Die Baarer Kunstradfahrerinnen sind voller Vorfreude auf die grösste Bühne

Das Baarer Kunstrad-Quartett steht vor dem Karrierehöhepunkt. Welches Ziel verfolgen die Fahrerinnen bei der Heim-Weltmeisterschaft?

Michael Wyss
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Vanessa Hotz, Saskia Grob, Stefanie Moos und Elena Fischer (von vorne links im Uhrzeigersinn) werden erstmals zu einer WM starten.

Vanessa Hotz, Saskia Grob, Stefanie Moos und Elena Fischer (von vorne links im Uhrzeigersinn) werden erstmals zu einer WM starten.

Jakob Ineichen (Baar, 29. November 2019)

Ab kommendem Freitag kämpfen die Athletinnen und Athleten im Kunstradfahren und Radball an der Weltmeisterschaft um Medaillen. Am Start ist auch erstmals überhaupt die Elite-Vierer-Mannschaft der Kunstradfahrerinnen aus Baar. Stefanie Moos, Vanessa Hotz, Saskia Grob und Elena Fischer sicherten sich kürzlich an der Schweizer Meisterschaft mit dem Gewinn der Goldmedaille den Startplatz an der Weltmeisterschaft. «Das ist natürlich ein Highlight für uns alle. Wir wollen das Erlebnis WM einfach geniessen und gute Leistungen vor unserem Heimpublikum zeigen», sagt Stefanie Moos (22), die in Baar aufgewachsen und wohnhaft ist.

Im ständigen Wettkampf mit den Nachbarn

Die Titelkämpfe werden vom Freitag, 6. Dezember, bis zum Sonntag, 8. Dezember, in der St. Jakobshalle in Basel ausgetragen. Für die Schweiz sind 15 Athletinnen und Athleten im Kunstradfahren und Radball am Start. In der Hierarchie des Hallenradsports (der Sammelbegriff für Kunstradfahren und Radball) kämpfen die Schweizer mit den Österreichern um Platz 2. Unangefochtener Leader ist Deutschland. Im Kunstradfahren gibt es Kategorien für Solisten, Duos, Quartette und Sextette. Die Fahrfläche ist bei internationalen Wettkämpfen 14 Meter lang und 11 Meter breit. Die Vortragsdauer beläuft sich auf maximal 5 Minuten. Eine Kür umfasst 25 Übungen, jede Übung wird ihrem Schwierigkeitsgrad entsprechend mit einer Basispunktzahl versehen. Diese Ziffer wird von den Wertungsrichtern in das Urteil einbezogen. Die Wahl der Begleitmusik ist den Teilnehmern überlassen.

Im Radball wird mit einem 600 Gramm schweren Ball in Mannschaften auf Tore gespielt. Jeder Spieler sitzt auf einem ­speziellen Velo, befördert wird der Ball in der Regel mit dem Vorderrad. In der populärsten Radball-Variante besteht eine Equipe aus zwei Spielern. Eine Zweier-Radball-Partie dauert zweimal 7 Minuten. Wer sich im eigenen Strafraum aufhält, was pro Team stets nur einem Spieler erlaubt ist, darf den Ball mit den Händen fangen. Ansonsten darf nur spielen, wer die Hände am Lenker und die Füsse auf den Pedalen hat.

Die Primarlehrerin – sie unterrichtet in Hünenberg – musste um den Start bangen: Sie litt an einer Lungenentzündung, was auch der Grund für die Ab­sage des Teams für den in Baar durchgeführten Nationencup am vorletzten Wochenende war. «Es ist unsere erste Weltmeisterschaftsteilnahme. Wenn wir an die guten und konstanten Leistungen der Saison anknüpfen können, wird auch das Ergebnis positiv sein», ist Vanessa Hotz (22) überzeugt. Die Baarerin studiert an der Universität Zürich ­Veterinärmedizin. Liebäugelt die Mannschaft mit einer Medaille? «Das muss immer das Ziel sein. Entscheidend ist, dass wir am Tag X bereit sind und unsere Stärken abrufen können. Wir wollen an die jüngsten konstant guten Leistungen anknüpfen. Gelingt uns dies, ist vieles möglich», führt Hotz aus.

An Erfahrung mangelt es im Team nicht, denn die vier jungen Frauen fahren zwischen neun und zwölf Jahren Kunstrad und gewannen diverse Medaillen im Nachwuchs bei Schweizer Meisterschaften und auch bei Europameisterschaften.

Hohe Anforderungen an die Fahrerinnen

Auch für Saskia Grob (22) aus Allenwinden wird der Grossanlass ein Höhepunkt in ihrer Karriere darstellen: «In der Schweiz für die Schweiz zu starten, ist ein Traum. Alles, was wir zusätzlich erreichen, ist Zugabe», sagt die Medizinstudentin. Was fasziniert die Baarerinnen an dieser Sportart? Elena Fischer (23), die in der Stadt Luzern aufgewachsen und wohnhaft ist, sagt: «Das Zusammenspiel von Akrobatik, Gleichgewicht, Ausdauer, mentaler Herausforderung und Koordination ist die ganz grosse Herausforderung. Auf dem Velo als Team zu funktionieren, ist sicher das Reizvolle.»

Und die Ziele für die WM? Die Polygrafin Fischer formuliert diese offen: «Wir wollen eine Kür zeigen, die uns zufriedenstellt.» Trainiert wird die Baarer Equipe von Claudia von Rotz, Patricia Kottmann (sie ist auch Nationaltrainerin) und Eliana Thalmann.

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