«Die Defizite im Fahrplan haben sich erst in der Praxis gezeigt»

Auch in Neuheim wehrt sich die Bevölkerung gegen eine Änderung im öffentlichen Verkehr.

Raphael Biermayr
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Auch in der kleinsten Zuger Gemeinde wehren sich Bürger gegen eine Angebotsänderung im öffentlichen Verkehr. Im Gegensatz zu Walchwil allerdings nicht gegen eine zukünftige, sondern eine bereits erfolgte. Denn seit dem vergangenen Dezember verkehren nach 8.04 Uhr und vor 16.34 Uhr keine Busse der Linie 31 mehr von und nach Sihlbrugg. Damit werden die Haltestellen Tal und Sarbach, also auch das Industriegebiet, links liegen gelassen.

Anwohner haben mittlerweile bei der Gemeinde eine Petition eingereicht. Darin erwähnen sie auch, dass die meisten Anschlüsse nach Zürich verpasst würden. Über 250 Unterschriften sind zusammengekommen. Rund die Hälfte davon stammt von Angestellten der Bucher AG, die grösstenteils auswärts wohnen. Ob tatsächlich so viele Mitarbeiter auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, konnte unsere Zeitung nicht herausfinden. Die Firma wollte sich nicht dazu äussern.

Der Gemeinderat kämpft auch für eine Verbindung nach Edlibach

Dabei war die Rede von einem Ausbau des Angebots nach Baar. Das war durch die neu geschaffene Buslinie 32 tatsächlich der Fall, allerdings nur über den Baarburgrank. Hat der Gemeinderat das Bedürfnis unterschätzt, als es darum ging, die Änderungen für den vergangenen Fahrplanwechsel beim Kanton zu deponieren? «Das haben wir nicht», hält der zuständige Gemeinderat Roger Bosshart (FDP) fest. «Die Defizite im Fahrplan haben sich erst jetzt in der Praxis gezeigt.» Der Gemeinderat sei dem Kanton dankbar für die Buslinie 32. «Das ist ein Highlight, denn als kleinste Berggemeinde kommen unsere Wünsche meist später zum Zuge.» Der Wunsch des Gemeinderats für die nächste Fahrplanänderung lauten: Der 31er-Bus soll am Nachmittag sowie am Samstag wieder (häufiger) fahren und damit auch die Anbindung an die Züge nach Luzern verbessert werden. Darüber hinaus wirbt man weiterhin für eine Verbindung nach Menzingen. Das Treffen mit dem zuständigen kantonalen Amt für Raum und Verkehr des Kantons Zug ist für den 5. Mai anberaumt. In den nächsten Wochen würden Roger Bosshart und die Abteilung Sicherheit, Infrastruktur und Verkehr das Gespräch mit den Petenten suchen, um diese über die weiteren Schritte zu informieren.

Bereits aktiv geworden ist der Neuheimer Kantonsrat Emil Schweizer (SVP). Er vermutet, der Gemeinderat hätte das Problem der gestrichenen 31er-Kurse «verschlafen». Am 10. Februar hat er im Kantonsparlament eine Kleine Anfrage zum Thema eingereicht. Deren Beantwortung durch den Regierungsrat steht noch aus. Mit seinem Partei- und Ratskollegen Karl Nussbaumer aus Menzingen plant er zudem, ein Postulat nachzureichen. Schweizers Absicht: Aufzuzeigen, dass nicht nur Neuheimer und dortige Angestellte die Busverbindung über die Sihlseite schätzen, «sondern auch Wanderer, die aus dem ganzen Kanton kommen». Kürzlich traf er sich mit einem Verantwortlichen der Busbetreiberin, der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB). Dieser habe ihm schlechte Nachrichten mitgegeben: «Eine Änderung ist frühestens auf den Fahrplanwechsel 2021/22 möglich. Dies, weil die Fahrpläne zwar jährlich überarbeitet werden, aber die Offerten betreffend Finanzierung seitens der ZVB an Gemeinden und Kanton nur alle zwei Jahre erfolgen», erklärt Schweizer.

Dennoch versuche er, eine frühere Änderung der Situation herbeizuführen. Seine Idee: Die 31er-Busse, die heute in Sihlbrugg enden, sollen die Haltestellen Tal und Sarbach bedienen, aber nicht ins Dorf fahren, sondern im Neuheimer Industriegebiet wenden. Bei der ZVB habe man ihm versichert, diese Möglichkeit zu prüfen. Emil Schweizer ist klar: «Für eine schnelle Verbesserung braucht es viel guten Willen vonseiten des Kantons.»