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Karl Walker: «Die Ansprüche der Bürger sind gestiegen»

Karl Walker war 15 Jahre lang Kommandant der Zuger Polizei und hat die Fusion der Kantons- und Stadtpolizei als Projektleiter massgebend geprägt. Er verrät, warum er sich über die Anti-Wef-Demonstration in Zug ganz besonders gefreut hat.
Interview: Charly Keiser
Guter Überblick auf den Einsatzraum: Karl Walker auf dem Gubel – einer seiner Lieblingsplätze des Kantons. (Bild: Stefan Kaiser (6. Dezember 2018))

Guter Überblick auf den Einsatzraum: Karl Walker auf dem Gubel – einer seiner Lieblingsplätze des Kantons. (Bild: Stefan Kaiser (6. Dezember 2018))

Ende November ist Karl Walker (62) frühzeitig in Pension gegangen. Der bisherige Kommandant der Zuger Polizei war über 23 Jahren im Dienste des Kantons Zug und davon 15 als Polizeikommandant.

Karl Walker, mit welchen Gefühlen beenden Sie Ihr Arbeitsleben?

Ich habe mir dieses Vorgehen vor fünf Jahren zurechtgelegt – aber die Zeit verging sehr schnell. Es ist ein Teil Wehmut dabei, weil ich diese Arbeit sehr gerne gemacht habe und die Zuger Polizei zahlreiche Erfolge vorweisen konnte. Dem Abschied ging ein bewusstes Auseinandersetzen mit der nächsten Lebensphase voraus. Es war ein bewusster Prozess und ich freue mich auf das, was jetzt kommt.

Was kommt, auf was freuen Sie sich?

Meine Agenda war bislang von der Arbeit bestimmt und ich freue mich, dass ich künftig über meinen Zeitplan selber bestimmen kann. Und, dass ich mit meiner Partnerin zusammen die Welt bereisen kann.

Wohin genau führt die Reise?

Wir wollen ab Ende 2019 in einem Wohnmobil in rund vier Jahren alle Kontinente bereisen.

Was beschäftigt Sie bis dann?

Ich muss das Wohnmobil ausbauen und will mein Home-Office rigoros ausräumen und es von alten unnützen Sachen befreien. Zudem will ich meine Fitness verbessern, die unter der Fremdbestimmtheit in der Agenda etwas gelitten hat. Ich war nach der Arbeit oft zu müde, um den inneren Schweinehund noch überwinden zu können. Aber da habe ich schon Ziele für die nächsten Monate.

Was vermissen Sie an Ihrer Arbeit am meisten?

Mir werden die Kontakte zum Team fehlen. Habe ich doch einige Leute täglich und andere wöchentlich gesehen. Ich werde wohl ein neues Kontaktfeld entwickeln müssen – habe aber auch gerne Zeit für mich.

Während der Sie was am Liebsten tun?

Ich möchte vermehrt lesen und auch meine Sprachenfähigkeiten vertiefen.

Zurück zu Ihrer Arbeit. Wie hat sich die Polizei seit Ihrem Eintritt verändert und entwickelt? Was sind die Unterschiede von damals zu heute?

Zug hatte ein paar Tausend weniger Einwohner und Tausende weniger Autos. Wir hatten einige Aufgaben noch nicht, die die Polizei heute hat. So zum Beispiel: häusliche Gewalt, Forensik, Wirtschafts- und Cyberkriminalität. Die grösste Änderung war aber die Fusion der Kantons- und Stadtpolizei, bei der ich Projektleiter war. Es brauchte noch zwei, drei Jahre lang Konsolidierungs- und Optimierungsschritte. So hatten wir beispielsweise anfänglich ein Vierzugschichtmodell und heute ein Sechszugschichtmodell.

Das sich wie auswirkte?

An der Bereitschaft hat sich nichts geändert, hingegen aber die Arbeitsumstände der Mitarbeiter. Ich habe Wert darauf gelegt, die Kooperation mit den anderen Polizeikorps zu verstärken. Sei es im Bereich Verkehr, Kriminalität, Sicherheit und Hooliganismus. Denn der Polizeiauftrag kann nicht an der Kantonsgrenze endend, gut erfüllt werden. Darum habe ich versucht, in der interkantonalen Zusammenarbeit Akzente zu setzen.

