Die Alternativvorschläge für das Projekt Binzmühle stossen auf Skepsis

Zum Urnengang vom 24. November bezüglich Binzmühle in Rotkreuz.

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Das Komitee «Nachhaltige Sanierung der Binzmühle» schlägt vor, mittels Reduktion von Wohnungen Platz für die Beherbergung für Klassen- und Vereinslager im Mühlegebäude auf zwei Stockwerken zu schaffen. Dieser Vorschlag ist in verschiedener Hinsicht untauglich. Lagerhäuser bedingen bekanntlich einen grossen Betreuungsaufwand. Ist es nun Sinn und Zweck, dass die Gemeinde zu Lasten des Steuerzahlers einen subventionierten «Betrieb» schafft? Der Markt für Lagerhäuser in der Schweiz ist gesättigt. Viele Lagerhäuser haben in den letzten Jahren den Betrieb eingestellt oder haben wirtschaftlich Mühe, nicht zuletzt wegen saisonaler Schwankungen. Und wer hat es nicht schon erlebt: Die Nacht wird in einem Lager manchmal auch zum Tag. Gerade dies ist aus Rücksicht auf die angrenzenden Bewohner sowie der Nachbarschaft zu bedenken.

Ein solches Vorhaben würde breite Abklärungen und Planungsleistungen bedingen. Die Einhaltung der feuerpolizeilichen Auflagen wäre für ein Gebäude mit «erhöhter Personenbelegung» und den Anforderungen an die Behindertengerechtigkeit im Obergeschoss kaum oder dann nur mit teurem Geld zu erfüllen. Dies im erschwerten Umfeld der denkmalpflegerischen Vorgaben sowie der anspruchsvollen Situation in Bezug auf den Schallschutz. Alles in allem müsste die Planung mittels eines neuen Planungskredits nochmals von neuem initiiert werden. Und zu guter Letzt müsste die Frage der Zonenkonformität anhand eines konkreten Projektvorschlages geklärt werden. Und all dies passiert nicht in einem halben Jahr.

Mit der Wohnnutzung schaffen wir eine moderate Belebung und setzen mit der Vermietung eines Teils an die Stiftung Phönix auch ein sozialpolitisches Zeichen, das uns gut ansteht. Zudem steht mit dem «Binzi-Treff» und der Erweiterungsmöglichkeit im Rittersaal von zusätzlich fast 100 m2 Raum immer noch sehr viel Platz für eine moderate öffentliche Nutzung zur Verfügung. Das Projekt entspricht exakt Vorgaben, wie sie die Gemeindeversammlung vom November 2016 im Rahmen des Planungskredites beschlossen hat. Wieso jetzt im letzten Moment noch einmal alles auf den Kopf stellen und nochmals unnötig Geld für weitere Planungen ausgeben? Dafür wäre das Instrument der Mitwirkung in einer früheren Phase zur Verfügung gestanden. Ich empfehle ein Ja am 24. November.

Roger Wiederkehr, Kantonsrat CVP, Rotkreuz


In der Argumentation der Gegner des Binzi-Projektes sticht das Thema Verkehr ins Auge. Alle Beteiligten sind sich einig, dass Verkehr so weit möglich vermieden werden soll. Deshalb ist zu klären, ob der gemeinderätliche Vorschlag mit sieben Wohnungen zu mehr Verkehr führt als der kürzlich aufgetauchte Gegenvorschlag mit lediglich zwei Wohnungen. Bei genauerer Betrachtung erstaunt das Ergebnis. Der aktuelle Vorschlag sieht vor, dass zwei Wohnungen ohne Parkplätze an die Stiftung Phönix vermietet werden. Abgesehen davon, dass damit eine sozial wertvolle und wichtige Institution unterstützt wird, entlastet dies das Parkplatz-Kontingent. Da pro Wohnung nur ein Parkplatz vorgesehen ist, ergibt dies für die restlichen fünf Wohnungen nur noch maximal fünf Parkplätze. Dieser Wert kann mit einer zielgerichteten Vermietungspolitik noch weiter reduziert werden. Es gibt durchaus Mieter, die kein Auto besitzen.

