Ferienbetreuung: Die Gemeinde Cham tritt in Konkurrenz zu einem Verein

Die Ferienbetreuung von Kindern liegt in Cham gegenwärtig bei einem einzigen Anbieter. Auf die Sommerferien 2019 hin plant der Gemeinderat jedoch die Einführung eines eigenen Angebots.

Raphael Biermayr
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Das Ferienbetreuungskonzept des Vereins Zuki basiert auf Naturnähe – das passt nicht allen, sagt der zuständige Gemeinderat. (Bild: Bruno Arnold)

Das Ferienbetreuungskonzept des Vereins Zuki basiert auf Naturnähe – das passt nicht allen, sagt der zuständige Gemeinderat. (Bild: Bruno Arnold)

Chamer Eltern werden ab den Sommerferien 2019 die Wahl haben, wo sie ihre Kinder in die Ferienbetreuung geben wollen. Entweder in das seit 2008 bestehende Angebot des Vereins Zukunft Kinder (Zuki), der sein Augenmerk auf die Naturverbundenheit legt. Oder bei der Gemeinde, die ein Alternativangebot plant.

Das stösst Doris Meyer sauer auf. Sie ist Gründungsmitglied des Zuki und heute dessen Präsidentin. Bislang war der gemäss Eigenbezeichnung nicht gewinnorientierte Verein der einzige Anbieter. Die Ferienbetreuung ist defizitär: Erst ab 18 Kindern pro Tag im Jahresdurchschnitt wäre das anders, sagt Meyer. 2017 waren es – über zehn Ferienwochen gesehen – 13 im Schnitt.

Im laufenden Jahr habe die Betreuung nach Meyers Auskunft aus finanziellen Gründen um zwei Wochen auf deren acht gekürzt werden müssen. Doch Meyer ist überzeugt davon, dass die Ferienbetreuung wegen der gesellschaftlichen Entwicklung mit beruflich immer engagierteren Eltern und weit weg wohnenden Grosseltern ein «Angebot mit Zukunft» sei.

Kommt dazu, dass der Gemeinderat beschlossen hat, auf den 1. Oktober 2018 hin die Betreuungsgutscheine für die Ferienbetreuung attraktiver zu gestalten. Das heisst, dass Eltern, die solche Gutscheine beziehen, eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde erhalten. Dies in der Hoffnung, dass mehr Eltern das Angebot nutzen.

Ungleiche Voraussetzungen?

Der Verein suchte das Gespräch mit der Gemeinde. Man sei in der Hoffnung auf eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Gemeinderäten und der Projektleiterin zusammengesessen, sagt Doris Meyer. «Doch wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne Aussicht auf eine Kooperation.» Sie geht davon aus, dass mit der Gemeinde als Konkurrenz ungleiche Voraussetzungen für Zuki im Werben um Kinder herrschen würden, zumal sämtliche Anmeldungen über die Schule laufen würden.

«Die Gemeinde sagt immer, dass sie ehrenamtliche Arbeit und die Vereine unterstützen würde – das spüre ich hier ganz und gar nicht.»
Doris Meyer, Präsidentin Zukunft Kinder (Zuki)

«Uns droht der Wegfall der Ferienbetreuung. Das hätte Folgen, denn dank der Einnahmen aus den Betreuungsgutscheinen fiel das Gesamtdefizit insgesamt geringer aus. Und mit der erwähnten zu erwartenden Zunahme der Ferienbetreuung bestand die Chance, dass die Ferienbetreuung selbsttragend würde», glaubt Meyer. Für den vor allem durch Gönnerbeiträge finanzierten Verein sei die Situation schwierig. «Die Gemeinde sagt immer, dass sie ehrenamtliche Arbeit und die Vereine unterstützen würde – das spüre ich hier ganz und gar nicht», legt die enttäuschte Vereinspräsidentin dar.

Vor allem gehe es ihr aber um die Kinder: «Die Hirnforschung kommt klar zum Schluss, dass der beste Förderunterricht für Kinder in der Natur stattfindet. Mit dem neuen Angebot werden sie sich künftig nur noch länger im schulischen Umfeld aufhalten – das kommt ihrer Entwicklung nicht zugute», bekräftigt sie ihre Überzeugung.

Das Zuki-Angebot gefällt nicht allen

Warum plant die Gemeinde eine eigene Ferienbetreuung einzuführen? Die Kurzantwort lautet: Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und in der Ferienbetreuung eine Auswahl bieten zu können. Dies schreibt der für die Schule zuständige Gemeinderat Beat Schilter (parteilos) sinngemäss.

Mit dem Angebot von Zuki sei man zufrieden und anerkenne «das langjährige Engagement zum Wohle von Chamer Familien». Allerdings, führt Schilter auf Nachfrage aus, gebe es Stimmen von Eltern, die sich «nicht mit dem naturnahen Angebot von Zuki identifizieren können und sich Alternativen wünschen». Dennoch sei es «erwünscht», dass Zuki sein Angebot weiterführt. Darüber hinaus sei denkbar, mit anderen Partnern wie etwa dem Ferienpass oder lokalen Vereinen zusammenzuarbeiten.

Die detaillierte Ausgestaltung des eigenen Angebots sei derzeit genauso Gegenstand von Abklärungen wie die Frage, an welche Alters- respektive Schulstufen es sich richten wird. Das Konzept werde voraussichtlich Ende Jahr vorliegen. Klar sei aber, dass das Angebot – wie bei Zuki auch – tageweise gebucht werden könne.

Wo die Ferienbetreuung angeboten wird, ist ebenfalls noch offen. Bestehenden Räumlichkeiten sollen genutzt und das Personal der Modularen Tagesschule dafür eingesetzt werden. Jene wird in den Primarschulen Städtli, Kirchbühl und Hagendorn angeboten. Gemäss Beat Schilter solle sich die Ferienbetreuung auf einen dieser Standorte konzentrieren.

Heute kostet die Ferienbetreuung die Gemeinde Cham 16'000 Franken. Künftig ist sie auf 70'000 Franken veranschlagt.

Das eigene Angebot beziehungsweise die Aufwertung der Betreuungsgutscheine sind selbstredend mit höheren Kosten verbunden. Heute kostet die Ferienbetreuung die Gemeinde gemäss dem Schulvorsteher Schilter 16'000 Franken. Künftig ist sie auf 70'000 Franken veranschlagt – aufgeteilt auf 37'000 Franken für Betreuungsgutscheine für das eigene Angebot sowie 33'000 Franken für Betreuungsgutscheine, die anderen Anbietern zukommen könnten.

Der Gesamtbetrag ist Teil des Budgets, über das die Gemeindeversammlung im Dezember befinden wird.

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Andreas Faessler