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Die Führung der sozialen Institution Consol in Zug steht heftig in der Kritik

Von einem Geschäftsführer, der seine Mitarbeiter anschreien soll und einem Vorstand, dem vorgeworfen wird, trotz des Wissens um die Vorwürfe untätig zu bleiben. So schildern es ehemalige Mitarbeiter.
Zoe Gwerder
Das Bistro der Consol ist einer von sechs Betrieben des Unternehmens. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 16. Mai 2019)

Das Bistro der Consol ist einer von sechs Betrieben des Unternehmens. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 16. Mai 2019)

Die soziale Zuger Institution Consol scheint turbulente Zeiten mit Problemen in der Führung hinter sich zu haben. Nach der Berichterstattung über eine Überbelegung, einen tiefen Betreuungsschlüssel und mehrere Abgänge (Zuger Zeitung vom 26. Mai 2019) meldeten sich ehemalige Mitarbeiter, die von der Stimmung in der Institution berichteten. Zusätzlich trat unsere Zeitung mit weiteren ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt, sodass insgesamt mit sechs unterschiedlichen Personen gesprochen werden konnte. Sie alle arbeiteten einst unter dem aktuellen Geschäftsführer. Unter ihnen sind Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die dem Geschäftsführer direkt unterstellt waren, aber auch Fachpersonen, deren Chef ein Betriebsleiter war, die zum Teil aber auch mit dem Geschäftsführer zu tun hatten (siehe Grafik). Das Ausscheiden aus dem Betrieb liegt bei den ehemaligen Mitarbeitern mehrere Monate bis Jahre zurück.

Die meisten dieser ehemaligen Mitarbeiter, die mit unserer Zeitung gesprochen haben, stehen noch im Arbeitsleben und möchten nicht genannt werden. So werden hier nur Umstände beschrieben, welche von mehreren Personen unabhängig voneinander bestätigt wurden.

In der Kritik stehen der Geschäftsführer sowie der Vorstand der Institution, die eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton hat. Die Geschichten der Ehemaligen sind vielfältig. Teilweise scheinen sie beinahe traumatisiert von dem, was sie vor ihrem Abgang erlebt haben. Es geht um einen schreienden Chef, um Loyalitätsfragen nach sachlicher Kritik, Entscheide die nicht mehr mit den Betriebsleitern gefällt werden, und um einen Vorstand, der nach Meinung der ehemaligen Mitarbeiter nicht hinschauen will und entsprechend auch nicht eingreift. Die Rückmeldung einer Klientin zeigt jedoch auch, dass allfällige Probleme offenbar nicht bis ganz unten – bei den Klienten – zu spüren sind.

Die Loyalität werde in Frage gestellt

Was den Aussagen fast aller Kontakte gemein ist, ist der Vorwurf des Fehlens einer Streit- und Diskussionskultur. Insbesondere im Umgang mit dem Geschäftsführer sei dies ein Problem: Habe man Einwände gegen eine seiner Ideen, werde dies als Zeichen der Illoyalität bewertet. Kritik nehme er persönlich. Fachliche Inputs engagierter Mitarbeiter seien nicht erwünscht. Solange man gleicher Meinung mit dem Geschäftsführer sei, sei das Arbeiten bei der Consol gut – bringe man Kritik oder Ideen zu Änderungen an, sei dies vorbei.

Das Hinterfragen der Loyalität scheint sich auf den Umgang mit Abgängen ausgewirkt zu haben. Die ehemaligen Mitarbeiter berichten von unprofessionell und lückenhaft erstellten Zeugnissen, die zurückgewiesen werden mussten, und von unschönen Szenen während der Kündigungsfrist.

Dabei könne der Geschäftsführer auch ziemlich laut werden. So erzählen alle der befragten ehemaligen Mitarbeiter, die mit dem Geschäftsführer zu tun hatten, von einem Mann, der im Gespräch unter vier Augen total die Nerven verlieren kann. Er werde wütend, aufgebracht und schreie – trotz ruhigbleibendem Gegenüber, so die Schilderungen.

Trotz Weg zur Lösung Betriebsleiter entlassen

Besagtes Verhalten habe im vergangenen Jahr zu einer Eskalation geführt. Wie ein Teil der sechs ehemaligen Mitarbeiter erzählt, hätten mehrere Betriebsleiter ihren Auftrag erfüllen wollen, das Unternehmen aus der Pionierphase in eine autonome, moderne Institution zu überführen. Der Geschäftsführer habe dies jedoch immer wieder verhindert – ein Vorgehen, von welchem auch andere ehemalige Mitarbeiter in früheren Fällen berichten. Er habe darauf die Entscheidungsdiskussionen in die Geschäftsstelle verlegt und dort Entscheidungen gemeinsam mit den Stabsstellen getroffen, statt mit den Betriebsleitern. Die Entscheide seien diesen dann diskussionslos mitgeteilt worden.

