Die Junge Alternative Zug: Sie ist jung, beliebt und bald schuldenfrei

Die Partei der Jungen Alternative Zug erlebt im 10. Jahr ihres Bestehens einen starken Mitgliederzuwachs. Das hat verschiedene Gründe.

Cornelia Bisch
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Jonas Feldmann, Gründungsmitglied der Jungen Alternativen Zug, erzählte im September in der Industrie 45, wie die Gründung der Partei vor zehn Jahren ablief.

Jonas Feldmann, Gründungsmitglied der Jungen Alternativen Zug, erzählte im September in der Industrie 45, wie die Gründung der Partei vor zehn Jahren ablief.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 28. September 2019)

Die Gründungsmitglieder sind ihr mittlerweile entwachsen und in die Partei der Alternative Zug übergetreten. Nur noch einer, Jonas Feldmann, der damals erst 16 Jahre alt war, ist noch bei der Jungen Alternative. Die anfänglich kleine Gruppe engagierter Grüner ist mittlerweile zu einer stattlichen Grösse angewachsen. Momentan gehören der Partei über 80 eingetragene Mitglieder an. Eine schöne Zahl fürs 10-Jahr-Jubiläum, das mit einem grossen Fest im September gefeiert wurde.

«In diesem Sommer haben wir 15 Neuzugänge verzeichnen dürfen», erzählt Co-Präsidentin Gurbetelli Yener. Um die neuen Mitglieder besser kennen zu lernen, wurde ein gemeinsamer Brunch organisiert. Die 21-Jährige selbst ist seit 2016 Mitglied der Partei, seit 2017 in der heutigen Position, die sie jedoch an der nächsten Jahresversammlung im Frühling abgeben möchte. «Es soll nun jemand Neues eine Chance bekommen, sich einzubringen», begründet sie diesen Entscheid.

«Natürlich profitieren wir von der aktuellen Klimadebatte», räumt die Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens ein. Aber die Junge Alternative sei auch eine sehr aktive Partei, die sich mit zahlreichen Aktionen engagiere.

«Wir waren schon vor der grünen Welle die aktivste Jungpartei im Kanton Zug.»

Aktuelle Themen seien nach wie vor die Menschenrechtsverletzungen, welche von Zuger Firmen im Ausland begangen würden, sowie die Klimapolitik, auf deren Dringlichkeit mit Aktionen und Demonstrationen hingewiesen werde. «Wir wollen auf die schrecklichen Missstände aufmerksam machen und fordern, dass solche Verbrechen endlich aufhören.» Die Junge Alternative habe kürzlich die Transparenzinitiative lanciert zur Offenlegung der Budgets politischer Akteure und Parteien. «Dazu fand eine witzige Aktion statt», erzählt Yener lachend. «Drei Nationalratskandidaten der Jungen Alternative putzten die Bürofenster von Regierungsräten für mehr Transparenz.»

Regelmässig finden zudem Mitgliederversammlungen statt, in denen über aktuelle Politthemen informiert wird und Parolen gefasst werden. «Danach kochen und essen wir meist gemeinsam, damit die Freundschaft gepflegt und der Zusammenhalt gestärkt wird.»

Verklagt wegen Persönlichkeitsverletzung

Von der Plakataffäre im Jahr 2017 hat sich die Partei der Jungen Alternative inzwischen fast gänzlich erholt. Damals war sie wegen Verletzung der Persönlichkeit verklagt worden, nachdem sie zur Wohnrauminitiative die Gehälter zweier amtieren der Regierungsräte, mit deren Bild auf Plakaten publiziert hatte. «Wir wurden sehr unfair behandelt und konnten unsere Argumente nicht kundtun», erzählt Yener.

«Wir verloren vor Bundesgericht, ohne dass unsere Fragen je beantwortet worden wären.» Noch immer wisse man nicht, ob es sich nun tatsächlich um eine Persönlichkeitsverletzung gehandelt habe oder nicht. «Die Gerichts- und Anwaltskosten sowie die Parteientschädigungen beliefen sich auf über 40000 Franken», berichtet Yener. Das sei ein harter Schlag gewesen. «Die Hälfte des Betrages mussten wir innert zwei Wochen aufbringen. Damals waren wir echt am Ende unserer Kräfte.»

Die junge Partei nahm ein zinsloses Darlehen auf, das Schritt für Schritt zurückerstattet wurde. «Am Esaf verkauften wir Bier, um Geld zu verdienen. Auch mittels Crowdfunding und Spenden sind hohe Beträge zusammen gekommen.» Mittlerweile seien die Schulden auf 2000 Franken geschrumpft. «Schade ist nur, dass lediglich die ‹Plakataffäre› in den Köpfen der Menschen zurückgeblieben ist. Kaum jemand erinnert sich mehr daran, dass es um die Wohnrauminitiative ging.»