Leserbrief

Die Gesundheitsvögte schlagen zu

Zur Maskentragepflicht wegen der Coronapandemie

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Ich halte mich an Wilhelm Tell und gehe aufrechten Ganges an der Stange mit dem Gessler-­Hut vorbei. Wo einst der Hut eines Despoten hing, der unsere Vorfahren in die Knie zwingen wollte, hängt neuerdings eine Mund-Nasen-Bedeckung. Nichts aber auch gar nichts kann mich davon abhalten, es unserem Nationalhelden gleichzutun. Das heisst: Ich werde mir nie und nimmer diesen Lappen vors Gedicht binden. Nicht aus Trotz, aber aus Einsicht. Ich bin meiner Menschenpflicht nachgekommen und habe mich über die letzten Monate umfassend kundig gemacht. Ich bin 75 Jahre alt und weiss, was für mich und meine Mitmenschen gut und zumutbar ist. Würde ich mich der Obrigkeit beugen, ich würde krank und das will ich nicht. Ich halte es mittlerweile fast nicht mehr aus, diesen Massen entstellter Menschen ins vermummte Gesicht zu schauen. Und trotzdem suche ich immer mal wieder Blickkontakt zu meinen gesichtslosen Mitmenschen. Ohne Erfolg. Leeren Blickes, in sich gekehrt, mehr ab- wie anwesend huschen sie wie Schatten an mir vorbei.

Ich verstehe sie nicht mehr, diese aus allen Fugen geratene Welt. Tröstlich stelle ich aber immer häufiger fest, dass ich, was meine Wahrnehmung betrifft, beileibe nicht alleine bin. Ganz im Gegenteil: Es werden immer mehr.

Ganz Deutschland ist gegenwärtig übersät mit «Aha»-Plakaten, was da heisst: Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske. Der ganze Wahn soll nun auch noch in den Alltag einkehren? Noch schlimmer hierzulande: «Mach’s einfach». Was nicht anderes heisst als: Höre auf nachzudenken, tu’s einfach und halt gefälligst die Schnauze. Eine perfide, menschenverachtende Einladung zum Weiterschlafen. Dass sich Menschen, ihrer Würde beraubt, dubiosen Autoritäten unterwerfen, ist in der Geschichte nicht neu.

Reden Sie, liebe Leserin, einmal mit Menschen, die in totalitären Verhältnissen gross geworden sind – und jetzt unter uns leben. Hören Sie gut zu. Kann sein, dass es Ihnen die Sprache verschlägt. Die Massnahmen, die wir gegenwärtig ungefragt zu erleiden haben, sind in erster Linie als Unterwerfungssymbol zu verstehen. Sie werden gerechtfertigt auf der Basis einer verheerenden Fehleinschätzung des ganzen Geschehens.

Aber es dämmert. Die Lügenschleier fallen, vorerst unmerklich, aber sie fallen. Halten Sie sich fest, wenn – ich hoffe bald einmal – die Wahrheit ans Licht kommt.

Daniel Wirz, Zug