Trotzdem hätten einige Betriebsleiter im vergangenen Dezember erreicht, mithilfe einer externen Organisationsberatung den Prozess des Umbruchs zu einer modernen Institution gemeinsam mit dem Geschäftsführer anzugehen. Noch vor dem ersten Treffen habe dieser aber zusammen mit dem Präsidenten des Vorstands einen dieser Betriebsleiter entlassen und freigestellt, was zu einem Bruch geführt und mehrere Abgänge zur Folge hatte – darunter drei der sechs Betriebsleiter.

Kritisierte nehmen keine Stellung

Mit den Vorwürfen der ehemaligen Mitarbeiter konfrontiert, lässt der Geschäftsführer verlauten: «Die Aussagen entsprechen nicht der Wahrheit oder sind stark verzerrt. Wir betrachten sie als rufschädigend und werden deshalb rechtliche Schritte prüfen. Davor nehmen wir im Detail nicht Stellung.»

Alle ehemaligen Mitarbeiter, mit denen unsere Zeitung gesprochen hat und die direkt mit dem Geschäftsführer Kontakt hatten, betonen aber, dass die Kritik nicht ihn alleine betreffe, sondern auch den Vorstand. «Einem Grossteil der Vorstandsmitglieder geht es wohl mehr um ihre Karrieren. Hinschauen und Probleme benennen, wäre zu unbequem» oder «der Vorstand hört die Hilferufe nicht – er will nicht hinhören», sagen zwei der ehemaligen Mitarbeiter. Als «ein Gebiss ohne Zähne» bezeichnet ihn ein anderer. Denn die betroffenen Personen hatten sich mit ihren Problemen im Unternehmen an den Vorstand gewandt – ohne dass dies Wirkung gezeigt hätte. Dort sei ganz klar kommuniziert worden, dass man hinter dem Geschäftsführer stehe. Der Präsident des Vorstandes, Roland Zerr, nimmt zu den Vorwürfen keine Stellung.

Klar Stellung nimmt hingegen der Kanton. «Der Geschäftsführer hatte uns über den Konflikt von Ende 2018 informiert», erklärt der zuständige Regierungsrat Andreas Hostettler. «Wir haben das nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern wollten wissen, was dahinter steckt.» Der Kanton habe deshalb im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Aufsicht bei der Prüfung Anfang dieses Jahres von einem damit beauftragten Unternehmen explizit verlangt, «insbesondere die Führungsthematik genau zu hinterfragen.» Dabei sei nicht nur auf den Umgang der Einrichtung mit Menschen mit Beeinträchtigung, sondern auch auf den Umgang und die Haltung der Führungspersonen mit den Mitarbeitern geachtet worden.

«Das Resultat dieser Überprüfung hat ergeben, dass die Haltung und Arbeitsweise der Geschäftsleitung und der noch angestellten Betriebsleiter und Mitarbeiter dem Auftrag von Consol sehr gut entsprechen und sich an die heute geltenden Standards zur Förderung von Menschen mit Beeinträchtigungen ausrichten.» Gemäss Hostettler hatte sich bei der Überprüfung das Hinterfragen der Führungsthematik insbesondere auf besagten Konflikt von Ende Jahr bezogen. Wie jedoch die Aussagen der hier zitierten ehemaligen Mitarbeiter zeigen, waren oben genannte Kritikpunkte am Vorstand und Geschäftsführer schon Jahre vor dem Konflikt aktuell. Inwiefern die Überprüfung des Kantons auch diesen Bereich mit einbezogen hat, ist nicht bekannt.

Die Consol

Die soziale Institution Consol, mit einem Verein gleichen Namens als Trägerschaft, ist mit ihren sechs Betrieben am Ibelweg in Zug ansässig. Das Unternehmen bietet vorwiegend Arbeitsplätze für Menschen mit einer psychischen Erwerbseinschränkung, wie die Consol auf ihrer Homepage schreibt. Die sechs Betriebe Glas, Papier, Bistro, Office, Textil und Berufliche Eingliederung werden je von einem Betriebsleiter oder einer Betreibsleiterin geführt. Diesen waren 2018 total 36 Fachpersonen unterstellt. Diese Fachpersonen und Betriebsleiter betreuten und unterstützten im vergangenen Jahr 179 Personen im zweiten Arbeitsmarkt. Dabei geht es bei den Klienten um die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sowie um geschützte Arbeitsplätze. Für letztere hat das Unternehmen eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Zug. Die Plätze der Wiedereingliederung werden von IV-Stellen verschiedener Kantone für deren Klienten gebucht.

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