heute gibt es neben den Waldspaziergängen weitere Möglichkeiten, um den Wald zur Entspannung zu nutzen (siehe Box). Eine Runde auf einem Vitaparcours laufen. Oder eine rasante Abfahrt mit dem Bike wagen. Und allenfalls ein simples Innehalten beim Hundeausführen, um die Ruhe des Waldes zu hören und sich die Lungen mit frischer Luft zu füllen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.