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Förster Josef Merz aus Unterägeri: «Der Wald ist wie ein weiteres Kind»

Josef Merz arbeitete 43 Jahre als Förster bei der Korporation Unterägeri. Er kennt den Wald wie kein Zweiter und hat mit seinen Idealen Pionierarbeit geleistet. Der 65-Jährige ist aber nicht nur ein «Chrampfer», sondern auch ein Poet.
Carmen Rogenmoser
Die von Josef Merz markierte Douglasie ist rund 120 Jahre alt. Sie soll der Nachwelt erhalten bleiben. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 22. Oktober 2018))

Die von Josef Merz markierte Douglasie ist rund 120 Jahre alt. Sie soll der Nachwelt erhalten bleiben. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 22. Oktober 2018))

«Der Förster muss den Wald spüren und der Wald den Förster.» Josef Merz-Nussbaumer – genannt Sebi – sagts und berührt mit seinen grossen Händen, denen man die jahrelange strenge Arbeit unter freiem Himmel ansieht, die furchige Rinde einer grossen Douglastanne. «Der Baum strahlt Wärme ab, wie das alle lebenden Bäume tun», erklärt er. «In seiner Rinde leben Käfer und Insekten. Hier zum Beispiel erkennt man ein Spinnennetz.»

Bestimmt 120 Jahre alt sei die Douglasie und rund 40 bis 50 Meter hoch. Viel kann Sebi Merz über diesen Baum, die benachbarte Linde und viele weitere Gewächse im Forstrevier 1 des Waldes der Korporation Unterägeri erzählen. 43 Jahre lang arbeitete er in und mit jenem Wald. Das Gebiet zieht sich von Neuägeri bis zum Wildspitz. Jetzt ist Sebi Merz (65) pensioniert. Der Wald aber lässt ihn nicht los. «Über die Jahre bin ich immer mehr mit dem Wald zusammengewachsen. Er ist wie ein weiteres Kind.»

Hochachtung für die Natur

Dem kernigen Unterägerer würde man diese sensitive Seite auf den ersten Blick nicht geben. Doch der Eindruck täuscht. Merz berichtet von seiner Hochachtung für die Natur und zitiert dazu gar Goethe: «Die Natur versteht gar keinen Spass, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht, und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen.»

Dieser Leitsatz führte Sebi Merz während der Arbeit in seinem Revier. In den 1970er-Jahren ist er zur Korporation Unterägeri gestossen. Das Gebiet kannte er da schon gut. Ganz in der Nähe, ausserhalb des Dorfes, ist er auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Ich war immer im Wald», erinnert er sich. Bei der Korporation Zug machte er eine Lehre zum Forstwart und bald darauf die Weiterbildung zum Förster. «Ich habe immer viel über den Wald gelesen.»

Bei der Forstarbeit müsse man Geduld haben, der Natur Zeit lassen. «Der Waldbau war für mich als Förster die Königsdisziplin», sagt Merz. Dazu gehöre die Standortbestimmung, der richtige Baum müsse am richtigen Ort stehen. Unbeirrt hat Merz seine Philosophie umgesetzt, auch wenn der Zeitgeist ein anderer war. So habe er etwa bereits vor 40 Jahren auf Biodiversität gesetzt. «Plötzlich war das überall ein Thema. Es hat mich sehr gefreut, dass ich damit offensichtlich schon früher richtig lag.»

«Inwertsetzung»: Josef Merz’ neues Projekt

Ganz loslassen möchte Merz «seinen» Wald trotz Pensionierung noch nicht. Gemeinsam mit der Korporation Unterägeri widmet er sich einem neuen Projekt. So ist die erwähnte Douglasie mit einem grossen weissen Punkt markiert. Rund 100 weitere Bäume gesellen sich dazu. Einige sind bereits erkoren, andere folgen noch. Ziel ist es, dass diese Bäume archiviert und nicht gefällt werden. «Inwertsetzung von Biotopbäumen» nennt sich das.

Sebi Merz befasst sich seit zwei Jahren mit dem Thema. «Biotop- und Charakterbäume sollen der Nachwelt erhalten bleiben.» Jetzt hat er Zeit, sich darum zu kümmern. Gemeinsam mit einem Fotografen und einem weiteren Kollegen bestimmt er, welche Bäume geschützt werden sollen. Es werden Bilder gemacht und die wichtige Funktion der bestimmten Bäume wird beschrieben. Rund 400 Bilder sind bisher entstanden. «Unser Traum ist es, daraus dereinst ein Buch zu machen», verrät Merz. Das sei aber noch Zukunftsmusik.

