DETAILHANDEL: Cham wird zur «Café-Meile»

Der Ladenmix im Zentrum lässt seit Jahren zu wünschen übrig. Eine Branche boomt dagegen unübersehbar.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Blick auf die Chamer Café-Meile. (Bild: Neue LZ)

Blick auf die Chamer Café-Meile. (Bild: Neue LZ)

Blick auf die Chamer Café-Meile. (Bild: Neue LZ)

Blick auf die Chamer Café-Meile. (Bild: Neue LZ)

Der neue Cafétier des «Capra» an der Sinserstrasse kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. «Wir haben seit 7. Januar geöffnet und bieten in einem heimeligen und fröhlichen Ambiente leckeres, bodenständiges Essen an», sprudelt es aus Steffen Trippacher-Genner. Schon im Schaufenster machen einen die aufgeschichteten Holzscheite hinter dem Glas und die urchigen Lampen und Lichter im Innern neugierig. Es herrscht hier zweifellos eine spezielle Atmosphäre. «Zwischen selbst gemachtem Tartare und zünftigem Hackbraten bewegt sich das Angebot auf unserer Speisekarte», macht der Cafébetreiber Appetit auf mehr. Tagsüber gebe es Rüeblitorte, Muffins und frischgebackene Scones «zum besten Kaffee in Cham», so Trippacher vollmundig.

Zu viele Cafés?

Wie dem auch sei. Die «Kaffeehausszenerie» in Cham jedenfalls wird immer aparter. Und vor allem vielzähliger. Insbesondere im Zentrum der Ennetseegemeinde. Innerhalb von fünf Gehminuten kann der geneigte Kaffeetrinker eine veritable Café-Meile abschreiten. Denn neben dem neuen Café Capra in der Sinserstrasse liegt nur zwei Steinwürfe entfernt die Gelateria und Caffeteria Luzia an der Luzernerstrasse. Von da aus braucht man wiederum nur wenige Minuten, bis man am Kirchbühl im Grand Café Plaza einkehren kann, um ein frisches Gipfeli zu geniessen, eine Schale zu trinken und um einen Blick in die Tagespresse zu werfen. Gleiches gilt für das Café Neudorf, das in der anderen Richtung, an der Zugerstrasse, zum «Käfelen» einlädt. Und das ist noch lange nicht alles. Denn einen Kaffee bekommt man natürlich auch im Take-away Pöstli am Rabenkreisel und einige Schritte weiter im Bahnhofs-Supermarkt. Und in Zukunft soll noch ein weiteres Café ins Erdgeschoss der bis spätestens 2016 umgebauten Raiffeisenbank am Standort des alten Locher-Kaufhauses einziehen. Ganz schön viele Cafés für Cham. Zu viele – oder mausert sich Cham etwa zur Zuger Café-Metropole?

Helfenstein: Ein Modetrend

«Lieber eine Café-Metropole als eine für Pizza und Kebab», sagt Georges Helfenstein, Präsident des Chamer Gewerbevereins. Für ihn ist die Vielzahl der Cafés in Cham ein Resultat der freien Marktwirtschaft. «Andererseits sind Cafés heutzutage sicher ein Modetrend», ist Helfenstein überzeugt.

Aber sind die vielen Cafés in Cham nicht auch Ausdruck und Ergebnis einer verarmten Detailhandelslandschaft – in der es angesichts der Ladenkonkurrenz in Gestalt des Neudorf-Centers und des «Zugerland» in Steinhausen nicht mehr viele geschäftlich gewinnbringende Spielräume gibt – ausser eben für Cafés?

«Ideal wären noch andere Läden»

Gemeindepräsident Bruno Werder sieht die Dinge alles andere als pessimistisch. «Cafés kann es nie zu viele geben im Zentrum, sie bringen Vielfalt und Leben in den Ortskern.» Ausserdem würden heutzutage eben nicht wenige während der Arbeitszeit mal auf einen Kaffee ins Café gehen, oder dass Senioren sich dort gerne treffen. «Dass es so viele Cafés in Cham gibt, ist ein gutes Zeichen», ist der Politiker überzeugt. Gleichwohl muss Werder einräumen, dass er seine Oberhemden noch immer nicht in «Chom» einkaufe. Grund: Es fehle schon seit Jahren ein Herren-Bekleidungsgeschäft. Und nicht nur das. «Ideal wäre es natürlich, wenn es nicht nur Cafés im Zentrum hätte, sondern wenn es auch noch andere Läden gäbe.» Denn die Detailhandelsinfrastruktur in Cham sehe im Vergleich zu anderen Gemeinden «relativ mager aus, ein gewisser Grundbedarf lässt immer noch zu wünschen übrig», verhehlt der Gemeindepräsident nicht. Deshalb ist es mein grosser Wunsch, dass es noch andere Läden und Boutiquen nach Cham zieht.»

Heimelig und urchig: das neue Café Capra an der Sinserstrasse in Cham. (Bild: Christian Hildebrand / Neue ZZ)

Heimelig und urchig: das neue Café Capra an der Sinserstrasse in Cham. (Bild: Christian Hildebrand / Neue ZZ)