Serie
Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: Die geliebte Heimat stets in Sichtweite

Der Autor nimmt es nicht zu streng auf seiner Lieblingsroute im Ratengebiet. Nostalgie hat für ihn auf seinem Weg einen hohen Stellenwert.

Andreas Faessler
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Der Ratengütsch ist schnell umrundet. Das Panorama vom Weg aus nach Osten über sattgrüne Wiesen und die Region Einsiedeln auf die Wägitaler und die Ybriger Berge aber ist so überwältigend, dass man sich sehr gerne Zeit lässt. An dieser Gabelung führt die Route rechts weg um den Gütsch.

Der Ratengütsch ist schnell umrundet. Das Panorama vom Weg aus nach Osten über sattgrüne Wiesen und die Region Einsiedeln auf die Wägitaler und die Ybriger Berge aber ist so überwältigend, dass man sich sehr gerne Zeit lässt. An dieser Gabelung führt die Route rechts weg um den Gütsch.

Bild: Andreas Faessler (30. Mai 2020)

Das Schönste am Kanton Zug ist der Blick nach Schwyz. Verzeihung, das ist nicht so provokativ gemeint, wie es klingen mag. Tatsächlich aber erfüllen mich stets Behagen und Geborgenheit, wenn ich als «echter» Urschwyzer von irgendwoher rüber in meine geliebte Herzensheimat sehe. So ist es denn auch kaum abwegig, dass sich meine liebste Zuger Spazierroute im entsprechenden Grenzgebiet findet.

Ausgangspunkt ist der 1077 Meter über Meer liegende Raten; für mich seinerzeit schon als kleiner Knopf ein vertrauter Schönwetter-Begriff – und heute ein entsprechend nostalgisch aufgeladener –, hiess es doch öfter zu Beginn eines sonnigen Sommertages

«So, gömmer no schnäll chli i Rate ufä».

So ein Tag war es auch unlängst wieder, Ende Mai, als es mich einmal mehr ins Ratengebiet zog für wohltuende Chopfleerete, stets meine Heimat im Blickfeld oder zumindest hinter den Bäumen wissend.

Panorama mit Tiefenwirkung

Der Weg startet am östlichen Rand der monströsen Parkplatzfläche auf der Passhöhe, steigt erst leicht bergan und geht bald in eine angenehm zu begehende, unbefestigte Feldstrasse über, sie führt links am Ratengütsch entlang. Gleich hinter der Baumgruppe am Rande der satten Bergwiese eröffnet sich – wie eine bildlich manifestierte Debussy-Rêverie – ein fantastisches Panorama mit der weiten Schwyzer Landschaft nördlich der Mythen. Hat man Wetterglück, so wie auf unserem Foto, erzeugen lichte Wolkenformationen eine besonders effektvolle Tiefenwirkung.

Auch von der ehemaligen Einsiedelei St. Jost mit der gemütlichen Bergbeiz aus hat man herrliche Aussichten.

Auch von der ehemaligen Einsiedelei St. Jost mit der gemütlichen Bergbeiz aus hat man herrliche Aussichten.

Bild: Andreas Faessler (30. Mai 2020)

Dieser höchst malerische An- respektive Ausblick bleibt einem treu, bis der Weg südlich vom Gütsch an den Rand des Waldes führt – und schliesslich in diesen hinein. Ein Steilstück beansprucht kurzfristig das Fahrgestell, ist aber schnell überwunden. Wenig später beim Austritt aus dem Gehölz der nächste Höhepunkt: Die sanft abfallende Lichtung von St.Jost gibt einen herrlichen Blick frei, jetzt über die Baumwipfel hinweg auf den südlichen Schwyzer Kantonsteil und die Berge der Waldstätte. Innehalten – Wohlfühlmoment. Einkehr (ich glaube, es gibt hier Einsiedler Bier – ohne Gewähr).

Auf der anderen Seite geht es weiter...

Über den St.-Jost-Rain und Wisstannen liesse sich die Route ausdehnen. Ich bin jetzt aber im Tagtraummodus und zu faul für irgendwelche Anstrengungen. Ich gehe wieder direkt zurück zum Raten. Das Restaurant darf ich an dieser Stelle gerne empfehlen, man isst hier sehr gut. Auf der Asphaltstrasse – es herrscht zum Glück Fahrverbot – vom Raten über den Salen in Richtung Gottschalkenberg setze ich meinen Spaziergang gemächlich fort, stets leicht bergan.

Hier wieder eine Sicht zum Niederknien, natürlich auch in Richtung Schwyz.

Die sanfte Voralpenlandschaft mit ihren ausgedehnten Wiesen rund um den Raten versperrt nichts. Bei Sommerhitze stehen hier auch die Chancen auf eine wohltuende Brise entsprechend gut. Bei der Abschwändi geht rechts eine Feldstrasse weg über den Hügelrücken und schliesslich hinab zur Gottschalkenbergstrasse. So komme ich wieder zurück zu meinem Ausgangspunkt. Die gelegentlich vorbeibrausenden Fahrzeuge bringen mich jetzt nicht mehr aus der Ruhe, vielmehr habe ich Augen für die lebendige Bordbepflanzung am Strassenrand – und natürlich einmal mehr für die weite Landschaft, nun wieder auf die andere Seite.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.