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Des Pendlers liebste Bank im Zuger Bahnhof bietet einen Rundumblick

Sie bietet keine spektakuläre Aussicht und auch nur bedingt Ruhe und auch für sich alleine hat man sie selten. Trotzdem habe ich die Sitzbank zwischen Gleis drei und vier am Bahnhof Zug sehr zu schätzen gelernt.
Christopher Gilb
Diese Bank im Zuger Keilbahnhof bietet einen guten Blick aufs Geschehen und ist doch nicht mittendrin. (Bild: Werner Schelbert (Zug, (13. Juli 2017))

Diese Bank im Zuger Keilbahnhof bietet einen guten Blick aufs Geschehen und ist doch nicht mittendrin. (Bild: Werner Schelbert (Zug, (13. Juli 2017))

Es gibt Bahnhofsbänke und es gibt Bahnhofsbänke. Die Bank zwischen Gleis drei und vier am Bahnhof Zug gehört eindeutig zu Letzteren. Das liegt daran, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Bahnhofsbänken nicht direkt an einem Gleis steht, sodass der Blick ständig durch einfahrende Züge blockiert wird. Diese Bank bietet vielmehr aufgrund ihrer Position einen Rundumblick. Sie steht zwischen den Gleisen und ist somit eine Art kleine Oase inmitten des Bahnhofsstresses.

Ich habe diese Bank zu schätzen gelernt. Jeden Tag, bevor ich den Zug heimwärts besteige – ich gehe oft deswegen bewusst zehn Minuten früher zum Bahnhof – lasse ich mich, falls sie gerade nicht voll besetzt ist, auf der Bank nieder, um durchzuatmen. Lasse noch ein letztes Mal das Geschehene rekapitulieren und öffne dann langsam mein Feierabendbier. Bevor ich dann bereits im Zug versuche, die Themen des Arbeitsalltags konsequent hinter mir zu lassen.

Für einmal nicht mittrennen

Auch während des Tages habe ich schon das ein oder andere Mal auf der Bank Platz genommen. Manchmal auf der Suche nach Inspiration. Sie ist nämlich auch die perfekte Beobachterbank. Man sitzt mittendrin und doch läuft das Geschehen eher um einem herum ab. Die Leute stürmen zu ihrem Gleis und dort in ihren Zug, mehr an einem vorbei als auf einem zu. Es gibt Leute, die brauchen zum Abschalten die komplette Ruhe. Sie suchen diese an einem möglichst idyllischen, ruhigen Ort. Ich kann auch Ruhe finden, wenn ich weiterhin inmitten des Gewusels bin. Aufs Leben blicken zu können, beruhigt mich, solange ich für einmal nicht mitrennen muss.

Manchmal nervt sie auch

Und auch interessante Begegnungen bietet die Bank. Auch wenn heute viele in ihrer persönlichen Welt mit Hilfe der passenden Musik verschwinden, lässt sich doch noch das ein oder andere interessante Gespräch führen. Es sind oft andere Pendler, man versteht sich gut, teilt man doch das gleiche Schicksal. Ein, zwei Porträts über Menschen, die Interessantes in ihrem Leben machen, sind so schon entstanden. Den ein oder anderen Gesprächspartner hat man dann auch schon wieder getroffen, natürlich auf der Bahnhofsbank, wo sonst.

Wie alles, was man gern hat, nervt meine Bank manchmal. Nämlich dann, wenn sie von anderen eingenommen wird. Nicht solche, die gemütlich warten, sondern solche, die sich ausstrecken und ihre Habseligkeiten auf die gesamte Bank verteilen. Dann lasse ich die Minuten auf meiner Bank konsequent aus und warte stehend am Perron auf den Zug. In diesem kann ich dann nicht abschalten, sondern muss erst einmal über den zurückliegenden Arbeitstag nachdenken.

Hinweis

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

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