Die Fitnesscenter im Kanton Zug haben wieder offen - Körperkontakt wird weiterhin vermieden

Diese Woche haben die Fitnesscenter wieder geöffnet. Ein Blick in ein Steinhauser Studio zeigt, was sich geändert hat.

Vanessa Varisco
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Die beiden Fitnesstrainer Pieter Smeets (links, blaues Shirt) und Trainer Lino Cerletti leiten einen Kurs im Fitnesscenter Athletic Performance in Steinhausen.

Die beiden Fitnesstrainer Pieter Smeets (links, blaues Shirt) und Trainer Lino Cerletti leiten einen Kurs im Fitnesscenter Athletic Performance in Steinhausen.

Bild: Matthias Jurt (13. Mai 2020)

Endlich! Viele Sportbegeisterte dürften euphorisch geworden sein, als die Fitnessstudios diese Woche wieder geöffnet haben. So auch die fünf Kunden in der Athletic Performance Halle von Pieter Smeets (41). Das Studio in Steinhausen hat sich dem Functional Training, einer Mischung aus Eigenkörpergewichtsübungen, Kraft- und Kardiotraining, verschrieben. Obwohl sie wieder in der vertrauten Umgebung trainieren, ist einiges anders. Denn statt dicht nebeneinander Sport zu treiben, ist jeder in seiner Zone. Sie ist markiert durch Seile am Boden oder Klebeband. Gleichzeitig erhält jeder eine eigene Gymnastikmatte und eine Flasche Desinfektionsspray, um die benutzten Geräte zu reinigen. Geschwitzt und trainiert wird aber nichtsdestotrotz ordentlich. Nach einer Aufwärmeinheit teilt Smeets die Gruppe für die Kraftübungen auf. «Das Entscheidende in der aktuellen Lage ist, den Abstand zu wahren», beschreibt der an der ETH ausgebildete Sportlehrer eine der Veränderungen aufgrund der Coronamassnahmen im Studio. Auf den 200 Quadratmetern Trainingsfläche dürfen sich maximal acht Leute aufhalten.

Ein Blick in die Räumlichkeiten zeigt: Distanzhalten klappt. Jeder hebt die Hanteln in seinem Bereich, niemand verlässt seine Zone. Pieter Smeets, der eine Plexiglasmaske über seinem Gesicht trägt, korrigiert die Sportler aus der Distanz. «Normalerweise würde ich auf sie zugehen und sie eins zu eins aus der Nähe unterstützen», erläutert er. Doch das ist in dieser Zeit nicht möglich. Trainiert wird vorwiegend in kleinen Gruppen: «Small Group Personal Trainings» nennt es Smeets.

