Kameras zwischen Bahnhof und der Bossard-Arena sollen nur abschrecken

Die Video-Achse vom Bahnhof zur Bossard-Arena ist seit dem Esaf in Betrieb. Die Polizei macht aber nur sporadisch davon Gebrauch.

Marco Morosoli
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Eine Kamera beim Parktower.

Eine Kamera beim Parktower.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 31. Januar 2020)

Es ist der 24. Januar 2020 auf dem Arenaplatz. In der Partie zwischen dem EVZ und dem HC Lugano siegen die Gäste mit 2:1. Beim aus der Arena herausströmenden Publikum herrscht daher eine gedrückte Stimmung. Ein dem EVZ eng verbundener Sitzplatz-Inhaber hat aber gleich doppelten Frust. Sein teures Velo ist weg. Auch andere stellen fest, dass ihr Velo nicht mehr dort ist, wo es einmal war.

«In diesem Zusammenhang sind bei der Zuger Polizei zwei Diebstahlanzeigen eingegangen», sagt Judith Aklin. Sie ist Sprecherin bei der Medienstelle der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Der plötzlich ohne Velo dastehende Mann erblickt dann eine Kamera auf der Sporthalle. Ob diese den Diebstahl aufgenommen hat?

Im Prinzip ja, denn wie Judith Aklin einräumt, sind die zehn Kameras auf der Strecke zwischen dem Bahnhof und der Bossard-Arena in Betrieb, wenn der EVZ ein Heimspiel hat. Während zweier Wochen ist das Filmmaterial auswertbar. Dann löscht die Zuger Polizei die Bilder. Zur Gesichtserkennung soll die Aufnahmequalität hingegen nicht reichen, diese Forderung findet sich im Gesuch zur Videoüberwachung vom 17. November 2017. Judith Aklin sagt aber: «Die Bilder müssen für die Strafverfolgung brauchbar sein.»

Der Sicherheitsdirektor spricht von Abschreckung

In Echtzeit sollen die Aufnahmen normalerweise nicht mitverfolgt werden. Der zuständige Sicherheitsdirektor Beat Villiger hat vor einem Jahr gegenüber unserer Zeitung gesagt: «Die Kameras sollen einen abschreckenden Charakter haben und uns ermöglichen, die Aufnahmen zu sichten.»

Nach der Eröffnung der Bossard-Arena vor fast zehn Jahren hat zwischen dem EVZ und der Polizei eine temporäre Eiszeit geherrscht, weil die Ordnungshüter oftmals mit einem grossen Aufgebot aufmarschiert sind. Die Kosten für diese Einsatzkräfte musste jeweils zum Teil der EVZ übernehmen. Nach intensiven Gesprächen zwischen den Parteien ist es letztlich zu einer gütlichen Einigung gekommen. Diese haben der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger und der damalige EVZ-Präsident Roland Staerkle an einer gemeinsamen Pressekonferenz kurz vor Weihnachten des Jahres 2012 besiegelt. Die Polizei hat im gleichen Jahr den Stundenansatz gesenkt, geblieben ist der Schüssel für die Sicherheitskosten rund um die Bossard-Arena. Der EVZ muss 60 Prozent bezahlen, der Kanton den Rest. Derzeit ist die Zuger Polizei, wie Judith Aklin auf Anfrage offenbart, in der Regel mit «minimal einer Verbindungsperson im Einsatz», wenn der EVZ ein Heimspiel austrägt. Diese Verbindungsperson sei zudem noch für die Koordination des Verkehrs zuständig. Sie sei auch beim Lagerapport in der Bossard-Arena zugegen. Der EVZ ist innerhalb der Arena für die Sicherheit verantwortlich.

Weitere Aufgebote, so schreibt Judith Aklin, «sind mittlerweile selten und stützen sich auf die entsprechende Lageentwicklung und den Infoaustausch mit dem EVZ». Die Sprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden räumt dann allerdings ein, dass bei Playoff-Spielen «je nach Spielpaarung weitergehende Aufgebote notwendig sein könnten». Generell entscheide der Einsatzleiter der Zuger Polizei, so Judith Aklin, wann die Kameras in mit dem Datenspeichern beginnen. Dies geschehe jeweils «Absprache mit der Fachstelle Videoüberwachung».

Aufnahmen im überschaubaren Rahmen erstellt

Dass die Kameras nicht ständig laufen, scheint politisch gewollt zu sein. Die Medienstelle der Zuger Strafverfolgungsbehörden sagt zudem: «Im Weiteren liefen die Kameras bisher anlässlich einer Demonstration bei der Firma Johnson & Johnson.» Dieser US-Konzern hat seinen Sitz an der Gubelstrasse zwischen dem Bahnhof Zug und dem Aabachkreisel.

Die zehn Kameras haben auch während des Schwing- und Älplerfestes Ende August 2019 Bilder aufgenommen und für zwei Wochen gespeichert. Die aufgenommenen Bilder der Kameras auf der Fanstrecke zwischen dem Zuger Bahnhof und der Bossard-Arena landen in keinem Speichermedium. Das System löscht die Aufnahmen nach zwei Wochen automatisch. Dies gilt auch für die restlichen 13 Kameras, welche rund um den Zuger Bahnhof platziert sind. Dieser gilt als der Hotspot, an dem sich die meisten Straftaten im Kanton Zug ereignen.

Über das Projekt der Videoüberwachung hat es eine lange Debatte gegeben. Am Schluss – im Dezember 2018 – hat sich noch das Zuger Verwaltungsgericht mit der Thematik befasst und die Leitplanken noch etwas enger gesetzt. Der Zuger Kantonsrat hat den entsprechenden Kredit für die Videoüberwachung in der Höhe von rund 370000 Schweizer Franken im 2014 bewilligt.

Wie Judith Aklin von der Medienstelle der Zuger Strafverfolgungsbehörden stolz vermerkt, hat der Kredit mehr als gereicht: «Die Umsetzung der vorliegenden Videoüberwachung betrug rund 300000 Schweizer Franken statt der budgetierten 370000 Schweizer Franken.» In diesen Ausgabeposten sei, so Aklin, alles mit dabei. Die Betriebskosten für die gesamte Anlage beziffert die Sprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden mit jährlich 30000 Franken. Die Betriebsbewilligung ist vorerst für fünf Jahre erteilt. Nachdem das Urteil des Verwaltungsgerichts in Anfang 2019 in Kraft trat, hat der Countdown begonnen.