Die Bürgerlichen machen die Musik

Neue-ZZ-Chefredaktor Christian Peter Meier zu den National- und Ständeratswahlen im Kanton Zug

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Meier (Bild: christian.meier@zugerzeitung.ch)

Meier (Bild: christian.meier@zugerzeitung.ch)

Selten waren Wahlen im Kanton Zug so vorhersehbar wie die gestrigen. Die derzeitigen Machtverhältnisse, aber auch geschickt geknüpfte Allianzen haben Überraschungen quasi ausgeschlossen. Solche gab es, wenn überhaupt, bloss im Kleinen. Die grosse Botschaft hingegen überrascht kein bisschen: Zug wird in Bern weiterhin von einem rein bürgerlichen Männerteam vertreten.

Und auch das Personal ist fast das gleiche wie bisher: Ständerat Joachim Eder (FDP) sowie die Nationalräte Thomas Aeschi (SVP) und Gerhard Pfister (CVP) schafften die Wiederwahl locker, während Nationalrat Bruno Pezzatti (FDP) den Sieg wie schon vor vier Jahren dank der Listenverbindung der Mitteparteien erlangte. Als Neuer nach Bern geht einzig der langjährige CVP-Finanzdirektor Peter Hegglin; er löst Parteikollege Peter Bieri im Stöckli ab und wurde mit einem Glanzresultat gewählt. Dass er schon bei seinem Einstieg in die nationale Politik sogar den ebenfalls beliebten Joachim Eder überflügeln konnte, ist eine der wenigen Randnotizen dieser Wahl.

Erwähnenswert ist überdies die Rolle der Grünliberalen Partei. So marginal deren Wähleranteil mit 3,6 Prozent vier Jahre nach ihrem Einstand schon wieder geworden ist, so wichtig war die Rolle der GLP innerhalb der bürgerlichen Listenverbindung. Hätten sich die Grünliberalen stattdessen mit dem linken Lager verbrüdert, wäre der dritte Sitz knapp an Hubert Schuler von der SP gegangen.

Apropos linkes Lager: Dieses hat zwar ziemlich genau den Wähleranteil von 2011 verteidigen können. Doch ist es zwischen der SP und den Grünen zu einem klaren Machtwechsel gekommen. Dabei wurden die Grünen regelrecht abgestraft – sicher auch, weil der Partei ein Spitzenkandidat vom Kaliber eines Josef Lang fehlte. Doch vor allen Dingen
hat ihr wohl der Sexskandal zugesetzt. Die SP hingegen kann sich als heimliche Wahlsiegerin fühlen, was ihr freilich wenig nützt. Denn in Bern machen weiterhin die Zuger Bürgerlichen die Musik – mit noch grösserer Legitimation als bisher.

Christian Peter Meier