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Die Burg Zug kriegt einen stählernen «Bluthund»

Der Kalte Krieg hat auch im Kanton Zug Spuren hinterlassen. «Bloodhound»-Lenkwaffen waren auf dem Gubel stationiert. Für seine Ausstellung ab Mitte Juni hat das Museum Burg Zug die Waffe als tonnenschweres Symbol in den eigenen Hof gehievt.

Zoe Gwerder
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Gut verpackt steht das Ungetüm auf dem Lastwagen vor der Burg Zug. Ein Ungetüm, welches Geschichte geschrieben hat. Eine Lenkwaffe der Fliegerabwehr aus den Zeiten des Kalten Krieges - eine «Bloodhound» (Bluthund), die auf dem Gubel oberhalb von Menzingen stationiert war.

Die heute entschärfte Waffe soll bei der neuen Ausstellung des Museums Burg Zug zum Kalten Krieg einen der Höhepunkte darstellen. Sie wird die Leute quasi in Empfang nehmen, denn sie soll im Hof der Burg ausgestellt werden. «Leider sind bei uns die Türen zu klein. Deshalb können wir sie nicht in die eigentliche Ausstellung integrieren», erklärt Museumsdirektor Marco Sigg. Er und sein Team warten nun gespannt auf die Platzierung des stählernen Bluthundes. Das Projekt kam dank der Zusammenarbeit mit der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zug zustande. Und Sigg ist begeistert, dass es nun tatsächlich so weit ist. Denn das Museum musste das nötige Geld für den Transport und die Leihgabe mittels Crowdfunding zusammenbringen. 11000 Franken waren nötig. Gar 12600 kamen in den 45 Tagen zusammen. «Wir möchten den Unterstützern danken», so Sigg. Viele hätten Geld gegeben, ohne auf eine Gegenleistung zu bestehen.

Pneukran lässt die Rakete fliegen

Währenddessen ist die «Bloodhound» von ihrer Verpackung befreit und bereit für ihren Flug – das Höchste der Gefühle für Schweizer «Bloodhounds», denn in der Schweiz wurde während der rund 30 Jahre, in denen sie einsatzbereit waren, nie eine abgefeuert. Bei der Burg wird die Rakete mit dem Pneukran langsam angehoben, ausbalanciert und danach vorsichtig über die Burgmauer gehoben. Die ganze Konstruktion mit der Waffe und dem Gestell – auf diesem wird sie im Gubel gelagert – wiegt etwas weniger als eine Tonne. Die «Bloodhound» hat nun aber weder Treibstoff noch Sprengstoff geladen. Zu ihren Zeiten der Einsatzbereitschaft wog sie mehr als das Doppelte: fast zweieinhalb Tonnen. Auf der anderen Seite der Burgmauer wird das Ungetüm quasi entgegengenommen. Die Mitarbeiter der Transportfirma ziehen es mit ihren Seilen in Position, um es danach auf die vorbereiteten Platten zu stellen.

Die «Bloodhound», welche sonst auf dem Gubel gelagert wird, ist am Montag von einem Transportunternehmen nach Zug gefahren worden. Dort wurde sie mit Hilfe eines Pneukrans vorsichtig über die Burgmauer in den Hof der Burg Zug gehoben. (Bild: Zoe Gwerder (3. Juni 2019))

Die «Bloodhound», welche sonst auf dem Gubel gelagert wird, ist am Montag von einem Transportunternehmen nach Zug gefahren worden. Dort wurde sie mit Hilfe eines Pneukrans vorsichtig über die Burgmauer in den Hof der Burg Zug gehoben. (Bild: Zoe Gwerder (3. Juni 2019))

Museumsdirektor Sigg freut sich, dass es die Lenkwaffe nun bis in den Burghof geschafft hat: «Es ist für uns ein wirkmächtiges Symbol des Kalten Krieges. Schön, dass es geklappt hat.» Auf dem Gubel waren zwischen 1968 und 1999 jeweils 34 solche Waffen stationiert. Im Sommer 2000 wurden die noch existierenden Feuereinheiten unter Denkmalschutz gestellt. Gemäss der Stiftung ist es das weltweit einzige noch erhaltene Waffensystem dieses Typs.