Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die Amphibien wandern durch den Kanton Zug

Die frühlingshaften Temperaturen der vergangenen Wochen wecken viele Amphibien aus ihrer Winterstarre. Auf dem Weg zu ihren Laichplätzen wird den Tieren der Strassenverkehr im Kanton Zug jedoch vielerorts zum Verhängnis.
Fiona Bösiger

Der Nieselregen und die milden Temperaturen locken momentan die Frösche und Kröten scharenweise aus ihrem Versteck. Den sich über 500 Meter erstreckenden Froschzaun am rechten Fahrbahnrand der Sihlbruggstrasse in Baar fällt sofort auf. Doch erst beim Blick hinter den Zaun sind die gut getarnten Amphibien unter dem nassen Laub zu erkennen. Etwa 17 Tiere tummeln sich am Boden des Eimers, der in die Erde eingegraben worden ist. Es scheint fast so, als würden sie ungeduldig auf ihr Froschtaxi warten, das sie über die Strasse bringt.

Ein paar Tiere tummeln sich am Boden des Eimers. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Ein paar Tiere tummeln sich am Boden des Eimers. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Albertine Haupt, Präsidentin des Vereins Gugermöndli der Gemeinde Baar, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Amphibien bei ihrer Wanderung zu schützen. Der Verein wurde 1992 von einigen Mitgliedern der Fröschenzunft Ebel gegründet und nennt sich Gugermöndli nach dem Zuger Mundartausdruck für Kaulquappe. «Durch unsere Zäune erhoffen wir uns, so vielen Fröschen und Kröten wie möglich das Leben retten zu können», erklärt die Vereinspräsidentin. «Letzten Samstag zählten wir an die 100 Tiere, welche über Nacht in den Kübeln landeten.»

Langer Froschzaun und ein Amphibientaxi

Jeden Morgen um acht Uhr bemühen sich zwei freiwillige Helfer vom Gugermöndliverein, die Frösche und Kröten unbeschadet auf die andere Strassenseite zu befördern. Am vergangenen Donnerstag jedoch werden sie von ungefähr 20 interessierten Schülerinnen und Schülern der International School of Zug and Luzern (ISZL) begleitet.

Schüler der International School of Zug and Luzern helfen freiwillig mit, die Frösche und Kröten auf die andere Strassenseite zu bringen. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Schüler der International School of Zug and Luzern helfen freiwillig mit, die Frösche und Kröten auf die andere Strassenseite zu bringen. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Mit gezückten Handykameras stehen die Fünftklässler um einen Eimer herum und versuchen, einen Blick auf die Tiere im Inneren zu erhaschen. «Steht nicht zu nahe am Strassenrand», warnen die Lehrpersonen ihre Schützlinge. «Der Strassenverkehr stellt nicht nur eine Gefahr für Menschen dar», erklärt Albertine Haupt geduldig. «Vor allem nachts, wenn die Amphibien unterwegs sind, werden sie von Autolenkern übersehen und fallen den Reifen zum Opfer.»

Schon der Luftzug eines Fahrzeugs könne bei den fragilen Tieren eine tödliche Verletzung herbeiführen. Somit sei der Strassenverkehr eine der Hauptbedrohungen der Frosch- und Krötenpopulation. Die Laichzüge werden stark beeinträchtigt. Durch die immer dichter werdenden Verkehrsflächen und Siedlungsgebiete werden auch ihre Laichgewässer dezimiert. Zurzeit leben um die 3000 Frösche und Kröten im Gebiet Sihlbrugg, wobei der Bestand von Jahr zu Jahr schwankt.

Jedes Jahr stellt der Gugermöndliverein den Froschzaun entlang der stark befahrenen Strasse auf. Das Material für den Zaun wird vom Werkhof Baar zur Verfügung gestellt. Mithilfe der gut 20 Vereinsmitglieder wird der Zaun in aufwendiger Handarbeit aufgebaut. Den Tieren wird damit der Zugang zur Fahrbahn versperrt. Die Frösche hüpfen entlang des Zaunes und fallen schliesslich in die in den Boden eingelassenen Eimer.

Die Frösche fallen in die im Boden eingelassenen Eimer. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Die Frösche fallen in die im Boden eingelassenen Eimer. (Bild: Fiona Bösiger, Baar, 7. März 2019)

Albertine Haupt überquert gefolgt von acht lebhaften Schulkindern und deren Kameralinsen die Fahrbahn. In der Hand hält sie einen mit Fröschen und Kröten gefüllten Eimer. Diese werden auf der anderen Strassenseite vorsichtig in die Freiheit entlassen. Etwas unbeholfen greifen die Schulkinder in den Eimer und setzen die Tiere auf der Wiese ab. Fasziniert beobachten sie, wie die Amphibien dem Gewässer entgegen hüpfen.

Wie die Frösche wieder nach Hause kommen, will ein Junge mit kindlicher Neugierde wissen. Der beschwerliche Weg sei derjenige von den Überwinterungsplätzen zum Gewässer, erklärt Haupt. «Die Weibchen tragen oftmals die etwas kleineren Männchen auf ihrem Rücken. Dadurch werden sie langsamer und schwerfällig.» Den Rückweg treten dann zahlenmässig weniger Tiere an. Sie sind nach dem Ablaichen flinker.

Die Wärmebildkamera nützt nicht viel

In der Unterführung des Baches sei eine Kamera angebracht worden, um die Anzahl Tiere zu erfassen, welche durch den Bach auf die andere Strassenseite kommen. Da es sich jedoch um wechselwarme Tiere handelt, ist es fast unmöglich, diese mit einer Wärmebildkamera zu erkennen. Somit konnte noch nicht festgelegt werden, wie viele Tiere tatsächlich durch diese Unterführung wandern. Das Beste laut dem Gugermöndliverein wären unterirdische Durchgangsrohre, welche es den Amphibien erlauben, sicher auf der anderen Seite der Strasse anzukommen. «Wie kann ich denn den Fröschen und Kröten helfen», will ein Schüler wissen. Albertine Haupt rät, sich beim Gugermöndliverein zu melden, um mitwirken zu können. Des Weiteren könne man sich bei der Gemeinde oder bei der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz der Schweiz im Internet unter www.karch.ch erkundigen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.