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Die fünf Leben des Zuger Regierungsrats Urs Hürlimann

Urs Hürlimann trat nach seiner siebenjährigen Amtszeit als Gesundheits- und Baudirektor nicht mehr zur Wahl an. Der frisch gebackene Grossvater will sich nun unter anderem seinen Enkelkindern widmen.
Cornelia Bisch
Urs Hürlimann will sich künftig wieder mehr dem Sport, Familie und Freunden widmen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2018))

Urs Hürlimann will sich künftig wieder mehr dem Sport, Familie und Freunden widmen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2018))

Zwei in diesem Jahr geborene Enkelkinder warten darauf, von ihren Grosseltern Urs und Regula Hürlimann bespasst und betreut zu werden. «Das war mit ein Grund, warum ich nicht mehr kandidierte», gesteht der scheidende Baudirektor (FDP). Er sei dankbar für sein sehr erfülltes Berufsleben. «Ich betrachte das als grosses Privileg.» Er habe insgesamt fünf Leben gehabt, jenes als Lehrer, jenes bei der Polizei, der Armee und zwei in der Politik als Gesundheits- und als Baudirektor.

Als Lehrer habe er sich Pädagogik und Methodik angeeignet, als Polizeikommandant und Generalstabsoffizier im Rang eines Brigadiers Führung, Strategie und Projektplanung. «Die Mischung dieser Fähigkeiten hat sich für mich als die beste Konstellation herausgestellt.» Als der Einsterngeneral von Bern nach Zug zurückgekehrt war, stieg er direkt in die Regierung ein. «In dieser Position war plötzlich das Volk mein Arbeitgeber und Chef. Das war ein ganz besonderes Gefühl», erzählt Hürlimann und scherzt: «Danach kommt nur noch Petrus!»

In seiner rund 40-jährigen Berufslaufbahn haben ihn die Symbole des Leuchtturms und der Brücke stets begleitet. Seine Lebensphilosophie aber richtete sich nach dem «4M-Prinzip». «Man muss Menschen mögen», erklärt der scheidende Politiker. Wenn man erfolgreich leiten und gemeinsam mit den Menschen in seiner Umgebung etwas erreichen wolle, müsse man sie gern haben. «Der Mensch steht immer im Mittelpunkt. Nur so kann man ihn für seine Ideen gewinnen.»

Den Menschen eine Zielrichtung geben

Der Leuchtturm symbolisiert für ihn den Leitgedanken der Vision. «Man muss den Mitarbeitern eine Zielrichtung geben, eine Philosophie und Kultur schaffen, ihnen Instrumente zur Verfügung stellen, Strategien und Strukturen entwickeln», betont Hürlimann. «Meine Mitarbeiter hatten die Aufgabe, den Ball in Stellung zu bringen, damit ich in der politischen Welt ein Goal schiessen konnte.» So sehe seine Unternehmensphilosophie aus. «Das ist der Mensch Hürlimann, so tickt er.»

Mit dem Symbol der Brücke verbindet Urs Hürlimann das Lied von Peter Maffay «Über sieben Brücken musst du gehen». «Das habe ich bestimmt x-tausendmal gehört.» Brücken zwischen Menschen und deren Interessen zu bauen, Kompromisse zu suchen, war während seiner gesamten Berufslaufbahn, vor allem aber als Regierungsrat für Hürlimann von grosser Bedeutung. «Manchmal war das Ziel mit nur einer Brücke bereits erreicht, manchmal brauchte es zwei oder mehr.»

Es sei ihm und seinem Team in den drei Jahren seiner Amtszeit als Baudirektor gelungenen, eine strategische Ausrichtung für den Kanton Zug zu entwerfen und durchzusetzen. «Wir haben die Grundzüge der räumlichen Entwicklung festgehalten und damit für die Gemeinden den Grundstein gelegt, damit sie bis zum Jahr 2025 ihre Ortsplanungsrevisionen durchführen können.»

Psychiater und Seelsorger

Als Regierungsrat sei man in gewisser Weise auch Psychiater und Seelsorger, so Hürlimann. «Wir leben Bürgernähe und haben immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen.» Er erinnert sich an einen Spaziergang durch Zug in Begleitung des Zürcher Polizeikommandanten. «Nach einer Weile sagte er erstaunt: ‹Dich kennt ja jeder hier!›. So ist das eben in Zug.»

Er habe auch festgestellt, dass er als Regierungsrat eine Respektsperson für die Menschen darstelle. «Sie hören sehr genau hin, was wir sagen und verlassen sich auf uns.» Das sei schön, aber auch verpflichtend. Trotzdem könne man es nie allen recht machen. Wenn in der Politik etwas entschieden werde, rufe ein Drittel der Bevölkerung «Hurra!», ein Drittel sage: «Mit dem können wir leben», und ein Drittel finde: «So ein Chabis!»

Der «Terrassenblick» der Menschen

Immer wieder enerviert hat den Baudirektor der «Terrassenblick» der Leute. «Mobilität, 5G-Verkehrsnetz, Verdichtung, all dem stimmen die Bürger zu, sagen aber im gleichen Atemzug: ‹aber bitte nicht vor meiner Haustür›.» Das nenne er den Terrassenblick. Wenn jeder Neuerungen nur von seiner Position aus beurteile, habe das eine Unmenge an Beschwerden, Einsprachen und Gerichtsverfahren zur Folge, die Projekte der öffentlichen Hand um viele Jahre verzögerten. «Die Bürger müssen dazu motiviert werden, einen Schritt aufeinander zuzugehen.» Jedes Quartier müsse irgendetwas mittragen, hier eine Durchfahrtstrasse, dort ein Ökihof oder eine verdichtete Überbauung. «Ohne Kompromissbereitschaft geht es nicht.»

Traditionelles Familienbild

Seine Ehefrau Regula und seine drei Kinder hätten ihn immer tatkräftig unterstützt, erzählt Hürlimann. Er sei nicht oft daheim gewesen, eine Zeit lang sogar nur am Wochenende. «Ich habe Aufgaben wahrgenommen, bei denen Jobsharing nicht möglich war, sodass immer klar war, dass sich nicht beide Ehepartner verwirklichen können.» Trotzdem schaffte Regula Hürlimann später den Wiedereinstieg in den Lehrberuf und schlug eine erfolgreiche Karriere als Schul- und Gemeindepräsidentin von Hünenberg ein. Auch sie zieht sich per Ende Jahr aus dem Berufsleben zurück. «Wir werden gemeinsam Exerzitien abhalten und uns überlegen, wie unser nächster Lebensabschnitt aussehen soll.»

Vereine, Organisationen und Firmen, die ihn anfragen, vertröstet Hürlimann auf später. Grosse Reisen sind im Moment kein Thema. «Mit dem Velo über die Jurakette oder um den Bodensee zu fahren, wird das Ziel sein.» In puncto Sport habe er aus Zeitmangel in den letzten Jahren gesündigt, bedauert er und klopft auf seine Körpermitte. «Die Auswirkungen sieht man hier.» Auch für die Jagd will er sich mehr Zeit nehmen und für das Zusammensein mit Freunden.

Ein wenig Wehmut schwingt natürlich ebenfalls mit. «Ich trenne mich von einem ausgezeichneten Team. Mit dieser Crew würde ich mich jederzeit der Privatwirtschaft stellen.»

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