Die weissen Punkte auf den Bäumen haben aber auch eine Wirkung auf Waldbesucher und Spaziergänger. «Vielen fallen die Punkte auf und sie begutachten die Bäume dadurch erst so richtig.» Genau das wolle er damit auch erreichen. Denn markiert sind nicht nur besonders alte und grosse Bäume, sondern auch verknorzte, verwachsene Bäume. «Viele sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht», sagt Merz und lacht herzlich. So ermuntert er auf der Rundfahrt durch das Revier immer wieder, den Blick zu heben und die Kronen der Bäume zu begutachten. Die Fahrt wird mit Merz’ waldstrassentauglichen Subaru Justy bewältigt. Dem kleinen Auto sieht man die vielen Jahre im Wald genauso an wie Merz selber. Das Auto ist sein eigentliches Markenzeichen. Damit kommt er nirgends unerkannt hin.

Wiederforstung nach dem Sturm Lothar

So erwarten ihn auch seine Jagdkollegen in der Bernerenhütte, die im Wald neben dem Unterägerer Skigebiet Nollen steht, schon. Einst ein leidenschaftlicher Jäger, geht Merz heute mehr zum Spass als aus Ehrgeiz mit. «Ich mag es, im Wald zu sein, die Natur und die Tiere zu beobachten.» Nicht immer hätten Jäger und Förster die gleiche Philosophie. Er selber sei immer ein Vermittler gewesen. Ein Vermittler – das ist eine passende Beschreibung für den 65-Jährigen. Gekonnt und spannend gibt er sein Wissen weiter. Er hat Übung darin.

Immer wieder führt er Gruppen, von Schulkassen bis zu Politikern, durch seinen Wald. Auch das ist eine Aufgabe, die er weiterhin übernehmen wird. Besonders gern zeigt er dabei seinen «Traumwald». Dieser befindet sich eingangs Nollen. Zwei weiss-bepunktete Douglasien – die beiden «Empfangsdamen» – weisen den Weg. Sie haben den Sturm Lothar von 1999 als einzige überlebt. Doch alleine sind sie heute nicht mehr. Der Förster kann seine Aufbauarbeit präsentieren. «Das ist mein Lieblingswald», sagt er und lacht. «Ich konnte das Waldstück hier mitgestalten.» Viel nachgeholfen haben er und seine Arbeiter nicht. «Wir haben die Natur machen lassen.»

Bäume sollen nicht alle gleich alt sein

Statt des ehemaligen Fichtenwaldes, einer gepflanzten Monokultur, wachsen heute wieder ganz unterschiedliche Bäume nebeneinander. «Es braucht Biodiversität und die Bäume sollen nicht alle gleich alt sein.» Fichten beispielsweise sorgen dafür, dass der Waldboden sauer wird, weil deren Wurzeln nicht tief in den Boden gehen. Neben den Fichten brauche es daher Buchen, Ahorne oder Vogelbeeren, «einfach Laubbäume». «Deren Wurzeln gehen bis in die Kalkschicht im Boden.» Der Baum nimmt den Kalk auf, und dieser landet dadurch in der Oberschicht. Der ideale Kreislauf also. «Oft geht es in der Natur so. Man muss den Dingen ihren Lauf lassen. Schädlinge sind nicht einfach Schädlinge, auch sie haben ihre Aufgabe.»

So brauche es eben auch abgestorbene Bäume, die stehen gelassen werden. «Ihn ihnen nisten Buntspechte», erklärt Merz. Sein zweiter «Vorzeigewald» befindet sich ganz in der Nähe, bei der Ochsenfeissi. Hier ist Josef Merz aufgewachsen. Der Wald trägt seine Handschrift - und seinen Namen: «Sebels Wäldli». «Er ist bereit für den Klimawandel», ist sich Sebi Merz sicher und wird zum Abschluss noch einmal poetisch: «Der Förster muss immer 1000 Jahre in die Vergangenheit denken und 150 Jahre in die Zukunft.»

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