Die ehemalige Profitriathletin Céline Schärer aus Steinhausen sagt: «Ich bin dankbar für diese Zeit»

Céline Schärer ist im Dezember mit erst 29 Jahren als Profi zurückgetreten. Sie spricht von einer Erfahrung fürs Leben. Sie hat gelernt, sich nicht nur während der Wettkämpfe durchzubeissen.

Michael Wyss
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Céline Schärer (Mitte) gewinnt am 30. Juli 2017 den Ironman Switzerland in Zürich und qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Céline Schärer (Mitte) gewinnt am 30. Juli 2017 den Ironman Switzerland in Zürich und qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Pascal Mora/Keystone

Nach grossem Verletzungspech, unter anderem Knöchelbrüchen 2017 und 2018 sowie gesundheitlichen Problemen in der jüngsten Vergangenheit, war der Schritt zurück ins Leben als Profisportlerin für die Triathletin Céline Schärer nicht einfach. «Körperlich fühlte ich mich wieder fit, mental war es aber unglaublich schwer», blickt die 29-jährige Steinhauserin zurück. «Viele Sponsoren und langjährige Wegbegleiter gaben mich auf und glaubten nicht an ein Comeback. Dies verunsicherte mich sehr und führte zu einer finanziellen Ungewissheit», führt sie aus. Und so entschied sich Schärer nach acht Jahren als Profi zum Rücktritt per Ende 2019.

Was sie in Zukunft beruflich macht, weiss sie noch nicht. Die Zeit, die sie als Profisportlerin erleben durfte, möchte sie nicht missen: «Ich bin glücklich und dankbar für diese Zeit. Ich habe viele neue Menschen kennen lernen dürfen und neue Freundschaften geschlossen. Die Jahre als Profi waren für mich auch eine Art Lebensschule», sagte sie kürzlich auf Gran Canaria. Dorthin reist Schärer öfter, denn dort lebt ihr Freund.

Als Kind verschiedene Sportarten ausprobiert

Die Freude am Triathlon entdeckte sie in jungen Jahren. «Meine Schwester Steffi und mein Bruder Philippe waren meine Vorbilder. Sie betrieben viel Sport und als Jüngste wollte ich natürlich immer mitmachen. Mit sechs Jahren besuchte ich das Jugendtraining des Schwimmvereins Baar. Nebenbei ging ich einmal pro Woche zur Leichtathletik bei der Hochwacht Zug. Ich war schon immer polysportiv interessiert und wollte verschiedene Sportarten ausprobieren.» Zur gleichen Zeit war Schärer auch im Kunstturnen aktiv und leidenschaftliche Skifahrerin und Snowboarderin.

Schärer feierte einige Erfolge in ihrer Karriere. «Geblieben ist der Sieg am Ironman Switzerland 2017 in Zürich, wo ich mich für die Ironman Weltmeisterschaften in Hawaii qualifizieren konnte. Es war immer mein Traum, einmal in Hawaii bei den Besten zu starten», sagt sie. Schärer beendete das WM-Rennen auf Platz 23. Welche anderen Momente sind geblieben in der Karriere?

«Es gibt viele Rennen, die ich nicht vergessen werde. Am emotionalsten war, als ich beim Ironman Switzerland 2013, bei meinem ersten Ironman überhaupt, im Alter von 23 Jahren auf den zweiten Rang lief. Das war eine grosse Überraschung für mich.»

Trotzdem war es nicht leicht, als Triathletin zu leben. «Triathlon hat sicher dank der Erfolge einer Nicola Spirig oder Daniela Ryf an Popularität im Land gewonnen. Doch viele Sponsoren unterstützen die Besten. Das Gros, das sich im Mittelfeld bewegt, hat mehr Mühe, Geldgeber zu finden.» Schärer habe Glück gehabt und einige Unterstützer gefunden. Darüber hinaus sei sie dank der Preisgelder und Prämien über die Runden gekommen. «Die Leistungen, sprich Erfolge, mussten immer stimmen. Zudem konnten Verletzungen den Traum in kurzer Zeit beenden.»

Schärer wird natürlich weiterhin Sport treiben. Sie gehört dem Team Advantage Zug an. Dieses bringt Ausdauerathleten zum gemeinsamen Training zusammen. «Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten», sagt Céline Schärer.

TRIATHLON: Zugerin quält sich auf Hawaii

Sie quält sich dort, wo andere ihre Traumferien verbringen: Céline Schärer (27) aus Walchwil hat sich für den Ironman auf Hawaii qualifiziert. Dort steht der bislang grösste Wettkampf ihrer Karriere an.
Nadine Wyss