Der Zuger Stadtrat und das Bild mit den Affen

Das Bild ist bekannt: Drei Affen sitzen in einer Reihe. Der eine hält sich den Mund zu, der andere die Augen, und der dritte verdeckt seine Ohren. Auf dem Titelblatt der aktuellen Fasnachtspostille «Das Feuerhorn» – sie erscheint heuer zum 120. Mal – ist eine Karikatur mit dieser Botschaft zu sehen.

Marco Morosolimarco Morosoli
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Der Zuger Stadtrat und das Bild mit den Affen

Der Zuger Stadtrat und das Bild mit den Affen

Die Affenstory wird einfach um zwei Personen erweitert. Die Botschaft bleibt aber dieselbe. Stadträtin Vroni Straub sagt nichts, Stadtpräsident Dolf Müller hört nichts, und sein Kollege André Wicki sieht nichts. Derweil sich der vierte, Andreas Bossard, hinter seinem Direktionssekretär Pietro Ugolini versteckt. «De Bösgi versteckt sich hinderem Ugolini und weiss drum au nüd devo.»

Verhaltensregeln für Politiker

Der Fünfte im Bunde, der ehemalige Finanzchef Ivo Romer, fehlt. Er soll – es gilt, wie im Fasnachtsblatt auch zu lesen ist, weiterhin die Unschuldsvermutung – das ganze (Millionen-)Vermögen einer Witwe unrechtmässig verjubelt haben und hat den Hut nehmen müssen.

Der Skandal um den gewesenen Säckelmeister der Stadt Zug durchzieht «Das Feuerhorn» wie ein roter Faden. So schlägt die Redaktion des vom Styger-Rettungskorps herausgegebenen Fasnachtsblattes vor, dass der Kolinplatz Affenplatz und das Stadthaus Affenhaus heissen soll.

Vorgestellt werden auch Verhaltensregeln «für delinquierende Politiker». Um Steuergelder zu sparen, hat die Stadt Zug mit der Nachbargemeinde Baar zusammengespannt. Auch dort ist ein Gemeinderat über mutmasslich unsaubere Finanzgeschäfte gestolpert und zurückgetreten. Bossard kommt im «Feuerhorn» nochmals zum Handkuss. Seine Familienverhältnisse werden so beschrieben: «Er geht mit gutem Beispiel voran und eröffnet zu Hause ein Zentrum für Heimatlose. Somit bestehen hohe Chancen, dass das Zentrum Heimwald bald geschlossen werden kann. Ein herzliches Dankeschön.»

«Ach Jo, du fehlst uns so»

Dank dem «Feuerhorn» ist nun auch bekannt, dass zwei Exekutivmitglieder beim Schwarzfahren erwischt wurden. Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel wurde «Volksnah verwütscht» (Originaltitel im «Feuerhorn»). Michel habe flüchten wollen, sich aber nicht der Kontrolle entziehen können: «Das ist halt: Wemmer z mitzt im Volk wott hocke de dönds eim halt au glich wie’s Volk abzocke.» Auf die von Stadträtin Vroni Straub an den Feuerhorn-Briefkastenonkel gestellte Frage, was sie als schwarz fahrende Zeitgenossin tun solle, wird ihr geraten: «Stillhalten und beten. Sollte die Presse dennoch Wind bekommen, wird dein Kollege und Stadtpräsi Dolfi bestimmt auch dir einen Persilschein ausstellen.»

Auch der nach Bern gezogene ehemalige linksgrüne Nationalrat Josef Lang erhält im «Feuerhorn» sein Fett ab. «Ach Jo, du fehlst uns so!» Die Feuerhorn-Redaktion hat schon lange vermutet, «wo er seinen Lebensmittelpunkt schon Lang hatte». Jetzt könnten die Zuger aufatmen, schreibt die Fasnachtspostille, «wenn da nicht die Tatsache wäre, dass wir ihn – falls er in Bern ein politisches Comeback feiert dereinst doch wieder finanzieren müssen! Indirekt über den NFA.»

Der Gesundheitsdirektor als Jäger

Dem «Feuerhorn» zu entnehmen ist auch, dass jetzt der Zuger Gesundheitsdirektor das Jagdbrevet erhalten hat. «Da kann sich das Wild doch freuen, vom Gesundheitsdirektor persönlich kompetent in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden.» Ebenfalls prominent vertreten ist das Gezerre um das geplante eidgenössische Schwingfest in Baar. «Fascht wär das Schwingfäscht i d Hose, do seit de Paul (Langenegger) zum Heinz (Tännler): ‹Hau mi nid in Pfanne!›». Das Fest kann nun andernorts durchgezogen werden, weil Tännler noch «einen Schupf» bekommen habe.

Hinweis

Das «Feuerhorn» ist während der Fasnacht in der Stadt Zug bei Ausrufern erhältlich.

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