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Jetzt sind die Fischretter in Zug unterwegs

Wegen des tiefen Sauerstoffgehalts in kleinen Bächen, findet im Sommer zeitweise ein Notabfischen statt. Am Donnerstagmorgen wurden Bachforellen und Groppen aus dem Lissibach gefischt und in die alte Lorze umgesiedelt.
Vanessa Varisco
Fischereiaufseher Felix Ammann beim Notabfischen. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 26. Juli 2018))

Fischereiaufseher Felix Ammann beim Notabfischen. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 26. Juli 2018))

Drei Männer und ein Heranwachsender sind am Donnerstagmorgen mit Gummistiefeln, Handschuhen und Netzen im Einsatz für die Zuger Fische. Nach einer kurzen Besprechung steigen sie in den Lissibach und kämpfen sich bachaufwärts. Rund zwei Stunden dauert ihre Tour. Der Wasserstand ist sehr niedrig, an gewissen Stellen ist der Bach lediglich noch ein kleines Rinnsal.

Neben dem tiefen Pegel ist aber vor allem der geringe Sauerstoffgehalt des warmen Wassers ein grosses Problem für die Fische. «Ab 24 Grad Wassertemperatur wird es kritisch, alles darüber ist tödlich für die hier vorkommenden Fischarten», sagt Walter Amstalden. Er hilft Felix Ammann, Jagd- und Fischereiaufseher des Amts für Wald und Wild, seit langer Zeit beim Notabfischen. Das Fischsterben wegen zu hoher Temperatur geschieht nicht schleichend, sondern oftmals auf einen Schlag. «Für die Fische ist das eine Katastrophe. Wirklich keine schöne Situation», so Walter Amstalden weiter. «Und daher ist es nötig, die Fische in sauerstoffreichere und kühlere Gewässer umzusiedeln.»

«Für die Fische sind die seichten Becken wie ein Gefängnis»

Der Lissibach schlängelt sich langsam durch das kleine Tal. Umgeben ist er von dichtem Gehölz, Stauden und Sträuchern, um die Köpfe der Männer schwirren Mücken. «Aufgrund der Beschattung ist das Wasser hier noch nicht allzu warm», sagt Walter Amstalden. «Die Gefahr lauert hier tatsächlich im tiefen Wasserstand. «Für die Fische sind die seichten Becken wie ein Gefängnis, sinkt der Pegel weiter, verenden sie.»

Aufgrund des tiefen Pegelstandes und des Sauerstoffmangels muss der Lissibach notabgefischt werden. Fischereiaufseher Felix Ammann wird dabei tatkräftig unterstützt von Walter Amstalden (Mitte) und dessen Enkel Yannick (rechts). (Bild: Werner Schelbert (26. Juli 2018))

Aufgrund des tiefen Pegelstandes und des Sauerstoffmangels muss der Lissibach notabgefischt werden. Fischereiaufseher Felix Ammann wird dabei tatkräftig unterstützt von Walter Amstalden (Mitte) und dessen Enkel Yannick (rechts). (Bild: Werner Schelbert (26. Juli 2018))

Gefischt wird mit einem Elektrofanggerät. Felix Ammann trägt den brummenden Motor des Stromerzeugers auf dem Rücken und hält den Kescherring an einem langen Stab in den seichten Lissibach. Mit Blick ins Wasser und stets bereit, die Tiere einzufangen, schreitet er voran. Wegen des Stromimpulses schwimmen die Fische aus ihren Verstecken, zappeln leicht betäubt an der Oberfläche, werden eingefangen und in einen Eimer überführt. Da oftmals mehr als nur ein Fisch zum Vorschein kommt, helfen Walter Amstalden und dessen Enkel Yannick fleissig mit und fischen mit herkömmlichen Keschern. Mit dieser Methode erwischen die Fischretter 80-90 Prozent der Bachforellen, Groppen und Alet. «Jene, die wir nicht entdecken, sind unter den Steinen stecken geblieben», vermutet Felix Ammann. Ab und an springt den Männern auch ein Frosch oder eine Kröte entgegen. Schritt um Schritt folgen sie weiter dem Wasserlauf und fangen so manchen zuckenden Fisch.

Im Eimer sind die Fische dann ruhig

Im Eimer dann verhalten sich die Fische ruhig, beinahe regungslos. Daher werden sie von einem weiteren Helfer kurz darauf in einen grossen Trog geschüttet, welcher mit Sauerstoff angereichert wird. Dort scheinen die Tiere zu neuem Leben zu erwachen und jagen quicklebendig durchs Wasser. Anschliessend werden sie zur alten Lorze transportiert und dort in das sauerstoffreichere Gewässer entlassen. Wie lange die Bedingungen dort noch optimal sind, ist unklar.

«Jene, die wir nicht entdecken, sind unter den Steinen stecken geblieben.»

Felix Ammann, Jagd- und Fischereiaufseher

Aufgrund der Trockenheit und der Sonneneinstrahlung ist die Situation für viele Fische im Kanton prekär. Die Wasserstände sind überall niedrig, sogar die Lorze führt wenig Wasser, da sie vom Ägerisee gespeist wird, dessen Pegelstand ebenfalls sinkt. Selbst in den zwei Stunden, in denen die Männer bei der Arbeit sind, sinkt der Wasserstand im Lissibach merklich. «Es ist möglich, dass wir die umgesiedelten Fische später aus der alten Lorze erneut abfischen müssen», erklärt Walter Amstalden und führt weiter aus, «nichts zu machen und dadurch die Fische im Lissibach sterben zu lassen, ist allerdings die schlechteste Option.»

Die letzten Jahre sei die Situation für die Fische nie mehr so verheerend gewesen, berichtet Felix Ammann. Damit die Situation nachhaltig besser wird, reicht ein Gewitter nicht aus. So würden die Bäche zwar kurzzeitig anschwellen, doch wäre dies nicht nachhaltig, weiss Walter Amstalden. Vielmehr brauche es zwei bis drei Tage Landregen. Und bis das geschieht, wird weiter das Notabfischen durchgeführt, um das Leben der Fische zu retten.

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