Der Zuger Kulturgipfel beschäftigt sich mit einer Grundsatzfrage

Am Zuger Kulturgipfel in der Shedhalle ging es bei den drei Impulsreferaten um die Förderung der Kultur.

Monika Wegmann
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Der Austausch wurde beim Kulturgipfel 2019 am Dienstagabend, 3. Dezember, in der Shedhalle rege gepflegt, vor allem beim Apéro. Die drei Impulsreferate stiessen auf Interesse. «Die jährliche Veranstaltung vom Amt für Kultur will die Vernetzung unter den Kulturschaffenden mit den Vertretern von Politik, Galerien, Stiftungen und Institutionen fördern», betonte dessen Leiter Aldo Caviezel zur Einführung. Diesmal ging es um die Fragen: Wer fördert, wo, was. Und warum fördern wir Kultur überhaupt? Es gebe die Sicht, dass die Kultur alles alleine finanzieren solle. Für Caviezel ist deren Förderung jedoch eine Staatsaufgabe. So übernehme die Gesellschaft Verantwortung und fördere Empathie. Die Funktion von Kultur und Kunst verglich Caviezel mit einem Spiegel und einem Fenster. Und er wies darauf hin, dass der Kanton Zug als erster in der Schweiz vor Jahren ein Gesetz zur Förderung des kulturellen Lebens lanciert und somit Pionierarbeit geleistet habe.

Auch Landammann Stephan Schleiss, Vorsteher der Direktion für Bildung und Kultur, fand, dass mit dem jährlichen Anlass das Ziel gut erreicht sei: «Der Dialog unter den Gruppen ist wichtig, weil man miteinander mehr erreichen kann».

Marco Rima sieht die Kunstförderung zwiespältig

Patrizia Keller, Kuratorin und stellvertretende Leiterin des Nidwaldner Museums, zeigte die Entwicklung vom Eidgenössischen Stipendium zum Swiss Art Award auf. Sie hatte sich in ihrer Dissertation damit beschäftigt. So erfuhren die Zuhörer, dass seit fast 100 Jahren «tüchtige Künstler» gefördert werden, «zwecks Ermutigung und Erhalt der Tradition». Ein wichtiges Kriterium sei bis in den 1970er-Jahren deren Mittellosigkeit gewesen. Mit dem Swiss Art Award stehe seit Ende der 1980er-Jahre nicht die Anerkennung, sondern ein neues Werk im Vordergrund. Der Bund zeichne einen Künstler für seine «herausragenden Leistungen» aus und wolle ihm mit der Ausstellung der Art Basel gleichzeitig den Anschluss an das internationale Kunstparkett ermöglichen.

«Inzwischen hat sich das Bild vom brotlosen Künstler hin zum Kunstschaffenden verschoben», sagte Keller. Allerdings biete die Kunst auch Projektionsfläche. Sie verwies darauf, dass es immer mehr Preise und Förderer gebe und eine Ökonomisierung der Kunst eingetreten sei. «Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kunst ist positiv, dies sollte aber nicht die Kunst einschränken.» Man könne vielfältig wirken, junge Talente fördern, aber auch ältere Künstler unterstützen. Als wichtig erachtet Keller: «Die Kunst soll nicht arbeiten, was verlangt wird, sondern sollte Raum schaffen, damit sich etwas Neues entwickeln kann.»

Der Zuger Kabarettist und Schauspieler Marco Rima hat bezüglich Kunstförderung aus Erfahrung eine zwiespältige Sicht. Als «Blödeler» sei er früher von vielen Förderern einfach übergangen worden. So habe er in den Anfängen schwierige Jahre erlebt. Erst das Musical «Keep Cool» und der Prix Walo hätten zum Erfolg geführt. Trotzdem stellt Rima fest: «Kultur muss gefördert werden, das ist wichtig. Man soll zudem die Jugend mehr einbeziehen und den Dialog fördern. Zudem müssen Dünkel und Neid untereinander abgelegt werden.»

«Kulturprozent» gehört zur DNA

Aus der Perspektive der grössten Förderinstitution der Schweiz zeigte Hedy Graber, Leiterin Direktion Kultur und Soziales des Migros Genossenschaftsbundes, auf, in welchen Bereichen aktiv unterstützt wird, dank dem Migros-Kulturprozent mit Millionen von Franken. Die Initiative dafür ging von den Gründern Adele und Gottfried Duttweiler aus, welche festlegten, was der Gesellschaft zugutekommen sollte. Dank dem freiwilligen Engagement werden heute von der Migros viele Projekte in Kultur, Gesellschaft, Bildung und Freizeit gefördert. So wichtig wie die Künstler sei Duttweiler immer auch das Publikum gewesen. Graber verhehlte nicht, dass als Förderer das Nein-Sagen wichtig sei, um Akzente setzen zu können. «Im 2018 gingen 1524 Gesuche ein, 634 wurden offiziell gefördert. Bei unseren Regionen trafen weitere Gesuche ein. Wir fördern Projekte von der Vision zur Realisation. Es braucht eine zündende Idee.» Man helfe sogar bei der Finanzierung oder dem Coaching. Graber gab zu bedenken: «Die Fehlerkultur ist ebenso wichtig. Die Gesellschaft braucht gute Ideen für den Zusammenhalt.» Hierzu fügte Caviezel an: «Man hat heute nicht mehr den Mut, ein Risiko einzugehen, egal was passiert.»

Ein Mann wollte während der Diskussionsrunde wissen, ob das Migros-Kulturprozent wegen der Sparrunden in Gefahr sei. Das verneinte Graber: «Ich glaube nicht, das ist statuarisch verankert und in uns wie eine DNA.» Danach wurde im lockeren Rahmen rege weiter diskutiert.