Ich empfehle dem Gemeinderat, klar zu signalisieren, dass er die Vermietungspolitik in diesem sensiblen Gebiet auf einen tiefen Parkplatzbedarf ausrichtet. Der dadurch frei werdende Platz in der Remise kann für den Werkhof für Sommer- und Wintergeräte saisonal optimal genutzt werden. Entscheidend bezüglich Verkehrsaufkommen ist, dass das «Fahrverbot mit Zubringerdienst» auch strikte durchgesetzt wird. Zudem kommen auch Alternativnutzungen – welcher Art auch immer – nicht ohne Verkehr aus.

Wieso setzen sich die Gegner und der Gemeinderat nicht zusammen und verhindern einen unnötigen Scherbenhaufen? Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat die Signale aufgenommen hat und nach obigem Grundsatz handeln wird. Es gibt keine zwingenden Gründe, das Projekt abzulehnen. Lieber investiere ich in die Lärmschutzwand, welche einen Mehrwert bietet, statt in weitere teure Planung. Deshalb empfehle ich ein klares Ja zur Vorlage.

Steffen Schneider, Buonas


Aus meiner Sicht ist der Vorschlag des Gemeinderates ein sehr gelungenes, den Begebenheiten entsprechendes, sanftes Belebungskonzept der Binzmühle und verdient Zustimmung. Mit dem alternativen Lösungsvorschlag, der via Flugblatt in die Haushalte trudelte, sehe ich weder eine verkehrsärmere Lösung noch einen Mehrwert für die Rischer Bevölkerung, Schulklassen und Vereine.

Die Binzmühle befindet sich in einem Naturschutzgebiet und dient bereits jetzt der Rischer Bevölkerung als ruhiges Naherholungsgebiet für Spaziergänge an der frischen Luft. Dies wird nach der Sanierung des Hofs Binzmühle in gleicher oder noch schönerer Weise möglich sein. Mit dem «Binzi-Treff», einem Vorschlag des Gemeinderates, wird das gesellschaftliche Leben und Verweilen mitten in der Natur gefördert – eine schöne Vorstellung, an einem sonnigen Sonntag-Nachmittag beim Binzi-Treff an einem Tisch zu sitzen, etwas zu trinken und zu geniessen. Beim alternativen Lösungsvorschlag geht dieser aufwertende Gedanke unter, genauso wie die sehr sinnvolle Nutzung als externes Schulzimmer für den Naturlehrunterricht der Rischer Schulen. Und wenn Naturkundekurse, im Rahmen der Weiterbildung Risch, allenfalls auch für Erwachsene möglich sind, haben Jung und Alt etwas davon.

Die private Nutzung mit den sieben Wohnungen gewährleistet mehr Ruhe in der Binzmühle als die öffentliche Nutzung mit grossen Menschenansammlungen und Feierlichkeiten – ist meine Überzeugung. Personen, die in der Binzmühle wohnen, suchen die Natur und Ruhe. Ich bezweifle, dass der Verkehr deshalb extrem ansteigen wird. Zudem bietet das Wohnen in dieser idyllischen Natur und in alten charmanten Bauten ein Wohnungsangebot, welches die Vielseitigkeit in unserer Gemeinde aufwertet und eine Alternative zu den vielen Neubauquartieren in Risch bildet.

Für zusätzliche Spielmöglichkeiten und Grillstellen, gemäss dem alternativen Lösungsvorschlag, kann ich mich nicht begeistern. Ist nicht die Natur genug? Ansonsten findet man herkömmliche Spielplätze in nächster Nähe. Grillstellen hat es bereits ausreichend. Da mit Grillstellen oft auch Aktivität und Lärm verbunden ist, würde ich dies im Naturschutzgebiet nicht weiter ausbauen. Wir haben das Privileg, uns in der Natur erholen zu können, haben aber auch die Verantwortung, der Natur die nötige Ruhe und Erholung zu gönnen!

Sparen kann man immer. Ich finde es jedoch ein wohlwollendes Zeichen des Gemeinderates, eine Investition für die Gemeinde, allem voran für die Rischer Bevölkerung, zu tätigen, auch wenn die Aussichten wenig lukrativ sind! An dieser Stelle danke ich dem Gemeinderat und allen Projektbeteiligten ganz herzlich für die sorgfältige Planung, die tollen, aufwertenden Ideen, die investierte Zeit und das Engagement. Die Schaffung eines öffentlichen Naherholungsgebiets für Jung und Alt ist mit dem Vorschlag des Gemeinderats vollumfänglich gewährleistet – deshalb Ja zum Objektkredit Sanierung Hof Binzmühle am 24. November 2019.

Eliane Wyler, Rotkreuz