Der Zugersee Schifffahrt steht das Wasser bis zum Hals – die Saison startet am 8. Juni

Mit einer reduzierten Belegung können am 8. Juni wieder Schifffahrten auf dem Zuger- und Ägerisee genossen werden. Die Zugerbergbahn transportiert ab 6. Juni wieder Touristen. Für alle Unternehmen ist das betriebswirtschaftlich eine Herausforderung.

Laura Sibold
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Im vergangenen Jahr verdarb der regnerische Frühling der Zugersee Schifffahrt AG das Geschäft, nun ist es wohl das Coronavirus.

Im vergangenen Jahr verdarb der regnerische Frühling der Zugersee Schifffahrt AG das Geschäft, nun ist es wohl das Coronavirus.

Bild: PD

Es sind massive Lockerungen, die der Bundesrat kürzlich bekanntgegeben hat: Spontane Versammlungen bis zu 30 Personen sind bereits ab 30. Mai wieder erlaubt, alle Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen können ab
6. Juni wieder durchgeführt werden. Dann dürfen auch alle Freizeitbetriebe und touristischen Angebote wieder öffnen. Diese Nachricht lässt auch die Schifffahrtsgesellschaften auf dem Zuger- und Ägerisee aufatmen. Philipp Hofmann, Geschäftsführer beider Schifffahrtsgesellschaften, sagt: «Ab dem 8. Juni können wir den Betrieb wieder aufnehmen. Wir freuen uns ausserordentlich, die Gäste endlich wieder an Deck begrüssen zu können.»

Nur halb so viele Gäste wie normalerweise erlaubt

Auf allen Schiffen wird das Schutzkonzept umgesetzt, welches durch den Branchenverband erarbeitet und vom Bund abgenommen wurde. Es beinhaltet eine maximale Belegung von 50 Prozent. Pro Schiff können somit nur halb so viele Gäste wie normalerweise begrüsst werden. An Bord des MS Zug, das 450 Plätze bietet, können ab 8. Juni also nur deren 225 begrüsst werden. «So kann die geforderte Mindestdistanz zwischen den Tischen im Bereich der Gastronomie eingehalten werden», erklärt Hofmann den Grund. Die Matrosen und Schiffsführer werden im direkten Kundenkontakt Maske tragen, zudem werden Kontaktflächen wie zum Beispiel die Reling mehrfach täglich gereinigt und desinfiziert. Die Restauration auf den Schiffen unterliegt dem Schutzkonzept der Gastronomie.

Die Kursfahrten finden bis zu den Sommerferien mit einem leicht reduzierten Fahrplan statt. Ebenfalls durchgeführt werden die Morgenfahrten mit Frühstück – neu mit Tischservice anstelle der Selbstbedienung am Buffet. Weitere Sonderfahrten sind laut Mitteilung der Schifffahrtsgesellschaften geplant und werden in den nächsten Tagen auf den Webseiten publiziert. «Gemäss Vorgaben des Bundes können wir alle Sonderfahrten, bei denen das Schutzkonzept angewendet werden kann, wieder durchführen. Das betrifft vor allem unsere gastronomischen Sonderfahrten», erklärt Philipp Hofmann. Ob auch die beliebten Tanz- und Musikfahrten bald wieder stattfinden können, werde derzeit noch abgeklärt. Geklärt werden muss, wie viele Personen eingelassen werden dürfen, um die Vorgabe mit vier Quadratmetern Platz pro Person einhalten zu können.

Hohe Einbusse nach bereits schwierigem 2019

Die Schifffahrt-Saison beginnt auf dem Zugersee normalerweise an Ostern, auf dem Ägerisee Anfang Mai. Dass man auf dem Zugersee nun zwei Monate später als üblich starten könne, sei betriebswirtschaftlich eine enorme Belastung, so Hofmann und spricht von einem «substanziellen Betrag im sechsstelligen Bereich», der allein in den Monaten April bis Juni fehlt. Dieses Minus bis Saisonende im Oktober wieder wettzumachen, sei unmöglich.

Die Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee hatte bereits 2019 kein einfaches Jahr. Der regnerische Frühling trübte den Saisonstart und verursachte einen Betriebsverlust von 118 060 Franken, der bis Ende Saison nicht mehr aufgeholt werden konnte. Durch die hohen Fixkosten und die fehlenden Umsätze, sei die Lage sehr herausfordernd. Wo immer möglich, habe man Kosten eingespart und so etwa auf nicht dringliche Unterhaltsarbeiten verzichtet, erklärt der Geschäftsführer.

«Wir hoffen auf eine gute Saison mit vielen Kunden, die auf dem See Erholung finden.»

Besonders ab Juli mit Beginn der Sommerferien rechnet Philipp Hofmann mit einer steigenden Anzahl Gäste. Zum Saisonbeginn gehe er davon aus, dass der Andrang nur zögerlich komme, analog zu den Restaurants.

Neben der Schifffahrt ist auch die Zugerbergbahn durch die Coronapandemie stark getroffen. Auch hier werde die finanzielle Delle noch Jahre später zu sehen sein, prognostiziert Hofmann. Doch der Zugerberg war in den vergangenen Wochen als weitläufiges Naherholungsgebiet extrem beliebt. «Wir gehen davon aus, das er diesen Sommer besonders viele Gäste anziehen wird und sind für einen Ansturm gewappnet.»

Auch die Zugerbergbahn wird ab 6. Juni wieder Touristen transportieren.

Auch die Zugerbergbahn wird ab 6. Juni wieder Touristen transportieren.

Bild: PD

Die Zugerbergbahn befördert seit 18. Mai wieder Anwohner und Schüler des Instituts Montana auf den Berg – der touristische Verkehr blieb aber bis auf Weiteres eingestellt. Nun kann auch die Zugerbergbahn ab dem 6. Juni wieder alle Gäste transportieren und fährt zu den gewohnten Zeiten gemäss Fahrplan. Hofmann, der als Leiter Markt der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) auch für die Zugerbergbahn zuständig ist, betont:
«Auch die Zugerbergbahn wird täglich gereinigt und die Massnahmen des Schutzkonzeptes für den öffentlichen Verkehr umgesetzt.» Kann im direkten Kundenkontakt die Mindestdistanz nicht eingehalten werden, tragen die Mitarbeitenden der Zugerbergbahn eine Maske. Für die Fahrgäste gilt entsprechend dem ÖV-Schutzkonzept eine Maskenempfehlung. Zudem sind sie gebeten, wenn möglich ihr Billett online oder an den Automaten an der Tal- oder Bergstation zu lösen.

Auf die Frage, wieso die Zuger Schifffahrtssaison zwei Tage nach der Bergbahnsaison beginnt, verweist Philipp Hofmann auf die herausfordernde Vorbereitung auf den Schiffen. «Wir wollen uns auf den Schiffen genug Zeit lassen, um die Schutzkonzepte sauber umsetzen zu können. Sodass auch jeder Gast seine erste Schifffahrt der Saison geniessen kann.»

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