Waren Sie damit erfolgreich?

Ja, ich glaube schon. Ich habe viel in das Konkordat investiert und wir haben viel erreicht. So haben wir das Konkordat erneuert und die Zusammenarbeit rechtlich definiert. Wir haben in der Zentralschweiz gemeinsam eine Neuuniformierung und Bewaffnung realisiert. Wir haben zudem je einen technischen Leiter Ordnungsdienst und Intervention geschaffen, die für das ganze Konkordat die fachliche Aus- und Weitebildung sicherstellen, damit wir grenzübergreifend interoperabel sind. Ich war auch in der Spurgruppe, die für die heutige Polizeiausbildung in Hitzkirch verantwortlich ist, indem sie die entsprechenden Regierungsratsbeschlüsse und Konzepte im Vorfeld erarbeitet hat. Zudem bin ich auch mitverantwortlich, dass schweizweit eine Harmonisierung der Polizeiinformatik und Technik erreicht werden konnte.

Mit was für Vorteilen?

Ich habe immer versucht, den Sicherheitsverbund praktisch zu leben. Auch mit den Partnern in Zug, also den Feuerwehren, der Sanität, dem Zivilschutz – aber auch den Gemeinden.

Ist die Polizeiarbeit umfangreicher und komplizierter geworden?

Sie ist rechtlich und administrativ aufwendiger geworden. Dies wegen der Revision des Strafgesetzbuches. Diese brachte eine Formalisierung der Untersuchungen, was eine erhöhte Schriftlichkeit und eine zeitliche Ausdehnung brachte. Die interkantonale und internationale Rechtshilfe wurde ausgebaut und die Ansprüche der Bürger und Politiker sind gestiegen.

Wie stehen Sie zur Aufhebung kleiner Polizeidienststellen?

Wir mussten Sparvorschläge machen. Die Schliessung kleiner Polizeidienststellen betrifft uns taktisch und sicherheitsmässig am wenigsten und die vier Standorte, um die es ging, brauchen 16 Leute. Die Zuger Zeitung wäre womöglich auch nicht wirtschaftlich, wenn sie in jeder Region eine Filiale haben müsste. Doch nun ist politisch entschieden worden und wir dürfen stolz sein, dass man unsere Leute in den Gemeinden will. Geht es aber wieder einmal ums Sparen, ohne Wirkung zu verlieren, ist die Zusammenführung der Kleinststellen eine ernsthaft bleibende Option.

Was ist spontan Ihr schönstes Erlebnis?

Ich hatte viele schöne Erlebnisse. Aber, dass die Anti-Wef-Demonstranten in Zug keinen Franken Schaden anrichten konnten, hat mich innerlich enorm gefreut. Denn in den Vorjahren gab es ja immer Hunderttausende Franken Sachschaden. Toll war auch, dass gegen 70 Strafbefehle ausgestellt wurden und ihnen damit ihre Verfehlungen bewiesen werden konnten.

Und was war ihr traurigstes Erlebnis als Kommandant?

Der Tod von vier aktiven Mitarbeitern hat mich am meisten betroffen. Das war sehr einschneidend.

Wie gingen Sie mit tragischen Ereignissen im Dienst um?

Der Grundsatz ist: Je näher man die Leute kennt, um so belastender ist es. Die Ereignisse nehmen die Mitarbeiter mit nach Hause und es ist wichtig, dass wir im Team darüber sprechen. Mir war es wichtig, dass unsere Leute nicht abstumpfen, sich keine Hornhaut auf ihrer Seele bildet und sie empathisch bleiben.

Wie wünschten Sie sich Ihren Abschied?

Mein Wunsch war eine geordnete Übergabe. Ich gebe zu, dass es mich sehr freut, dass mit Thomas Armbruster ein Nachfolger aus dem Kommandodiese Verantwortung übernehmen darf.

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