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Die Angst als treuer Begleiter: Ein Kurzfilm zeigt, was einen Extrem-Kanuten antreibt

Der Hünenberger Valentin Studerus hat einen Kurzfilm über Extrem-Kanute Fabio Gretener aus Sempach gedreht.

Tijana Nikolic
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Ein reissender Fluss fliesst ohne Erbarmen und zerrt alles mit, was sich ihm in den Weg stellt oder seine Strömungen gar reiten will. Mittendrin ein junger Mann, der seine Hand zu einem «Hangloose» formt, dass Zeichen für «cool» oder «locker» bei Surfern. Seine Mimik ist entspannt, es ist keine Spur von Angst zu sehen. Bei dem jungen Mann handelt es sich um den Sempacher Extrem-Kanusportler Fabio Gretener, der bereits erfolgreich Weltmeisterschaften der Wildwasserkanuten gemeistert hat. Er ist der Hauptprotagonist des neuen Kurzfilms «Kalkuliert – ein Extremsportler über Risiko und Angst», der von Valentin Studerus, Videograf und Filmproduzent aus Hünenberg, und Xenia Klaus aus Zürich gedreht wurde.

Die beiden versuchen, im Film der Frage nachzugehen, warum sich Gretener immer wieder mit seinem winzigen Plastikboot in dieses Wagnis mit so wenig Sinn und so viel Risiko stürzt. Ebenfalls erklärt der Extremsportler im Videoporträt, warum das Risiko für ihn Sinn macht und wann er doch auch mal Angst hat. Als Regisseurin agiert die freischaffende Journalistin Xenia Klaus. «Sie hat eine einfache und direkte Ausdrucksweise in ihren Texten, die ich sehr mag», so Studerus.

Gedreht wurde im Verzascatal

«Insgesamt waren wir acht Tage, die meisten davon im Tessin am Wildfluss Verzasca im Verzascatal, am Aufnehmen. Und einen Tag filmten wir bei Fabio zu Hause in Sempach», sagt der 24-jährige Studerus. Der grösste Aufwand habe aber die Postproduktion gemacht. Das Interview mit Fabio Gretener, welches im Film zu den Szenen eingespielt wird, sei in einem Tonstudio in Bern aufgenommen worden.

Valentin Studerus.

Valentin Studerus.

Bild: PD

«Schlussendlich wurden Ton und Kameraaufnahmen zusammengeschnitten. So wollten wir erreichen, dass es möglichst authentisch wirkt», erklärt Studerus, der Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich studiert hat. Über einen Zeitraum von zehn Monaten wurde der Film fertiggestellt.

Die Zusammenarbeit mit Gretener habe bereits 2017, als er online einen Videografen für ein paar Videos suchte, begonnen. «Wir trafen uns damals und erstellten ein Konzept mit Filmen, die wir zusammen machen wollten. Das Konzept beinhaltet Actionvideos wie auch eine Dokumentation», erinnert sich der Hünenberger. Es entstanden einige kurze Videos in Zusammenarbeit.

Mit zwölf Jahren die erste Digitalkamera

2018 hat Valentin Studerus mit einem Kollegen ein Filmprojekt realisieren wollen, das als Referenz für ihre Arbeit als selbstständige Videografen und Filmproduzenten dienen sollte. «Wir entschieden uns für ein Projekt mit Gretener. Leider stieg der Kollege wegen des grossen zeitlichen Aufwands aus dem Projekt aus. So begann die Zusammenarbeit mit Xenia Klaus», so der Filmemacher weiter. Filmvorführungen mit anschliessenden Vorträgen von Gretener über den Extremsport und von Studerus über die Entstehung des Films fanden vor der Coronakrise in Sursee, Zürich und Bern statt.

Der Extrem-Kanut Fabio Gretener verrät im Videoporträt unter anderem, warum er Risiken eingehe.

Der Extrem-Kanut Fabio Gretener verrät im Videoporträt unter anderem, warum er Risiken eingehe.

Bild_ PD

Studerus habe sich bereits mit zwölf Jahren selber eine Digitalkamera gekauft, mit der er und sein jüngerer Bruder zum Spass die Olympischen Spiele 2010 oder die Fernsehsendung «Sport aktuell» gedreht haben. Nebst seinem Studium in Zürich hat er 2014 angefangen, verschiedene Videoprojekte zu realisieren. «So kam es, dass ich erste Anfragen für Videos von Konzerten oder anderen Events bis hin zu Werbefilmen bekam, die dann immer mehr wurden», erinnert sich Studerus zurück. Filme aus eigener Motivation habe er bis dahin selten gemacht, was er ändern wollte.

Er hat Filmprojekte für den EVZ realisiert

«Als ich dann den Aftermovie der amerikanischen National Football League über den Super Bowl sah, wusste ich, dass ich einen solchen Film auch über meinen Lieblingsverein, den EVZ, machen möchte», sagt Valentin Studerus. Als der EVZ in der Saison 2017 ins Playoff-Finale kam, habe er den Verein kontaktiert und seine Idee erklärt. Daraufhin habe er eine Akkreditierung bekommen und konnte seine Idee umsetzen. Der Playoff-Aftermovie sei gut angekommen und so wurde Studerus vom EVZ für weitere Filmprojekte engagiert.

«Ich filmte beispielsweise das 50-Jahr-Jubiläum des Vereins, jedes Jahr die Playoffs sowie kleinere Projekte.»

Bis jetzt habe er nur Kurzfilme gedreht, da der Aufwand für einen Langfilm momentan noch zu gross sei. «In Zukunft würde ich mich aber gerne an einen Langfilm oder eine Serie wagen», sagt Valentin Studerus abschliessend.