Schutzkonzepte werden gut umgesetzt

Auch die grossen Fitnesscenter im Kanton Zug haben Anfang Woche ihre Türen wieder geöffnet. Der Andrang war aber verhalten, wie die angefragten Center Auskunft geben. Sandro Villiger, Clubmanager im ONE Training Center Baar, führt aus: «Wie es scheint, sind die Gäste zur Wiedereröffnung noch etwas zurückhaltend, durchaus verständlich.» Im ONE dürften gleichzeitig 120 Menschen trainieren, zu Spitzenzeiten seien es am Montag 40 gewesen. Ähnlich klingt es in der Eichstätte in Zug. Überrannt worden sei man nicht, gibt Leiter Andreas Landolt Auskunft. Wie sieht es im Indigo Zug aus? Wie Clubmanager Sebastian Wohlfarth erläutert, sei die maximale Anzahl Mitglieder auch ausserhalb der Coronamassnahmen limitiert. «Wir planen deshalb und hatten einen normalen Ablauf am Montag. Der Andrang war dennoch spürbar geringer als üblich, sodass es sehr sicher war bei uns zu trainieren», führt er aus. An Herausforderungen haben, die drei Center alle die gleichen zu meistern: Es gilt die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) einzuhalten. «Mit einem entsprechenden Schutzkonzept haben wir uns minutiös auf die Öffnung vorbereitet, denn die Sicherheit steht an oberster Stelle», so Sandro Villiger. Um die Distanz zu gewährleisten, wurden deshalb sowohl im ONE als auch im Fitnesspark Eichstätte Geräte und Trainingsplätze abgesperrt, zudem werden die Geräte nach Benutzung durch die Mitglieder und Mitarbeiter desinfiziert. Keine Engpässe Im Indigo hat man sich dazu entschieden, jedem Mitglied eine mündliche und exakte Einweisung zu geben, welche konkreten Massnahmen man nun von den Mitgliedern erwartet. «Das hat bei uns sehr gut funktioniert», erläutert Sebastian Wohlfarth. Dafür brauche es zwar mehr Personal, doch es sei wichtig, ein «klar definiertes, sicheres Umfeld zu schaffen, ohne dabei Polizei spielen zu müssen.» Im Fitnesspark, im ONE und Indigo bleiben die Wellnessbereiche bis auf weiteres geschlossen. Obwohl einige Massnahmen getroffen werden mussten, läuft es aber bis dato gut, wie alle drei Clubmanager betonen. «Kundinnen und Kunden jeglichen Alters fühlen sich sicher, es gab viele positive Rückmeldungen am ersten Tag», versichert Andreas Landolt. Engpässe gab es keine, der Betrieb läuft reibungslos. «Die Leute gehen rücksichtsvoll miteinander um und richten sich ihre Trainingszeiten so ein, um Stosszeiten zu vermeiden», ergänzt Sandro Villiger. Auch Wohlfarth zeigt sich zufrieden. «Es ist immer schwer, abzusehen, wie die Planung auf dem Papier umgesetzt wird», findet er. Geklappt habe es allerdings gut.

Im Steinhauser Studio kennt man sich

Dennoch: Der Personal Trainer freut sich, seine Kunden wieder vor Ort trainieren zu dürfen. Während des Lockdowns gab es nämlich nur Trainings per Videochat und Onlineprogramme. In nächster Zeit sei das Studio aber wieder gut ausgelastet. Wer bei Athletic Performance trainieren will, muss nämlich via App einen Termin buchen – auch ausserhalb von Coronazeiten, sowohl für Einzel- als auch Gruppentrainings. «So kann verhindert werden, dass sich mehr Leute als erlaubt hier aufhalten.» Mit 300 Quadratmetern Gesamtfläche ist das Studio vergleichsweise klein. «Das ist sicher eine Herausforderung, hat aber auch grosse Vorteile», ist er überzeugt. Denn: «Wir Trainer kennen unsere Kunden.» So habe etwa ein Kunde, ein Pharmakologe, dabei mitgeholfen, das Schutzkonzept entsprechend umzusetzen. «Was in einem grossen Studio wohl nicht passieren würde. Wir sind weniger ein Center, vielmehr eine Boutique», formuliert es Smeets. Die Kunden haben entsprechend das Vertrauen, dass das Studio ein sicherer Ort ist. «Die Motivation ist da, zweifellos», ist der Trainer überzeugt. Anfangs habe er zwar befürchtet, dass die Leute sich wegen der aktuellen Lage nicht gleich wieder her trauen würden. Letztlich habe sich das glücklicherweise nicht bewahrheitet.

Vertrauensbeweis der Kunden

Was auch an beschriebenem Morgen deutlich wird: Die fünf Trainierenden geben Gas, immer unter Aufsicht von Smeets. Auch das Alter stellt keine Barriere dar: Grundsätzlich trainieren hier Menschen zwischen 25 und 88 Jahren. «Und der Älteste hat sofort beschlossen, dass er wieder ins Training kommen möchte. Das ist für mich sehr wertvoll und ein Vertrauensbeweis», findet sich Smeets. Bis man sich an die Massnahmen gewöhnt hat, dauert es wohl noch eine Weile. Am meisten freuen sich die Trainierenden aber wohl darauf, sich am Ende eines anstrengenden Trainings wieder mit einem Handschlag abklatschen zu können. An jenem Morgen geschieht das nämlich nur in der Luft und mit zwei Metern Sicherheitsabstand.