Der Zuger Stadtrat will die Artenvielfalt fördern

Die Gemeinde verweist zwar auf kantonale Bestrebungen, will selber aber auch eine Strategie entwerfen.

Laura Sibold
Drucken
Teilen
Der ehemals unterirdische Arbach im Göbli der Stadt Zug ist nun zugänglich und wurde naturnah gestaltet.

Der ehemals unterirdische Arbach im Göbli der Stadt Zug ist nun zugänglich und wurde naturnah gestaltet.

Bild: PD

Der Lebensraum vieler Tierarten verschlechtert sich zusehends. Der damit einhergehende Rückgang der Arten hat unbestritten Folgen für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung, die sich heute aber noch nicht im Detail abschätzen lassen.

Doch der starke Rückgang der Biodiversität verlange auch von der Stadt Zug Massnahmen, um die Artenvielfalt auf dem städtischen Gebiet nachhaltig zu fördern, findet die SP-Fraktion. Entsprechend haben die Sozialdemokraten eine Motion eingereicht, mit der sie den Stadtrat zur Umsetzung und Überwachung geeigneter Massnahmen beauftragen wollen.

Die Hälfte der Grünflächen sind naturnah gestaltet

Laut SP soll der Stadtrat entsprechend dem Aktionsplan «Strategie Biodiversität Schweiz» des Bundes für den städtischen Raum ein Massnahmenpaket und Monitoring vorschlagen. Zudem sollen die im Aktionsplan empfohlenen Massnahmen für Gebäude, Grünflächen und Landwirtschaftszonen im Besitz der Stadt verbindlich umgesetzt werden. Der Stadtrat betont in seiner Antwort, dass man sich mit dem Aktionsplan des Bundes intensiv auseinandergesetzt habe. Anfang Februar hätten das Bundesamt für Umwelt und der Kanton Zug eine neue Programmvereinbarung abgeschlossen. Der Kanton Zug wird beauftragt, ein Konzept zur Optimierung der ökologischen Infrastruktur vorzulegen. «Da der Aktionsplan und die Programmvereinbarung mit dem Kanton die Richtschnur für die Stadt sind, braucht es keinen städtischen Plan», so der Stadtrat.

Der Kanton Zug erarbeitet mit den Gemeinden die Grundlagen für eine Biodiversitätsstrategie. Die Artenschutzmassnahmen der Stadt Zug sollen laut Stadtrat in dieses übergeordnete Netz eingebaut werden. Die Stadt setze aber schon heute auf möglichst standortangepasste Gestaltungen und Bepflanzungen. «An Orten, wo die Nutzung keine anderen übergeordneten Vorgaben macht, wird der standortgerechten Biodiversität eine hohe Priorität eingeräumt», heisst es weiter. So würden möglichst viele Flächen mit offenem und sickerfähigem Boden gestaltet und mit standortheimischer Vegetation angesät oder bepflanzt. Die Flächen werden so unterhalten, dass die Artenvielfalt zunimmt. Knapp die Hälfte der 27 Hektaren Grünflächen in der Stadt Zug werden naturnah unterhalten. Die naturnahen Flächen umfassen Blumenwiesen, Bäche und Ufer, Wildhecken und Wald sowie extensiv begrünte Dachflächen. Bereits heute verzichtet die Stadt weitgehend auf chemische Pflanzenschutzmittel. Weiter werde bei Änderungen an Gebäuden überprüft, ob die Nistplätze für Gebäudebrüter erhalten bleiben und ob diese ergänzt werden können. Auch Vernetzungsprojekte zu Gunsten einer höheren Artenvielfalt und Biodiversität werden überprüft und weiterverfolgt. Insbesondere seien unterirdische Bachläufe hervorzuheben, die im Zuge von Bauvorhaben geöffnet werden. Dazu zählt auch der kürzlich geöffnete Arbach.

Blumenwiesen und Bachläufe im Fokus

Als weitere Massnahmen erwähnt der Stadtrat, dass bis 2030 zusätzlich 800 Bäume gepflanzt werden sollen und legt mittel- bis langfristige Ziele dar. «Die Stadt Zug erarbeitet mit Fachleuten eine Strategie zur Förderung der standortgerechten Biodiversität und Vernetzungsprojekte. Darunter fallen die Förderung von Blumenwiesen sowie die möglichst durchgehende Öffnung und Renaturierung der Bachläufe», schreibt die Exekutive. Bei Bebauungsplänen will die Stadt vermehrt naturnahe Freiräume festlegen.

Auf öffentlichen Grundstücken soll mehr auf Biodiversität gesetzt und so Private zur Nachahmung ermuntert werden. Darüber hinaus verweist der Stadtrat auf die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton sowie auf die Ortsplanungsrevision. Im Freiraumkonzept werde die Biodiversität eine grosse Rolle spielen.