«Die Berufsbildung muss gestärkt werden, auch finanziell»

Esther Haas von den Grünen kandidiert für den Nationalrat

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Die Chamerin Esther Haas* will nach Bern und kandidiert für den Nationalrat.

Esther Haas, weshalb haben Sie sich für eine Kandidatur als Nationalrätin entschieden?

Esther Haas: Für uns Menschen ist die Bildung die wertvollste Ressource und unser zentrales Kapital. Unser Bildungssystem mit Berufslehre und Kantonsschule, Fachhochschule und Uni/ETH sind weltweit unübertroffen. Auf diese Leistung sind wir zu Recht stolz. Aber wir laufen Gefahr, diese Errungenschaft zu verlieren. Sparpakete werden geschnürt, zu einem grossen Teil zu Lasten der Bildung. Dagegen will ich mich wehren. Im Nationalrat braucht es Leute, die konsequent für Bildungsanliegen kämpfen. Gut gebildete Menschen sind zudem in der Regel Beitragszahlende statt Konsumenten der Sozialwerke. Sie werden auch weniger arbeitslos. Diese Qualität müssen wir erhalten beziehungsweise ausbauen. Deshalb kandidiere ich auf der Liste der Alternativen die Grünen für eine starke Bildung.

Was sind Ihre drei wichtigsten Themen, für die Sie sich im Nationalrat einsetzen würden?

Haas: Eine starke Bildung umfasst nicht nur Bildungspolitik, sondern auch Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik. Die Masseneinwanderungsinitiative verschärfte den Fachkräftemangel noch zusätzlich. Der Wirtschaft fehlen vor allem im Mint-Bereich Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker. Die höhere Berufsbildung muss gestärkt werden, auch finanziell. Sparmassnahmen sind hier fehl am Platz. Soziale Ungleichheiten sind ein wichtiger Faktor, dass nicht alle die gleichen Chancen auf Bildung haben. Im europäischen Vergleich ist die Bildungsungleichheit in der Schweiz relativ ausgeprägt; viele Kinder können das Recht auf Bildung nicht verwirklichen, weil die Eltern sie in schulischen Angelegenheiten nicht unterstützen können. Weil ich mich für eine starke Bildung einsetzen will, sind für mich sozialpolitische Themen sehr wichtig. Denn: Je früher in die Bildung der Kinder investiert wird also noch vor ihrer Einschulung –, desto besser sind ihre Zukunftsaussichten.

Zug stellt drei Nationalräte, und alle kandidieren wieder. Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchancen?

Haas: Vor vier Jahren ging der linke Zuger Sitz in Bern knapp verloren. Ich will meinen Beitrag leisten, diesen Sitz wieder zurückzuerobern. Die Alternative-die Grünen verfügen über drei starke Listen. Als Berufsschullehrerin weiss ich das grosse Potenzial der Jugend einzuschätzen. So sehe ich grosse Chancen für unsere jungen Kandidaten, beispielsweise die Kantonsräte Andreas Lustenberger und Anastas Odermatt. Meine Chancen sind geringer.

Weshalb sollen die Zuger ausgerechnet Sie wählen?

Haas: Das Engagement für eine starke Bildung, eine nachhaltige Sozialpolitik und für eine Wirtschaft, die den Menschen dient (und nicht umgekehrt), braucht unabhängige Parlamentarierinnen, die auch über die Parteigrenzen hinweg Lösungen finden.

Persönlich

* Esther Haas (59) ist Berufsfachschullehrerin und sitzt seit 2011 für die Alternative-die Grünen im Zuger Kantonsrat. Sie ist geschieden und hat vier Kinder.

Alle bisher erschienenen Interviews mit den Nationalratskandidaten gibt es unter www.zugerzeitung.ch/wahlen