Die Frauengemeinschaft Cham wird 100 Jahre alt

Die Frauengemeinschaft Cham feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag und erinnert sich an viele Sternstunden. Seit der Gründung vor einem Jahrhundert hat sich einiges getan.

Vanessa Varisco
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Die Frauen vom aktuellen Vorstand: Patricia Frison Schnurrenberger, Claudia Braun-Aregger, Margit Conrad, Susanne Staub, Petra Behrend, Monika Elsener ((von links) Es fehlen: Margrit Baumgartner und Nicole Indra. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 19. März 2019)

Die Frauen vom aktuellen Vorstand: Patricia Frison Schnurrenberger, Claudia Braun-Aregger, Margit Conrad, Susanne Staub, Petra Behrend, Monika Elsener ((von links) Es fehlen: Margrit Baumgartner und Nicole Indra. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 19. März 2019)

100 Jahre Bestehen und Hunderte Mitglieder mehr: Die Frauengemeinschaft Cham ist gewachsen. Im ersten Jahr zählte sie etwas über 250 Mitglieder, inzwischen sind es rund 900. «Wir sind ein riesiger Verein, vergleichbar mit einer Firma, nur, dass wir als Teams zusammenarbeiten», weiss Margit Conrad im Co-Präsidium mit Susanne Staub. Zwar hat der Verein wie damals noch sieben Vorstandsmitglieder, doch einiges hat sich verändert im Verlauf der Zeit. So duzt man sich beispielsweise im Vorstand seit 1978.

«Kaum vorstellbar, was früher alles anders war», überlegt Susanne Staub. Zwar sind aus der Anfangszeit nur wenige Dokumente vorhanden, doch durch den Eintritt in den Verein konnten sich die Frauen sicher auch zunehmend für die Interessen der Frauen einsetzen, sind sich Conrad und Staub sicher. «Denn unser Dachverband – der Schweizerische Katholische Frauenbund – engagierte sich bereits früh, beispielsweise für das Frauenstimmrecht», erwägt Conrad.

Heute umfasst das Programm der Frauengemeinschaft ganz unterschiedliche Anlässe: von einem breitgefächerten Kursangebot über eine Frauenfilmnacht, Frauenmessen, einer jährlichen Vereinsreise und einem Weiterbildungstag bis hin zum Kerzenziehen, und sie ist mit eigenem Stand jeweils am Villette-Fest vertreten. Damit widmet sich der Verein, wie in der Gründungszeit in den Statuten festgelegt, sozial-karitativen Aufgaben.

Seit jeher von der Kirche geprägt

Die Frauengemeinschaft war von Anfang an stark geprägt von der Kirche – sie wurde auf Initiative des damaligen Pfarrers gegründet, der auch den ersten Vorstand einsetzte –, hat sich aber im Laufe der Zeit auch für andere Themen geöffnet, erklärt Susanne Staub: «Wir haben ein gutes Einvernehmen mit dem zuständigen Pfarrer.

Thomas Rey nimmt jedes Jahr an der Generalversammlung teil. In der Gestaltung des Jahresprogramms und der Anlässe sind wir komplett frei.» Generalversammlungen gab es in 100 Jahren lediglich 85. Einerseits wegen des Krieges und andererseits, da die Maul- und Klauenseuche ein Ausgehverbot zur Folge hatte. Und nicht nur das Verhältnis von kirchlichem Oberhaupt und Frauengemeinschaft, welche früher noch Frauen- und Muttergesellschaft hiess, hat sich verändert, wie die beiden Frauen vom Leitungsteam wissen. «Früher waren die Möglichkeiten für Frauen begrenzt und man ist dem Verein sicher auch beigetreten, um auf andere Frauen zu treffen», vermutet Margit Conrad.

Wichtig für junge Mütter

Besonders auch junge Mütter hätten immer wieder den Weg in den Mütterverein gefunden. «Das ist bis heute so. Unser Familientreff bietet spezielle Anlässe für junge Familien, hier lernen sich junge Frauen kennen», führt Conrad aus. Das Ziel ihrer Gemeinschaft ist in den neuen Statuten festgelegt: ihre Verantwortung in Familie, Gesellschaft, Kirche und Staat wahrzunehmen, Kontakte zu pflegen und Netzwerke aufzubauen.

«Wenn ich durch Cham gehe, entdecke ich immer wieder bekannte Gesichter und fühle mich heimisch», so Conrad, welche vor einigen Jahren aus Deutschland hergezogen ist und sich schnell begeistern liess für die Frauengemeinschaft. «Es sind bleibende Freundschaften entstanden. Viele ehemalige Vorstandsmitglieder treffen sich heute noch», ergänzt Susanne Staub. In den Anfängen des Vereins seien die Frauen teils 30 bis 40 Jahre im Vorstand geblieben.

Netzwerk mit externen Mitarbeiterinnen

Neue Vorstandsmitglieder zu finden, sei allerdings nicht immer einfach. «Wir Frauen sind alle berufstätig und die Arbeit im Verein ist zeitaufwendig. Glücklicherweise haben sich immer wieder tolle Vorstandsfrauen gefunden und wir verfügen über ein grosses Netzwerk an externen Mitarbeiterinnen, die grossenteils früher selbst einmal im Vorstand aktiv waren.»

Für das Jubiläumsjahr wurde eigens ein Organisationskomitee eingesetzt, welches gemeinsam mit dem Vorstand das Konzept für dieses Jahr erarbeitet hat. «Uns war wichtig, dass all die vielen Teammitglieder und Helferinnen etwas zurückbekommen», betont Susanne Staub. Deshalb finden einige interne Anlässe statt. Es gibt aber auch für die Öffentlichkeit zugängliche Angebote, beispielsweise eine Stadtführung unter dem Titel Chamer Frauengeschichten, in der Geschichten aus den letzten 100 Jahren erzählt werden.

«Die Idee dazu ist entstanden, weil unsere Mitglieder zur Adventszeit jeweils Seniorinnen und Senioren besuchen, die viel zu erzählen haben. Diese Geschichten wollten wir einem breiteren Publikum zugänglich machen.» Die Führung ist per QR-Code mit dem Smartphone abrufbar. Auch öffentliche Stadtführungen sollen die Frauengeschichten lebendig werden lassen, passend zum 100-jährigen Jubiläum. Rappelvoll wird es im Lorzensaal auch an der Jubiläumsgeneralversammlung: 369 Teilnehmende sind angemeldet. «Das freut uns natürlich sehr und zeigt, dass die Arbeit unseres Vereins geschätzt wird.»

Hinweis
Weitere Informationen zum Jubiläumsjahr unter www.frauengemeinschaftcham.ch.