Die erste Feuerwehr-Offizierin ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Zug (FFZ) im Amt

Die 34-jährige Sarah Michalk ist mit Leib und Seele Feuerwehrfrau. Mit der Ernennung zur Offizierin übernimmt sie mehr Verantwortung in der Freiwilligen Feuerwehr Zug (FFZ).

Cornelia Bisch
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Sarah Michalk freut sich auf neue Herausforderungen als Feuerwehr-Offizierin.

Sarah Michalk freut sich auf neue Herausforderungen als Feuerwehr-Offizierin.

Bild: Matthias Jurt
(Zug, 26. Februar 2020)

Ganz überraschend sei die Beförderung zur Offizierin der Freiwilligen Feuerwehr Zug (FFZ) nicht gekommen, erzählt Sarah Michalk lachend. «Aber ich habe mich sehr darüber gefreut, und es ist natürlich eine Ehre für mich, die erste Frau zu sein.»

Man wird nicht einfach so Führungsperson der Feuerwehr. «Ich habe einen siebentägigen Offizierskurs absolviert.» Nun ist die 34-Jährige qualifiziert, bei Ernstfällen auf dem Schadenplatz Führungsaufgaben zu übernehmen. «Als Offizier führt man ein Team nach Anweisung des Einsatzleiters und hält ständig Rücksprache mit ihm. Man ist Auge und Ohr des Einsatzleiters», berichtet Michalk. Die Kommunikation laufe über Funk.

Die kaufmännische Angestellte im Finanzbereich ist vor allem nachts zwischen 18 Uhr und 6 Uhr im Einsatz. Jährlich leistet die FFZ rund 300 bis 400 Einsätze in der Stadt Zug als Gemeindefeuerwehr und im Kanton Zug als Stützpunktfeuerwehr. Sarah Michalk selbst rückt zirka 50-mal aus.

Mit Leidenschaft dabei

Sie sei eher zufällig zur FFZ gekommen, erzählt die junge Offizierin. An einem Infostand der Zuger Messe sei sie vor zehn Jahren auf die Feuerwehr aufmerksam geworden. «Ich dachte bei mir: Das könnte mir gefallen», erinnert sie sich. Kurz entschlossen habe sie die nächste Übung besucht und sei begeistert gewesen. «Seit 2011 bin ich ‹AdF›, Angehörige der Feuerwehr.» Zur Aufnahme seien ein Gesundheitscheck und eine gute körperliche Fitness, jedoch keinerlei fachliche Vorkenntnisse nötig.

Seit damals hat Sarah Michalk ihr Aufgabengebiet stetig erweitert. Sie ist Mitglied des Rettungskorps, das fürs Löschen, Retten und die Wasserwehr zuständig ist. Daneben eignete sie sich Spezialkenntnisse an und arbeitet in den Formationen Atemschutz, Chemiewehr, im technischen Zug, der Strassenrettung und als Korps-Motorfahrerin mit. Darüber hinaus ist sie die Chefin der Jugendfeuerwehr. «Diese besteht aus zirka 20 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die an 11 Übungen pro Jahr teilnehmen.» Dies sei reine Freizeitbeschäftigung und Weiterbildung für die Jugendlichen. «Sie leisten keine Ernsteinsätze.» Aber die Feuerwehr hoffe natürlich, dass der eine oder die andere anschliessend aktives Mitglied werde.

Mangelnde Körperkraft ist kein Hindernis

Als Frau habe sie sich nie in irgend einer Form benachteiligt gefühlt. «Ich wurde sehr gut aufgenommen, immer respektiert und nie anders behandelt als die Männer.» Dass noch immer nur zehn Prozent der 138 Mitglieder der FFZ Frauen sind, liegt ihrer Meinung nach in der Tradition begründet. «In den Köpfen vieler Frauen steckt noch das Vorurteil, das sei reine Männersache. Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass sie sich auch dafür interessieren könnten.» Das Argument, körperlich nicht kräftig genug zu sein, hört Michalk oft von Frauen. Dem versucht sie, entgegenzuwirken. «Mangelnde Körperkraft ist kein Problem. Es sind auch nicht alle Männer 1,90 gross und muskelbepackt», relativiert sie. «Wir arbeiten ja immer im Team und lösen die Aufgaben gemeinsam.» Ausserdem müsse nicht jeder an vorderster Front mitarbeiten. «Man kann zum Beispiel als Motorfahrerin tätig sein.»

Bei sehr grossen Einsätzen stosse sie bisweilen an ihre körperlichen Grenzen, räumt sie ein. «Aber das geht allen so. Es ist wichtig, dass man sich das dann auch eingesteht und das Team informiert. Es sind immer genug Kollegen da, die übernehmen.» Das Ausloten der eigenen Grenzen ist für Sarah Michalk denn auch etwas, was ihr an der Arbeit als Feuerwehrfrau besonders gefällt. Ihre grösste Motivation ist jedoch, die Gewissheit zu haben, in der Not helfen zu können und nicht einfach nur hilflos zuschauen zu müssen. «Auch die Kameradschaft ist mir sehr wichtig. Ausserdem ist die Arbeit in der Feuerwehr für mich ein guter Ausgleich zur Büroarbeit.»

Partner muss Verständnis haben

Angst hat die junge Frau nie. «Wir erlangen durch die Übungen Sicherheit und vertrauen auf die Erfahrung der Einsatzleiter, die eine Gefahrensituation bestens einschätzen können. Die Sicherheit der eigenen Leute geht immer vor.»

Ihr Ehemann, der kein Angehöriger der Feuerwehr ist, leide nicht unter ihrem Engagement. «Der Partner muss einem schon unterstützen und darf sich nicht darüber aufregen, wenn man halt mal von einem Abendessen weg zu einem Einsatz fahren muss.» Es sei eine intensive Freizeitbeschäftigung. Trotzdem habe auch noch anderes daneben Platz.

Wer sich für die Feuerwehr interessiert, darf jederzeit eine Übung besuchen. «Dabei bekommt man einen guten Einblick in die Arbeit der Feuerwehr», betont Sarah Michalk. Auf Facebook oder über die Website der FFZ kann man sich informieren und auch gleich anmelden. «Ich würde mich sehr über etwas mehr weibliche Unterstützung freuen.»

Infos unter www.ffz.ch