Musik
Die grössten Jungtalente haben ihr Können online gezeigt

Hochbegabte Jugendliche aus aller Welt in einem musikalischen Sommercamp: Das ist Astona. Dieses Jahr war aber alles ein bisschen anders als gewohnt.

Haymo Empl
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Umständehalber konnten die Zuschauer das Astona-Konzert nur am Bildschirm mitverfolgen.

Umständehalber konnten die Zuschauer das Astona-Konzert nur am Bildschirm mitverfolgen.

Bild: Jakob Ineichen (24. Juli 2021)

Seltsam ist es schon, wenn man ein grosses Galakonzert auf Youtube schaut. Dass es funktionieren kann, zeigte sich am Samstagabend im Rahmen des Abschlusskonzertes von Astona.

Der Reihe nach: Astona ist eine zweiwöchige Sommermusikakademie, die seit 1988 besteht und von der Cellistin Nancy Chumachenco gegründet wurde. Seit Dekaden ein fixer Bestandteil im Zuger Kulturzyklus mit grosser internationaler Strahlkraft. Nachdem der Kurs der Akademie im letzten Jahr coronabedingt annulliert worden war, fand er in diesem Jahr online statt. In den vergangenen Tagen wurden 33 Studierende (Violine, Bratsche, Cello, Klavier) aus 14 Ländern über ganz Europa verteilt durch sechs Dozenten an unterschiedlichen Standorten unterrichtet.

Dieser Onlinekurs umfasste Privatlektionen, Klassenunterricht, Hauskonzerte und öffentliche Konzerte. Und da sind wir beim Streaming – in der Regel hatte man nach den vielen Lesungen, Konzerten, Performances und Darbietungen ein bisschen genug von einem weiteren virtuellen Konzert. Astona ist mit dem Galakonzert aber einen anderen Weg gegangen: Die Darbietungen wurden von den Teilnehmenden selbst aufgezeichnet und übermittelt.

«Die Schülerinnen und Schüler haben alle unterschiedliche räumliche und technische Voraussetzungen, was für ein Live- streaming zu riskant ist»,

erklärt Christoph Balmer das Vorgehen seitens Astona. Er ist seit Jahren der Manager von Astona und damit auch leidenschaftliches Mitglied des Vereins.

Das Beste in 80 Minuten

Pünktlich um 20Uhr startete das Galakonzert (für das Galagefühl musste man notabene selbst sorgen) mit einer Begrüssung von Nancy Chumachenco. Dann der erste hochbegabte Jugendliche: Torje Råbu (15) aus Norwegen mit Johann Sebastian Bach: Sonate Nr. 1 g-Moll für Violine solo, BWV 1001 / I. Adagio II. Fuga (Allegro). Dass Torje nicht einfach ein 15-Jähriger ist, der Freude an (klassischer) Musik hat, wurde bei den ersten Tönen klar. Hier war effektiv ein «Wunderkind» am Werk, also ganz im Sinne von Astona. Bei Torje waren Bild- und Tonqualität ebenso herausragend wie seine Performance. Danach folgte Paul-Lukas Grün (17) aus Deutschland. Auch er spielte wie Torje in einer Kirche irgendwo weit weg von Zug. Seine sieben Variationen über «Bei Männern, welche Liebe fühlen» von Ludwig van Beethoven für Violoncello und Klavier waren musikalisch atemberaubend.

Da keine Kameraführung möglich war, konzentrierte man sich ausschliesslich auf die Musik. Ein Vorteil gegenüber klassischen Konzerten wie man sie aus TV-Übertragungen kennt, auch wenn man sich manchmal dabei ertappte, dass man es sich gar nicht mehr gewohnt ist, einfach «nur» Musik zu hören, auch wenn der ganze Anlass lediglich 80 Minuten dauerte. Bei manchen Beiträgen kam auf optischer Ebene ein etwas irritierender Shutter-Effekt hinzu – der Ton war aber so sauber abgemischt, dass in fast allen Fällen gut hörbar war, auf welch hohem Niveau die jungen Talente spielten. «Gestreamte Konzerte können nie das Live-Erlebnis mit Publikum ersetzen. Diese Art des Konzertierens stellt für die Musikerinnen und Musiker eine besondere Herausforderung dar, da eine andere Form von Konzentration erforderlich ist», sagt Christoph Balmer, der selbst 25 Jahre Präsident des Stadtorchester Zug war. Auch auf Seite der Rezipienten ist es ein anderes Erleben:

«Ähnliches gilt für das Publikum. Es entspricht nicht dem Live-Erlebnis, ein gestreamtes Konzert kann durchaus eine höhere Aufmerksamkeit auf die Musik und die Musikerinnen und Musiker erzeugen.»

Zuger Firmen sorgen für die Übertragung

Für die Umsetzung – und ziemlich sicher auch für die hervorragende Bearbeitung – setzte man hier auf lokale Unterstützung. Die Apoint Film aus Steinhausen zeichnete sich für die Produktion verantwortlich.

Neu in diesem Jahr war der Wettbewerbsgedanke: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ein Volkslied des jeweiligen Heimatlandes in eigenen Variationen zu präsentieren. Die «Preisverleihung» fand auch hier via Zuspieler statt – Nancy Chumachenco wies darauf hin, dass diese Teilnahme freiwillig war, und kürte den Sieger: Es war Torje Råbu, der mit seinem Beitrag ein Vollzeitstipendium für Astona 2022 gewonnen hatte. Wie gern hätte man den jungen Talenten, dem Gewinner der «Challenge» und Nancy Chumachenco & Team applaudiert. Denn sie alle haben aus der aktuellen Situation versucht das Beste zu machen und kreative Wege zu gehen. Vielleicht erleben wir dann 2022 Astona wieder in altem Glanz und mit noch grösserer Strahlkraft – weil live und als grosser Sommerevent.