Der Wanderweg im Ägerital ist geschlossen, die Alternative umstritten

Die Verlegung eines Wegs im Gebiet Nasbach im Ägerital sorgt für Unmut. Kantonsrat Karl Nussbaumer hat eine Interpellation eingereicht.

Vanessa Varisco
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Der Wanderweg im Gebiet Rossalmig/Nas bei Oberägeri wurde verlegt.

Der Wanderweg im Gebiet Rossalmig/Nas bei Oberägeri wurde verlegt.

Bild: Stefan Kaiser (24. Juni 2020)

Ursprünglich versuchsweise wurde der bestehende Wanderweg im Gebiet Rossalmig/Nas (Punkt 925 auf der Wanderweg-Route) bei Oberägeri verlegt. Nun scheint das Ganze allerdings relativ definitiv, denn der alte Wanderweg wurde durch das Fällen von Bäumen unbegehbar gemacht. Zahlreiche umgeschlagene Stämme liegen quer über dem Weg. Das wirft Fragen auf – deshalb hat Kantonsrat Karl Nussbaumer (SVP/Menzingen) eine Interpellation eingereicht. Denn zufrieden scheint er nicht mit der neuen Situation, beschreibt den Weg für Wanderer doch als inakzeptabel. «Der neue Weg ist bei nassem Wetter nicht begehbar und führt insbesondere auch durch die Nutzung durch Bikern zu einem Gefährdungspotenzial», schreibt Nussbaumer in einer einführenden Passage.

Der Verein Zuger Wanderwege hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Wie der Vizepräsident Alfred Knüsel erklärt, habe man grundsätzlich nichts dagegen, wenn Wanderer und Biker die gleichen Wege nutzen würden. «In diesem Fall ist es allerdings so, dass der Weg durch die Biker entstanden und für Wanderer vom Gefälle her ungeeignet ist», führt er aus. Auch er bekräftigt: Bei Nässe sei die Route gar unpassierbar. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der alte Weg geschlossen wurde? Laut Knüsel habe es schon vor einigen Jahren Überlegungen gegeben, diesen Weg zu schliessen. «Argumente von Seiten des Kantons waren damals, dass diese Route nur selten begangen würde», erinnert er sich, fügt jedoch an: «Für die Erschliessung war der Weg allerdings wichtig.»

Als die gefällten Bäume schliesslich auf dem Weg gelegen hätten, wäre man sehr überrascht gewesen. «Informiert wurden wir darüber nicht», so der Vizepräsident. Da der Wanderweg im kantonalen Richtplan noch immer als solcher festgehalten wurde, hakte der Verein nach. Vom Kanton erhielten sie die Erklärung, dass der Weg unbegehbar gemacht wurde, da er in einem Waldnaturschutzgebiet zu liegen komme und man mit den Grundeigentümern, den Korporationen Ober- und Unterägeri, vertraglich einen Nutzungsverzicht festgemacht habe. Ziel dieses Verzichts ist es, Ruhezonen für Flora und Fauna zu schaffen. Das leuchtet den Betroffenen nicht ein. «Denn verschiedene andere Wanderwege – so auch die Ersatzlösung – liegen in solchen Waldnaturschutzgebieten», weiss Knüsel.

Für Karl Nussbaumer wirft dieses Vorgehen denn auch die Frage auf, ob es zutreffend sei, dass sich in einem solchen Schutzgebiet keine Wanderwege befinden dürfen. Ausserdem will er in seiner Interpellation wissen, wie viele kantonale Wanderrouten es in Zug gibt, die sich in einem solchen Gebiet befinden und allenfalls verlagert werden müssen.

Ein Augenschein vor Ort

Eins steht fest: Durch das Gefälle, den lockeren Boden und die Rutschigkeit bei Regen hat der neue Weg nicht dieselbe Qualität wie der zugeschlagene. Das ist dem Protokoll zu entnehmen, welches anlässlich einer Besichtigung erstellt wurde, an dem Vertreter des Kantons, der Korporationen sowie des Vereins Zuger Wanderwege teilnahmen. «Wie der Augenschein zeigt, wurde der Weg durch die Bikenutzung an einigen Stellen ausgeweitet, eingefurcht und für Wandernde nur schwer passierbar gemacht», heisst es im Protokoll.

Dem hätten alle zugestimmt, betont Alfred Knüsel, der ebenfalls anwesend war. «Es geht uns nicht darum, jemanden anzuschwärzen. Auf vielen Strecken funktioniert die gleichzeitige Nutzung der Wege durch Biker und Wandernde einwandfrei. Ebenso geht es uns auch nicht darum, jemanden vom Kanton in die Mangel zu nehmen», hebt Knüsel hervor. Aber:

«Als Verein ist es unsere Pflicht, die Wege zu erhalten und zu pflegen, das Interesse der Wanderer zu vertreten. Und die Schliessung des alten Wegs ist unverständlich. Das Ziel muss es sein, das Wanderwegteilstück schnellstmöglich wieder passierbar zu machen.»

Wie es nun weitergeht, liegt in den Händen des Amts für Wald und Wild. Für den Verein Zuger Wanderwege ist klar, dass die aktuelle, stark veränderte Route nicht vertretbar ist. Dass kleinräumige Änderungen gängige Praxis ohne Kantonsratsbeschluss möglich seien, ist laut Karl Nussbaumer bekannt. In seiner Interpellation will er deshalb abschliessend wissen: «In welchem Umfang können diese Änderungen sein, ohne dass der Kanton eine Richtplanänderung beschliessen muss?»

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