Leserbrief

Die CO2-Zahlen von Easyjet stimmen so nicht

«Flugsteuern machen keinen Sinn», Ausgabe vom 20. November

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In der Schweiz beträgt der Anteil des Flugverkehrs an den CO2-Emissionen heute schon 14 Prozent (Jahr 2017, Quellen: BAZL, BAFU) und steigt weiter. Bei den anderen wichtigen CO2-Verursachern wie Privatverkehr und Gebäudeheizungen sind klimafreundlichere Technologien schon auf dem Vormarsch. Beim Flugverkehr ist dies in den nächsten zehn Jahren nicht absehbar. Die Flugindustrie wird sich dank des Drucks von Bevölkerung und Politik dieser Problematik zunehmend bewusst. Easyjet wagt deshalb nun eine Vorwärtsstrategie und zahlt neu jährlich 32 Millionen Franken an CO2-Kompensationen. Dies ist an sich durchaus zu begrüssen.

Doch stimmen die Zahlen? Ich rechnete nach: Im Jahr 2019 verbrauchte Easyjet gemäss Geschäftsbericht 3,1 Millionen Tonnen Kerosin, was einem Ausstoss von 9,8 Millionen Tonnen CO2 entspricht. Da Flugzeuge neben CO2 weitere Klimagase ausstossen, beträgt der Klimaeffekt das Zwei- bis Vierfache des reinen CO2-Ausstosses. Mit einem defensiv gewählten Faktor von 2 entspricht der Klimaeffekt somit 19,6 Millionen Tonnen CO2.

Die weltweit günstigsten CO2-Kompensationen kann man in Entwicklungsländern kaufen, wo damit beispielsweise Solaranlagen installiert werden. Die etablierten Kompensationsanbieter verlangen dafür 23 Euro pro Tonne CO2.

Multipliziere ich den Klimaeffekt von allen Easyjet-Flügen mit 23 Euro, erhalte ich einen Betrag von 495 Millionen Franken, also das Fünfzehnfache des kommunizierten Betrages. Von Klimaneutralität ist Easyjet noch weit entfernt.

André Ochsenbein, Cham