Der Zuger Bedarf an Familienberatungen steigt an

Das Angebot von Punkto wird vermehrt in Anspruch genommen. Auch präventiv.

Zoe Gwerder
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Der Verein Punkto Eltern, Kinder und Jugendliche hat im vergangenen Jahr sowohl mehr Kinder- Jugend- und Familienberatungen durchgeführt als in den Vorjahren. Im Vergleich zu 2016 hat sich die Zahl der Beratungen gar mehr als verdoppelt. Von 207 auf 509 Jugendliche und Familien, wie aus dem Leistungsbericht 2019 hervorgeht.

Geschäftsführer Roberto Sansossio erklärt sich den kontinuierlichen Anstieg in den letzten vier Jahren zum einen mit einer grösseren Sichtbarkeit des Angebots von Punkto in der Bevölkerung. Zum andern aber auch mit einem grösseren Bewusstsein für das psychische Wohlbefinden. «Heute kommen die Leute, um sich helfen zu lassen, bevor es schlimm wird», so seine Erfahrungen. «Es gibt viele Fälle, die vor zehn Jahren noch nicht zu uns gekommen wären.»

Dasselbe sei auch beim Angebot der begleiteten Familie zu sehen. Hierbei sei die Situation noch etwas spezieller, da die Familien, die das Angebot «Familienbegleitung» freiwillig in Anspruch nehmen, es selber bezahlen müssen. Auch könnten Familien in schwierigen Situationen zu einer solchen Begleitung verpflichtet werden. «Der Anteil der Familien, die freiwillig zu uns kommen, wird stetig grösser», erklärt Sansossio.

Ebenfalls mehr Fälle gibt es im Bereich der Gassenarbeit. Betreute Punkto 2016 noch 133 Dossiers waren es im vergangenen Jahr 150. Davon sind 113 Männer und 37 Frauen. Dass es 2019 insgesamt 17 zusätzliche Fälle im Vergleich mit 2016 gab, sei nicht aussergewöhnlich. Es sei vielmehr eine «normale Schwankung», führt Roberto Sansossio aus.

Corona wird Fallzahlen wohl ansteigen lassen

Hingegen erwartet der Punkto-Geschäftsführer insbesondere im Bereich der Gassenarbeit im laufenden Jahr eine deutliche Zunahme der Fälle. Grund ist die Coronapandemie. «Wer bereits am Rand der Gesellschaft lebt, den treffen die Auswirkungen der Massnahmen meist stark.» So erwartet Sansossio auch bei den Mittagsbeiz-Bons eine Zunahme. Von diesen wurden in den vergangenen Jahren wiederholt weniger abgegeben als im Vorjahr.

Mit gemeinsamer Strategie in die Zukunft

Neben einigen Personalwechseln im vergangenen Jahr – welche sich gemäss Sansossio im Bereich der «normalen Fluktuation» befinden, ist auch Sansossio selber Ende 2019 neu zum Verein gestossen. Der neue Geschäftsführer kommt aus der Jugendpsychologie. Er sei gut in seiner neuen Aufgabe angekommen. Seinen Koffer habe er zwar ausgepackt. «Es braucht aber noch Zeit, bis ich mich zu 100 Prozent eingearbeitet habe.» Er sieht sich und den Verein als «Diener der Gesellschaft». «Wir gehören zur Grundversorgung und müssen gemeinsam mit dem Kanton schauen, was es für die Bevölkerung braucht.»

Derzeit sei man dabei, die strategischen Stossrichtungen gemeinsam mit dem Vorstand auszuarbeiten. «Wir müssen wissen, was unsere Ziele und Visionen sind», so Sansossio. Zudem befinde sich der Verein im Moment in den Verhandlungen für die neue Leistungsvereinbarung mit dem Kanton. Gemäss Sansossio sollte diese bis im Herbst abgeschlossen sein.

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