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Der Wettkampf ist für Rollstuhl-Sportler Cornel Villiger das Dessert

Kaum zurück von einem Wettkampf, bereitet sich Rollstuhl-Sportler Cornel Villiger bereits auf den nächsten vor. Das grosse Fernziel heisst Paralympics 2020 in Tokio.
Verena Schmidtke
Cornel Villiger in seinem Garten. (Bild: Verena Schmidtke)

Cornel Villiger in seinem Garten. (Bild: Verena Schmidtke)

Die Freude am Wettkampf ist dem Rollstuhl-Athleten Cornel Villiger deutlich anzumerken, als er lebhaft berichtet, wie bei einem Massenstart taktiert wird, um möglichst gut ins Rennen zu kommen. «Ja, da wird mit harten Bandagen gekämpft», erläutert er mit einem Grinsen. Schliesslich sei der Wettkampf ja so etwas wie eine Belohnung für die Mühen des Trainings.

Erst um Auffahrt herum nahm er an mit dem Para Racing Team an der Austria Tour, einem mehrtägigen Rennen, mit seinem Handbike teil. Dieses dreirädrige Sportgerät wird, wie es der Name schon sagt, mit den Händen betrieben, während der Sportler wie in einem Liegerad liegt. Bei der Tour schnitt Villiger recht erfolgreich ab, wie er mitteilt: «Auf der Schlussrangliste habe ich den sechsten Rang in meiner Kategorie belegt.»

Die Tour habe es in sich gehabt, zum Teil habe es auf der Strecke Steigungen von bis zu 15 Prozent gegeben. «Am letzten Wettkampftag konnte ich mich in der Rangliste nochmals verbessern», erzählt der dreifache Vater zufrieden, «auf den letzten Metern habe ich ein Duell für mich entschieden – das war ein tolles Gefühl.»

Feste Säulen im Leben geben Halt

Sport habe für ihn immer zum Leben dazugehört. Vor seinem Unfall, der im Jahr 2004 passierte, sei er 800-Meter-Läufer gewesen und habe zudem einen Marathonlauf bestritten. Ein schwerer Motorradunfall führte dazu, dass Villiger querschnittgelähmt ist. Die Lähmung, auch Paraplegie genannt, ist auf eine Verletzung des Rückenmarks auf Höhe der Brustwirbelsäule zurückzuführen. Dabei bleiben die oberen Extremitäten funktionsfähig. «Nach dem Unfall musste ich umdenken», führt er aus.

Auch beruflich habe er seine Pläne ändern müssen, eigentlich habe er als Sicherheitspolizei-Instruktor arbeiten wollen, das ging dann nicht mehr. Er fand durch ein Betriebswirtschaftsstudium einen anderen Weg. «Bei der Polizei arbeite ich immer noch, nun aber im Projektmanagement», führt der Athlet aus. Ihm sei es wichtig gewesen, sein Leben weiterhin aktiv zu gestalten und nach vorne zu schauen. «Natürlich kann man auch passiv sein, aber das ist nicht mein Ding.» Seine Säulen im Leben seien seine Familie, der Beruf und der Sport. «Wenn eine Säule einmal nicht ganz so fest steht, fangen die anderen beiden das wieder auf.»

Ein Vorbild sein wie Heinz Frei eines ist

Während seines Aufenthalts im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil habe er mit dem Rollstuhlsport begonnen. Einen hilfreichen Unterstützer fand er dabei in Heinz Frei, einem der erfolgreichsten Sportler in diesem Bereich weltweit. Cornel Villiger stellt fest: «Er ist definitiv ein grosses Vorbild.» Mittlerweile seien Frei und er Trainingspartner, die auch um den jeweils besseren Rangplatz kämpfen. «Der Heinz hat öfters ein Rädli vorn», stellt der Sportler lachend fest, «aber ich nähere mich an.» Dieses positive Denken möchte er anderen gern weitergeben. «Das eigene Leben mit den Möglichkeiten, die einem gegeben sind, gut zu leben, das ist wichtig.» Deswegen engagiert sich Cornel Villiger auch beim Para Racing Team. Dort könne er anderen Sportlern die Möglichkeiten aufzeigen, was mit viel Einsatz und Wille wieder alles erreichbar ist. Und auch, wie viel Freude, Sport machen kann.

Ein Anliegen ist es Villiger, seinen Sponsoren für ihre Unterstützung zu danken. Der nächste Wettkampf-Termin steht bereits in seinem Kalender, am 15. Juni geht er bei der Tour de Suisse an den Start. Knapp zehn Tage später beginnen die Schweizer Meisterschaften, mit Zeitfahren und Strassenrennen. Villiger sagt dazu:

«Das ist natürlich ein wichtiger Termin auch in Hinblick auf die Weltmeisterschaften in den Niederlanden im September.»

Die Schweizer Rennen sind die letzte Selektionsmöglichkeit für die WM. Um an diesen Anlässen teilnehmen zu können, muss der Sportler natürlich topfit sein. Ohne regelmässiges Fitnesstraining ginge das nicht, der eigene Raum dafür zu Hause sei ergänzend zu den vielen tausend Trainingskilometern hilfreich. «Da kann ich Sport auch dann machen, wenn die Wetterbedingungen nicht ganz optimal sind.» Für einen Paraplegiker können die feuchtkalten Herbst- und Wintermonate problematisch sein. «Das Risiko, sich eine Harnwegsinfektion zuzuziehen ist erhöht», erklärt er. «Deswegen plane ich jeweils im Winter einen «harten Trainingsblock» einmal auf den Kanaren und einmal auf Mallorca. Das ist eine gute Vorbereitung auf die Saison.»

Selbstdisziplin sei kein Problem. «Mir macht das Trainieren Spass», so der Athlet. «Der Wettkampf ist so etwas wie eine Belohnung, das Dessert sozusagen.» Noch nicht ganz so aktuell, aber doch ein Wunschziel seien die Paralympischen Spiele in Tokio 2020. «Das ist aber noch in weiter Ferne, erst einmal denke ich an die WM im September», sagt Villiger und man spürt, dass er sich schon jetzt freut.

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