Zuger Fasnacht: Die Jugend übernimmt das Zepter

Gregor R. Bruhin (26) führt die Letzibuzäli in der Fasnacht 2020. Seine Insignien der Macht bekommt er später.

Marco Morosoli
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Viel Grund zum Strahlen: Gregor R. Bruhin ist der neue Anführer, respektive designierte Prinz der Letzibuzäli. Auch seine beiden Prinzessinnen Jessica (links) und Laetitia freuts.Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 11. November 2019)

Viel Grund zum Strahlen: Gregor R. Bruhin ist der neue Anführer, respektive designierte Prinz der Letzibuzäli. Auch seine beiden Prinzessinnen Jessica (links) und Laetitia freuts.Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 11. November 2019)

Am 11.11. um 11.11 Uhr, hat die Fasnacht 2020 auch im Kanton Zug begonnen. Die Narrenzunft der Letzibuzäli nutzt diesen von den zahllosen Freunden der Fasnacht heiss erwarteten Tag jeweils, um ihr künftiges Fasnachtsoberhaupt zu präsentieren. Bereits um kurz vor elf Uhr hat sich eine grosse Abordnung der Zunft in freudiger Erwartung des designierten Prinzen im Pulverturm in Zug zum Apéro getroffen. Die Bedeutung des Anlasses haben der Baarer Räbevater, der Chef der Zuger Chesslete und ein Vertreter der Ebeler Fröschenzunft noch zusätzlich unterstrichen.

Ein Dreiergremium sucht die jeweiligen Prinzen

Die Anwesenden haben dann nicht schlecht gestaunt, als der SVP-Parteimann Gregor R. Bruhin (26) in Begleitung zweier Prinzessinnen hereingetreten ist. Eine etwas ältere Frau bemerkte, was wohl vielen in diesem Augenblick durch den Kopf gegangen ist: «Der sieht nett aus.» Um ihn zu seiner Wahl zu beglückwünschen, bildete sich schnell eine Warteschlange. So kam er kaum zum Trinken. Das konnte er aber gut verschmerzen, wie er später gestand: «Ich habe zum Morgenessen nur ein Gipfeli genossen. Jetzt einen Gin-Tonic zu trinken, wäre da sicher nicht eine so gute Idee.» Wie lange er seinem Grundsatz an diesem für ihn grossen Tag treu geblieben hat, das ist hingegen nicht verbrieft.

Aber etwas ist Gregor I. auch ohne im Besitze seiner Insignien: Er ist der jüngste Prinz in der Geschichte dieser Zuger Narrenzunft, die seit 1986 Prinzen wählt. Davon ist der Letzibuzäli-Zunftmeiser Richi Rüegg felsenfest überzeugt. Wer auf der «Prinzen-Ahnentafel» der Letzibuzäli nachschaut (www.lebuz.ch), der stellt fest, dass sich Rüegg mit seiner Äusserung sicher nicht in die Nesseln setzt. Gewählt haben den neuen Prinzen der Zunftmeister der Zeremonius Jürg Messmer und der Prinzenobmann Claude Fux. Das Ergebnis der Prinzenwahl steht schon seit einem Monat fest. Das sei für Gregor I., so Messmer, eine lange Zeit des Schweigens gewesen, neige er doch manchmal zur Ungeduld.

Der Zeremonius ist ein guter Prinzenkenner

Der Zeremonius politisiert, wie der neue Prinz, für die SVP im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug. Gregor R. Bruhin amtet dort als Fraktionschef seiner Partei und gehört zudem der Geschäftsprüfungs-Kommission. Gemeinderat ist er, der im Personalbereich in Zürich Arbeitende, seit 2015.

Auch in einer anderen Hinsicht für die Fasnacht geeignet sei Gregor I., so der Zeremonius Jürg Messmer: Er esse währschaft (Spaghetti, Knoblauch und Cordon Bleu) und sei einer, der viel Sitzleder habe, wenn er auch jedes Mal sage, dass er früh nach Hause wolle. Eine hehre Absicht, die der neue Prinz jedoch nicht wie angekündigt umsetze. Auch dies könnte dem Jung-Politiker zum Vorteil gereichen.

Eine weitere Passion von Gregor I. ist das Reiten. Das lässt Jürg Messmer fragen, ob er wohl der erste Zuger Letzibuzäli-Prinz sein könnte, der sich hoch zu Pferde seinem Volk beim traditionellen Fasnachtsumzug am 22. Februar 2020 durchs Hertiquartier präsentieren wird. Zwei Tage vorher – am Schmutzigen Donnerstag – muss sich der neue Letzibuzäli-Prinz für einmal nicht um seine Agenda kümmern. Das übernehmen die Verantwortlichen der Zuger Chesslete um Jascha Hager.

Der designierte Prinz Gregor I. gehört seit 2016 der Letzibuzäli-Zunft an. «Mit der Anfrage, als Prinz zu amten, habe ich nicht gerechnet». Er habe dann auch schnell Ja gesagt. Eine weitere Aussage Bruhins zeigt, dass es ihm in der Letzibuzäli-Gesellschaft passt: «Dem Verein beizutreten, ist bis jetzt die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe.» Es sei dort wunderbar, weil viele gute Leute mit dabei sind.

Noch steht eine Amtshandlung aus

Bis zur Inthronisation am 11. Januar 2020 hat noch der amtierende Prinz André II. Odermatt das Sagen. Der Zepterwechsel ist nur noch eine formale Amtshandlung. Den kirchlichen Segen hat Gregor I. schon mal. Der Gemeindeleiter der Pfarrei St. Johannes der Täufer, Bernhard Lenfers Grünenfelder, hat Bruhin schon mal kräftig gelobt: «Er tut etwas fürs Gemeinwohl und sagt seine Meinung.» Dann fügt er noch hinzu: «Halleluja.»